Das Lamento der Verlierer

«Nach der Wahl ist vor der Wahl», sagen die Verlierer. Der kämpferische Ton wurde am Sonntagabend aber noch von der ersten Enttäuschung überdeckt.

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Basil Weingartner@bwg_bern

«Es ist bitter», sagt Mathias Tromp. Eine Stunde zuvor hatte der ehemalige Direktor der BLS erfahren, dass er als Grossrat abgewählt wurde. Die persönliche Abwahl schmerzt; das «bitter» bezieht er aber auf das Abschneiden seiner Partei. Vor vier Jahren, kurz nach der Abspaltung von der SVP, gewann die BDP im kantonalen Parlament auf Anhieb 25 Sitze. Nun sind elf davon weg. Ob solcher Verluste werden selbst gestandene Politiker ratlos.

Man werde das Ergebnis genau analysieren müssen, sagt Tromp. Vielleicht sei die von der BDP betriebene «konstruktive Sachpolitik» für die Wähler zu wenig aufregend gewesen, vermutet er. «Gekrampft» habe man, und nun dies. Die Ernüchterung nach dem lange herbeigesehnten Wahltermin ist spürbar, Tromp zieht es nach Hause. Auch Regierungsrätin Beatrice Simon, die eben das von der BDP angemietet Lokal am Rathausplatz verlässt, scheint ratlos. Vielleicht sei man zu wenig pointiert gewesen. Eine Vermutung auch dies. «Wir werden dies analysieren müssen», sagt Simon, sagte zuvor Tromp.

Die Stimmungslage Simons dürfte diffizil sein an diesem frühlingshaften Sonntagabend: Während ihre Partei einbrach, die angestrebte bürgerliche Mehrheit im Regierungsrat knapp verfehlt wurde, ist die Seedorferin mit dem besten Resultat als Regierungsrätin bestätigt worden. «Es war eine Berg-und-Talfahrt heute», sagt sie. Nun warten vier weitere Jahre in einem linksdominierten Regierungsrat: «Ich kenne diese Situation». Sonderlich erfreut klingt dies nicht.

CVP verliert letzten Sitz

Überhaupt keine Freude verspürt dagegen der Stadtberner CVP-Gemeinderat Reto Nause. Er sei «extrem enttäuscht». Die CVP hat zwar nur einen einzigen Parlamentssitz verloren. Doch war dies der letzte im Wahlkreis, gar der letzte im Kanton Bern. Besonders schmerzhaft ist die Niederlage für Nause auch deshalb, weil doch eine andere Mittepartei, die GLP, zu den grossen Gewinnerinnen des heutigen Wahltags gehört. Nun fokussiere man sich auf die Nationalratswahlen. «Nach der Wahl ist vor der Wahl», sagte zuvor bereits Beatrice Simon.

Vier Jahre können eine lange Zeit sein. Erst recht wenn man der parlamentarischen Minderheit angehört. Gleichwohl sind die Gesichter jenseits der Strasse in der Tapas-Bar Volver und bei der SP ungleich fröhlicher: Die Partei konnte ihren Wähleranteil leicht ausbauen, dennoch büsste die Partei Sitze ein – verblasstes Glück bei der Sitzverteilung. Die eben mit einem Glanzresultat wiedergewählte Stadtbernerin Ursula Marti strahlt. Sie hoffe, dass «konstruktive Kräfte» nun zusammenarbeiten werden. Zumal der Wahlkampf nun vorüber sei. Illusionen macht sie sich keine. Schliesslich ist nach der Wahl stets auch vor der Wahl.

DerBund.ch/Newsnet

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