Das Gift der Bauern geht den Bach runter

Obwohl Berner Bauern Pestizide ordnungsgemäss einsetzen, gelangt zu viel Gift in die Gewässer.

Eine heutige ARA kann die Schadstoffe aus der Landwirtschaft nicht herausfiltern. (Symbolbild: ARA Neubrück)

Eine heutige ARA kann die Schadstoffe aus der Landwirtschaft nicht herausfiltern. (Symbolbild: ARA Neubrück) Bild: Franziska Scheidegger

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Die Bauern sind alarmiert. Im laufenden Jahr wurden auf nationaler Ebene gleich zwei Volksinitiativen eingereicht, die das Zeug dazu haben, die heutige Landwirtschaft umzukrempeln: die Trinkwasserinitiative und die Initiative für ein Verbot synthetischer Pestizide. Nun führen aktuelle Messresultate den Bauern vor Augen, dass Spritzmittel tatsächlich ein Problem darstellen. Die Daten wurden im Rahmen des Berner Pflanzenschutzprojekts erhoben und gestern vom Kanton und den Berner Bauern gemeinsam den Medien vorgestellt. Sie lancierten das Projekt 2017 zusammen. Es dauert noch bis 2022.

Gemessen werden die Schadstoffeinträge in zwei kleinen Bächen und beim Ausfluss dreier Abwasserreinigungsanlagen (ARA). Die ersten Resultate sind ernüchternd. In den Bächen reichert sich vor allem im Frühjahr ein problematischer Cocktail an, der Pflanzen und Kleinlebewesen schädigt. Bei den ARA ist das Problem sogar noch akuter. Insbesondere bei der ARA Ins werden Grenzwerte dauerhaft überschritten. Die Gifteinträge erreichen Werte, die Fische schädigen. Dies, obwohl die Bauern gemäss geltenden Vorschriften handelten, wie Claudia Minkowski vom Gewässer- und Bodenschutz­labor betonte. Sie ist für die Messungen zuständig. Die ausgewählten Bäche und ARA seien repräsentativ für Gebiete im Kanton Bern, in denen Gemüse angebaut oder Ackerbau betrieben werde.

Überraschte Bauern

Thomas Iseli, einer der 35 Bauern, die im Einzugsgebiet der beiden überwachten Kleingewässer Ballmoosbach bei Zuzwil und Chrümelibach bei Bätterkinden ihr Land bestellen, war überrascht, als er die Befunde sah. «Ich will gesunde Lebensmittel herstellen und von deren Erlös leben», sagte er vor den Medien. Er sei deshalb sehr interessiert an einer Verbesserung der Situation. Ganz ohne Pflanzenschutzmittel werde er aber nicht auskommen. Sonst müsste er in schlechten Jahren einen Totalausfall der Ernte hinnehmen.

Minkowski vom Gewässerschutzlabor hat erste Tipps für die Bauern: Schwachpunkte seien Entwässerungssysteme auf dem Feld und die Hofplätze, auf denen die Feldspritzen gereinigt würden. So gelangten Schadstoffe direkt in die Gewässer. Eine heutige ARA könne diese nicht herausfiltern, sagte Minkowski. Für Volkswirtschaftsdirektor Christoph Ammann (SP) ist klar, dass die Landwirtschaft handeln muss. Das tue man, betont Hansjörg Rüegsegger, Präsident der Berner Bauern. Mit dem Pflanzenschutzprojekt gehe der Kanton Bern das Problem proaktiv an. Im zweiten Jahr des Projekts machen bereits 3200 Betriebe mit. Sie erhalten von Bund und Kanton Geld für ihren Aufwand. Laut dem Projektleiter liegen die Beiträge zwischen 100 Franken und 15000 Franken pro Betrieb. Das sechsjährige Projekt kostet 62,7 Millionen Franken, wovon der Kanton 10,6 Millionen beisteuert. (Der Bund)

Erstellt: 01.09.2018, 08:08 Uhr

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