Das Geschäft mit dem legalen Hanf gerät ins Stocken

Zu viele Produzenten, mangelhafte Ware: Die Hanfbranche durchlebt die erste Krise. Die Preise sind im Sinkflug.

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Am Anfang herrschte Goldgräberstimmung. Flutartig erreicht das Geschäft mit dem legalen Hanf 2016 die Schweiz. Risikofreudige mieten sich in Fabrikhallen ein oder pachten Ackerland, um Cannabis mit hohem CBD-Gehalt anzubauen und zu züchten. Hanflädeli schiessen wie Pilze aus dem Boden und verkaufen Raucherware oder Wellness- und Beauty-Produkte. Auch Detailhändler und Kioske ziehen mit und bauen ihr Sortiment aus. Ein Kilo des beruhigenden, aber nicht berauschenden Hanfs bringt den Produzenten 5500 Franken ein. Heute ist es weit weniger als die Hälfte. Die erste Krise hat die Branche erfasst.

Der Grund hierfür liegt im Tempo, in welchem sich dieser neue Markt gebildet hat: Zahlreiche Produzenten witterten das grosse Geschäft und wollten ihr Stück des Kuchens. Das hat zu einem Überangebot geführt. «Der Markt ist übersättigt», sagt Joël Zaugg von der Opencrop GmbH. Er ist schweizweit einer der CBD-Hanfpioniere, der im Seeland einen Acker gepachtet hat und in Bern auch Indoor-Hanf anbaut (der «Bund» berichtete). Wie viele Personen mittlerweile CBD-Hanf anbauen oder damit handeln, lässt sich schwer abschätzen. Im Kanton Bern hat sich die Branche in relativ kurzer Zeit breitgemacht, wie ein Blick ins Handelsregister zeigt: Allein 2017 haben sich über 20 Unternehmen eintragen lassen, die Anbau und/oder Vertrieb von legalem Hanf bezwecken. Die Anzahl Händler im Kanton Bern dürfte allerdings weitaus höher sein, da die Unternehmen sich nicht unbedingt dort eintragen müssen, wo ihre Läden stehen.

Zollverwaltung ist überfordert

CBD-Produzenten müssen sich zudem im Register der Eidgenössischen Zollverwaltung (EZV) eintragen lassen, da auf die Raucherprodukte auch die Tabaksteuer erhoben wird. Die Zahlen der EZV sprechen für sich: Aktuell sind es schweizweit 498 Produzenten. Vor einem Jahr waren es lediglich fünf.

Die Zollbehörden sind denn auch entsprechend ausgelastet. «Der sprunghafte Anstieg der steuerpflichtigen Firmen» bedeute einen Mehraufwand, der beim zuständigen Fachdienst mit Aushilfen aus anderen Bereichen der Zollverwaltung bewältigt werde, heisst es bei der EZV auf Anfrage. Auch der Kontrollaufwand sei höher, da Cannabis mit einem THC-Gehalt von unter einem Prozent visuell nicht von Drogenhanf zu unterscheiden sei.

Reguliert sich der Markt selber?

Nicht nur das Überangebot ist für die CBD-Hersteller ein Problem. Offenbar leidet auch die Qualität des Hanfs durch die zahlreichen Player auf dem Markt. «Einige haben vorher noch nie Pflanzen gezüchtet und bringen die benötigte Qualität nicht hin. Das kann das Vertrauen der Konsumenten zerstören», sagt Joël Zaugg. Auf qualitative Mängel hat vergangenes Jahr bereits der «Kassensturz» hingewiesen. Bei einem Test enthielten die untersuchten Produkte bis zu 83 Prozent weniger CBD als angegeben. Zusätzlich wurden bei einigen Produkten Pestizide festgestellt. Der anfängliche Boom sei aber auch etwas abgeflaut, so Zaugg. «Als alles noch neu war, wollten die Leute die CBD-Produkte einfach einmal ausprobieren. Nicht alle werden dann zu Stammkonsumenten.»

Dass die goldenen Zeiten nicht ewig andauern würden, war schon absehbar. Rund 45 Produzenten haben sich daher Ende 2016 zur IG Hanf zusammengeschlossen. Deren Präsident Claudio Buholzer hofft auf eine natürliche Selbstregulierung. «Es werden nicht alle Produzenten auf dem Markt überleben», sagt er. Man müsse, wie überall in der Wirtschaft, innovativ sein und gute Qualität liefern. «Natürlich haben es jene Unternehmen einfacher, die sich in dieser kurzen Zeit bereits etabliert haben.» Buholzer schwebt vor, gemeinsam mit der Schweizerischen Normen-Vereinigung (SNV) Qualitätsrichtlinien zu erarbeiten (siehe unten). «Mittelfristig braucht es Mindeststandards hinsichtlich Qualität, Ausstattung der Anbauanlagen oder Verpackung», sagt er.

Konsumenten profitieren

Während den Produzenten die sinkenden Preise arg zu schaffen machen, sieht es Michael Mosimann «weniger dramatisch». Er führt seit zwölf Jahren das Rauchwaren-Geschäft Fourtwenty in der Berner Altstadt. «Der Markt stagniert. Aber so ist das mit den Trends: Sie kommen und gehen», sagt er. Für Konsumenten sei der Preiszerfall sogar von Vorteil: «2,5 Gramm Hanf gab es früher für 50 Franken. Für denselben Preis gibt es heute fast das Doppelte.» (Der Bund)

Erstellt: 17.01.2018, 06:53 Uhr

Produzenten wollen Richtlinien

Normen-Vereinigung greift Hanf-Branche unter die Arme

Das Geschäft mit dem legalen Hanf ist relativ jung. Viele Produzenten haben zu Beginn von «Wildwest-Verhältnissen» gesprochen: Es gibt kaum Richtlinien, und so manche Behördenstelle hatte Mühe, den Industrie- vom Drogenhanf zu unterscheiden. Nach knapp zwei Jahren wird nun der Ruf nach Normen laut. Und dieser Ruf kommt von den Produzenten selber. Der Grund: Das Überangebot an legalem Hanf setzt ihnen zu. Seit kurzem arbeiten verschiedene Hanfproduzenten und Analyselabors daher mit der Schweizerischen Normen-Vereinigung (SNV) zusammen. «Normen sind keine Gesetze. Produzenten können sich freiwillig daran halten», sagt Programmleiterin Melanie Hasler. Normen erleichterten die Kommunikation innerhalb der Branche und mit den Kunden und erlaubten ein vereinheitlichtes Prozedere bei der Herstellung.
So werde etwa eine einheitliche Terminologie angestrebt, sagt Hasler. «Wann spricht man beispielsweise von Öl, wann von Extrakt?» Ausserdem sollen gemeinsame Standards hinsichtlich der Kultivierung der Pflanzen sowie von deren Verarbeitung und Vermarktung erarbeitet werden. Für die Qualität sei schliesslich auch ein einheitliches Analyse-Verfahren massgebend, damit die Inhaltsstoffe des Hanfs mit denselben Parametern ermittelt würden. Laut Hasler steht die Mitwirkung allen Interessenten offen. (gss)

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