Comeback des Berner Städtebaus

Auf dem Vierer- und Mittelfeld könnte tatsächlich mehr als einfach eine weitere Wohnsiedlung entstehen. Das Projekt zeugt aber auch vom Sinn für das politisch Machbare.

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Bernhard Ott@Ott_Bernhard

Der Berner Städtebau hatte einst einen grossen Namen. Im Westen Berns entstanden nach dem Krieg Siedlungen mit Vorzeige-Charakter, weil der dort umgesetzte Einbezug von Aussenräumen und gemeinschaftlich genutzten Bereichen für die damalige Zeit revolutionär war. Im Zuge stagnierender Bevölkerungszahlen und knapper Finanzen wurde dieser Pioniergeist in den Achtzigerjahren von einem Geist der Funktionalität abgelöst, dem eher nüchterne Wohnsiedlungen wie zum Beispiel Brünnen entsprungen sind. Auf dem Viererfeld und Mittelfeld soll sich das nicht wiederholen. Hier will die Stadt wieder an ihre Pionierzeiten anknüpfen, wie die Ergebnisse des städtebaulichen Wettbewerbs nun zeigen.

Klar, die vielversprechende Brücke ins Nordquartier ist kein Bestandteil des Siegerprojekts. Damit wurden grosszügigere städtebauliche Ansätze verunmöglicht. Auch könnte man monieren, dass der Verzicht auf Hochhausbauten auf dem Mittelfeld von einer typisch bernischen Verzagtheit zeugt.

Aber das nun prämierte Siegerprojekt für Städtebau und Stadtteilpark setzt spannende Akzente beim Aussenraum. Die Anordnung von Plätzen und Strassenachsen schafft zumindest die Möglichkeit, dass an drei, vier ausgewählten Plätzen so etwas wie ein urbanes Lebensgefühl mit Geschäfts- und Gastronomienutzung entstehen könnte. Sie zeugt auch von einem Sinn fürs politisch Machbare in dieser Stadt, in der Ideen zum Bau einer vollwertigen Brücke mit Boulevard pawlowsche Anti-Verkehrs-Reflexe hervorrufen.

Das Siegerprojekt überzeugt schliesslich auch mit der Idee einer Allmend als Bestandteil eines Stadtparks. Die Allmend ist ja sozusagen die Urform eines gemeinschaftlich genutzten Aussenraums, auf dem vielerlei Aktivitäten möglich sind. Auf dem Vierer- und Mittelfeld könnte nun tatsächlich mehr als einfach eine weitere Wohnsiedlung entstehen. Für eine politisch zerstrittene Stadt wie Bern ist das schon fast wieder eine revolutionäre Entwicklung.

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