Chronologie: Verdacht, Vorwürfe und Freispruch

Die Chronologie im Fall Z. ist auch ein Stück Mediengeschichte: Vom Leichenfund bis zur Verurteilung und zum Freispruch.

Zahlreiche Publikationen versuchten über die Jahre, die Wahrheit im Fall Z. zu ergründen – erfolglos.

Zahlreiche Publikationen versuchten über die Jahre, die Wahrheit im Fall Z. zu ergründen – erfolglos. Bild: Keystone

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28. Juli 1985: Z. meldet seine Ehefrau als vermisst.
1. August 1985: Ehefrau Z. wird im eigenen Wohnhaus tot aufgefunden.
9. November 1987: Vor dem Geschwornengericht Bern-Mittelland beginnt der Prozess gegen Z.
4. Dezember 1987: Nach einem Indizienprozess wird er wegen Mordes verurteilt: Zuchthaus, lebenslänglich.
2. Januar 1988: Vier Laienrichter reichen eine Beschwerde wegen der Prozessführung ein, ein unerhörter Vorgang.
19. Mai 1988: Die zuständige Instanz bescheinigt zwei Oberrichtern, sie hätten sich weitgehend korrekt verhalten, einer von ihnen wird verwarnt.
22. Juni 1988: Der Kassationshof lehnt eine Nichtigkeitsklage von Z. ab.
3. November 1988: In der «Weltwoche» beginnt die 17-teilige Serie «Ein klarer Fall». Redaktor Hanspeter Born beschreibt den Fall minutiös und weist auf Ungereimtheiten hin.
22. März 1989: Die Berner Regierung suspendiert den Direktor des Gerichtsmedizinischen Instituts GMI. Er hatte das Gutachten zum Mageninhalt der Toten verfasst, das bei der Verurteilung eine wichtige Rolle spielte.
April 1989: Die «Weltwoche»-Serie erscheint unter dem Titel «Mord in Kehrsatz» als Buch.
19. Juli 1989: Das Bundesgericht lehnt die staatsrechtliche Beschwerde gegen das Urteil des Geschwornengerichts mit fünf zu null Stimmen ab.
23. November 1989: Eine Geschworne, die das Verfahren gegen Z. als einseitig empfunden hat, gründet mit einer Gerichtsberichterstatterin den Verein Fairness im Fall Z.
10. Februar 1990: Auf Anfrage des Vereins sichtet der renommierte Ostberliner Gerichtsmediziner Otto Prokop das GMI-Gutachten und zerzaust es.
Februar 1990: Born verfasst ein weiteres Buch: «Unfall in Kehrsatz». Darin stellt er die These auf, die Eltern hätten ihre Adoptivtochter getötet, weil sich diese mit Ehemann Z. durch Wegzug aus der Umklammerung durch die Eltern habe lösen wollen. Der Buchverkauf wird umgehend untersagt. Born entschuldigt sich später bei den Eltern und zahlt eine Genugtuung.
13. August 1990: Das Bundesgericht tritt nicht auf ein Revisionsgesuch von Z. ein, kann sich aber ein kantonales Revisionsgesuch vorstellen.
21. Februar 1991: Die Anwälte von Z. reichen beim Kassationshof ein Revisionsgesuch ein.
15. April 1991: Der Kassationshof heisst es gut. Hauptgrund sind Zweifel am GMI-Gutachten, das auch von der Gesellschaft für Gerichtsmedizin kritisiert wird.
17. April 1991: Z. ist nach 2086 Tagen Haft wieder ein freier Mann.
August 1991: Der Film «Tage des Zweifels» des Filmemachers Bernhard Giger über den Fall Z. läuft an.
Mai 1992: Eine Strafuntersuchung gegen die Mutter der Ermordeten wegen angeblich falschen Zeugnisses wird eingestellt.
14. April 1993: Vor dem Geschwornengericht Bern-Mittelland beginnt der zweite Prozess gegen Z.
18. Mai 1993: Der Polizeidirektor des Kantons Bern leitet eine Administrativuntersuchung ein gegen den Thorberg-Direktor, da dieser Häftling Z. «unrechtmässige Privilegien» gewährt habe.
29. Mai 1993: Am Pfingstsamstag spricht das Gericht Z. frei – kein Freispruch wegen erwiesener Unschuld, sondern einer aus Mangel an Beweisen. Vier Radiojournalisten resümieren den Fall im Buch «Der galoppierende Kehrichtsack».
7. Juni 1993: Staatsanwalt Heinz Walter Mathys (siehe Interview) reicht beim Kassationshof Nichtigkeitsklage ein.
4. August 1993: Die Administrativuntersuchung gegen den Gefängnisdirektor bestätigt die Vorwürfe. Er demissioniert auf Ende 1993.
8. November 1993: Staatsanwalt Mathys stellt das Gesuch, Z. sei wieder zu verhaften, was das Kassationsgericht Mitte November ablehnt.
14. November 1993: Eine Zürcher Rechtsanwältin und eine Berner Fürsprecherin publizieren das Buch «Das Ende der Tage des Zweifels». Die Juristinnen behaupten, Z. habe seine Frau mit einem Radmutterschlüssel erschlagen, die Zürcherin hat sogar das frühere Auto von Z. auf dem Occasionsmarkt aufgestöbert.
23. Oktober 1994: Vor Strafamtsgericht Bern beginnt der sogenannte Sattler-Prozess, angestrengt durch Staatsanwalt Mathys. Eine Zeugin hatte im zweiten Prozess ausgesagt, ein Sattler habe ihr folgendes erzählt: Z. sei am Tag des Verschwindens seiner Frau ins Geschäft gekommen und habe sich erkundigt, wie man Blutflecken aus einer Matratze entferne («Chunnt doch dä Cheib [..?.]»). Blutflecken auf der Matratze spielten im Prozess eine wichtige Rolle. Der Sattler sagt im zweiten Prozess, weder sei Z. zu ihm gekommen noch habe er der Zeugin derartiges erzählt. Mathys will den diametralen Widerspruch nicht hinnehmen und erhebt Strafanzeige wegen falschen Zeugnisses. Am 15. August 1995 wird der Sattler freigesprochen.
März 1995: Der Film «Ein klarer Fall» von Rolf Lyssy («Die Schweizermacher) kommt in die Kinos, doch die «Z.-Manie» ist abgeflaut.
1. Januar 1997: Die Geschwornengerichte sind abgeschafft, nicht nur, aber auch eine Folge des Falls Z. (Der Bund)

Erstellt: 27.07.2015, 08:17 Uhr

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