«Chemiker können wir nicht brauchen»

Roland Fuchs, stellvertretender Kommandant der Berufsfeuerwehr Bern, geht morgen in Pension. Der ausgebildete Chemiker hat insgesamt 18 Jahre für die Berufsfeuerwehr gearbeitet. Seine Tauglichkeit wurde einst aber übersehen.

Roland Fuchs hat am Donnerstag seinen letzten Arbeitstag.

Roland Fuchs hat am Donnerstag seinen letzten Arbeitstag.

(Bild: Manu Friederich)

Adrian Schmid@adschmid

Als junger Chemiker zog Roland Fuchs Anfang der 1980er-Jahre von Burgdorf nach Ringgenberg am Brienzersee, da er bei der Feuerwerksfabrik Hamberger eine neue Stelle gefunden hatte. Bei der örtlichen Feuerwehr waren seine Dienste allerdings nicht gefragt. «Chemiker können wir nicht brauchen», sagte ihm der Kommandant.

Dieser konnte nicht ahnen, dass es Fuchs später bis zum stellvertretenden Kommandanten der Berufsfeuerwehr Bern und zum Vizepräsidenten des Schweizerischen Feuerwehrverbandes bringen würde.

Bewerbung als Pilot

1986, zurück in Burgdorf, wurde Fuchs dann doch angefragt, ob er sein Fachwissen der Feuerwehr zur Verfügung stellen könnte. So half er nach den Überschwemmungen von 1987 mit, als in Oberburg Chemikalien aus einem Keller geborgen wurden. «Ich musste den Feuerwehrleuten sagen, sie sollen Handschuhe anziehen», erinnert er sich. Dies war der Startschuss für die Karriere bei der Feuerwehr. Fuchs arbeitete sich bei der Stützpunktfeuerwehr Burgdorf nach oben, bis zum Vizekommandanten. Daneben engagierte er sich bald einmal auch als Instruktor. Dabei wollte er als Kind gar nie Feuerwehrmann werden. Eher kam Pilot als Beruf infrage. Er probierte es sogar bei der Swissair, wurde aber nicht angenommen.

Ab 1995 wurde das Fachwissen des Chemikers von der Feuerwehr noch stärker in Anspruch genommen. Fuchs trat bei der Berufsfeuerwehr Bern in den vollamtlichen Dienst ein. Als Chemiewehrfachberater half er im Auftrag der Gebäudeversicherung Bern mit, die Öl- und Chemiewehr im Kanton Bern aufzubauen. Aufgrund der Erkenntnisse des Grossbrandes beim Chemiekonzern Sandoz im Jahr 1986 in Schweizerhalle bestand Handlungsbedarf. «Heute ist die Feuerwehr auf diesem Gebiet viel besser vorbereitet», sagt Fuchs.

Euro 08 als Höhepunkt

Parallel übernahm Roland Fuchs im Laufe der Zeit immer mehr Aufgaben bei der Berufsfeuerwehr und wurde schliesslich Leiter des Bereichs Planung und Einsatz. Dazu gehörte insbesondere die Vorbereitung von voraussehbaren Grosseinsätzen. Der absolute Höhepunkt war dabei die Euro 08. Etliche Male sass Fuchs im Vorfeld mit den Verantwortlichen des Europäischen Fussballverbandes Uefa am Tisch, um den Feuerwehreinsatz aufzugleisen.

«Die drei Spiele mit den Holländern waren unvergesslich. So etwas erlebt man nur einmal», sagt Fuchs. In seinem Büro steht immer noch ein Plakat mit der Aufschrift «Merci unserer Hausfeuerwehr». Dies war ein Geschenk der Organisatoren der Fussball-EM.

Ärger über «Tanz dich frei»

In die Zuständigkeit von Roland Fuchs gehörten aber auch «kleinere» Ereignisse wie Staatsbesuche, Fussballspiele oder Demonstrationen, bei welchen sich die Feuerwehr im Vorfeld ebenfalls rüsten musste. Zu denken gab ihm dabei, was vor einigen Wochen bei «Tanz dich frei» geschehen ist. «Wir waren eingebunden, um die Sicherheit zu gewährleisten. Dennoch ging man auf unsere Leute los.»

Rückblickend auf die 18 Jahre im Dienste der Berufsfeuerwehr Bern streicht Fuchs vor allem die vielen Begegnungen mit Menschen aus den verschiedensten Bereichen hervor. Das erlebe man sonst nirgends, sagt er. Daneben gab es aber auch weniger schöne Erlebnisse. So musste Fuchs 2004 nach Gretzenbach im Kanton Solothurn ausrücken, wo bei einem Garageneinsturz sieben Feuerwehrleute ums Leben gekommen waren. Um solch dramatische Ereignisse zu verarbeiten, habe es ihm jeweils geholfen, mit seinen Kollegen darüber zu sprechen, so Fuchs weiter.

Jetzt kommt das Schwingfest

Nun hat Roland Fuchs morgen seinen letzten Arbeitstag bei der Berufsfeuerwehr Bern. Er wird daheim ein letztes Mal seine Uniform anziehen und mit dem 6-Uhr-Zug von Burgdorf nach Bern fahren. Ab übermorgen gilt sein Augenmerk dann ganz dem Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest in Burgdorf. Er ist im Organisationskomitee für den Feuerwehr-Bereich zuständig. Erst danach will sich der 61-jährige allmählich zur Ruhe setzen. Bei der Berufsfeuerwehr wird im September Martin Allenbach, Sicherheitsberater und Feuerwehrkommandant von Frutigen, seine Nachfolge antreten.

Obwohl Roland Fuchs gerne für die Feuerwehr gearbeitet hat und in all den Jahren viele Kameradschaften schliessen konnte, freut er sich auf den neuen Lebensabschnitt, der nun folgt. «Es war toll bei der Feuerwehr. Aber alles hat im Leben seine Zeit.»

Der Bund

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