Cäsium im Bielersee: Ursache war Atomabfall-Behandlung

Die Atomaufsicht Ensi bestätigt, dass das AKW Mühleberg die Quelle für die Ablagerungen von radioaktivem Cäsium 137 im Bielersee ist. Ursache war eine Atomabfall-Behandlung.

Die Cäsiumabgaben aus dem AKW Mühleberg sind laut dem Ensi in den letzten Jahren immer kleiner geworden: Badende im Strandbad Biel.<p class='credit'>(Bild: Keystone)</p>

Die Cäsiumabgaben aus dem AKW Mühleberg sind laut dem Ensi in den letzten Jahren immer kleiner geworden: Badende im Strandbad Biel.

(Bild: Keystone)

Simon Thönen@SimonThoenen

Noch am Sonntag hiess es vonseiten der Atomaufsicht Ensi, man könne die Ursache der erhöhten Ablagerung von radioaktivem Cäsium 137 im Grund des Bielersees «nicht eindeutig identifizieren». Einen Tag später – nach breiter Medienberichterstattung – ging es doch. Am Montag teilte das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (Ensi) auf seiner Internetseite mit, dass die «endlagerfähige Konditionierung von Altharzen» im AKW Mühleberg die Ursache war.

Konkret: In Mühleberg wurde Ende der 1990er-Jahre eine neue Anlage in Betrieb genommen, mit der radioaktives Harz aus Filtern so verfestigt wird, dass es bereit für Atommülllager ist. Anfangsschwierigkeiten führten dazu, dass mehr Cäsium 137 in die Aare abgelassen wurde – was die Ablagerungen im Bielersee im Jahr 2000 bewirkte. Die Anlage wurde in der Folge optimiert und die Abgaben von Cäsium 137 sanken wieder.

AKW-Gegner Jürg Joss ärgert sich über die Informationspolitik des Ensi: «Es ist ungeheuerlich, dass das Ensi zuerst mauert und dann plötzlich doch eine so klare Antwort liefern kann, sobald die Empörung in der Bevölkerung nur gross genug ist.»

Strahlung unter Grenzwerten

Das Ensi wiederum bezeichnete gestern die Erkenntnis, dass Ablagerung und Abwasser aus Mühleberg zusammenhängen als «weder überraschend noch gefährlich». Die Cäsium-137-Spitze sei in den Strahlenschutzberichten des Ensi dokumentiert. Der Auflistung, die das Ensi nun aufgeschaltet hat, kann man weiter entnehmen, dass «Brennelementschäden» im AKW Mühleberg in den 1970er-Jahren zu weit mehr Cäsium 137 im Abwasser führten – und zu entsprechend grösseren Ablagerungen in den Sedimenten des Bielersees. Noch grössere Ablagerungen bewirkten allerdings die Atombombentests der 1960er-Jahre und die Katastrophe von Tschernobyl 1986.

Das Ensi betont zudem, was unbestritten ist: dass die festgestellte Strahlung der Ablagerung aus dem Jahr 2000 von 41 Becquerel pro Kilogramm verglichen mit den gesetzlichen Grenzwerten gering ist. Für Getränke zum Beispiel betrage sie 1000 Becquerel. Auch wenn jemand ein Kilogramm des Sediments verschlucken würde, so das Ensi, wäre die Dosis «weit entfernt von Werten, die in irgendeiner Weise gesundheitlich problematisch sein könnten».

Mühleberg verfehlt Zielwert

Weiter schreibt das Ensi, dass in Mühleberg auch in den Jahren 1998 und 1999, als unüblich viel Cäsium 137 ins Abwasser floss, «die Grenzwerte deutlich eingehalten wurden». Der Sprecher der Betreiberin BKW, Antonio Sommavilla, betont, das Werk habe «in den letzten Jahrzehnten nur einen Bruchteil der gesetzlich zulässigen Werte abgegeben».

Andererseits ist die radioaktive Belastung des Abwassers aus Mühleberg viel höher als jene in den vier anderen Atomkraftwerken der Schweiz. Offensichtlich wäre es also möglich, die Strahlung des Abwassers auch in Mühleberg drastisch zu senken. Das findet auch das Ensi. Es hat deshalb die BKW aufgefordert, die radioaktive Belastung ab Ende 2010 zu reduzieren – «unter Wahrung der Verhältnismässigkeit» allerdings, wie das Ensi auf Anfrage schreibt.

Die bisherigen Resultate dieser Bemühungen umschreibt das Ensi in seiner Antwort so: «Das Kernkraftwerk Mühleberg erzielte deutliche Fortschritte, konnte aber den Zielwert noch nicht erreichen.» Tatsächlich ist das AKW noch weit davon entfernt. Der Zielwert für Mühleberg beträgt laut Ensi eine Strahlung von höchstens 1 Milliarde Becquerel im Abwasser (ohne Tritium). 2012 lag der entsprechende Wert in Mühleberg laut Ensi-Strahlenschutzbericht dreimal höher, bei 3 Milliarden Becquerel. «Die Optimierung wird fortgesetzt», schreibt das Ensi. BKW-Sprecher Sommavilla verspricht «weitere deutliche Reduktionen». Das Ensi habe der BKW aber keinen Termin gesetzt, um den Zielwert zu erreichen..

Der Bund

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