Bürger wollen mit Gülle Fahrende stoppen

In Wileroltigen droht der nächste Konflikt um die fahrenden Ausländer.

Hier soll kein Fahrender durchkommen: Barrikade beim Transitplatz.

Hier soll kein Fahrender durchkommen: Barrikade beim Transitplatz. Bild: Manu Friederich

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Die Bewohner aus Wileroltigen sind in Aufruhr. Durch das «Buschtelefon» haben sie erfahren, dass wieder Fahrende auf dem Platz neben der A 1 in ihrer Gemeinde auffahren wollen. Das Gerücht kennt auch der Gemeindepräsident Christian Grossenbacher, doch offizielle Informationen dazu habe er nicht, sagt er auf Anfrage. Doch auf die ungesicherte Nachricht reagierten einige Bewohner mit Taten: Hühnermist und Jauche liegen seit vorgestern auf der Fläche, die bis vor zwei Wochen noch von hundert Fahrenden besetzt gewesen war. Hinter dieser Aktion steckt das Wileroltiger Bürgerkomitee. «Wir wollen die nicht in unserer Gegend», begründet Armin Mürner, Präsident des Bürgerkomitees, die Aktion. Man habe eine Art Alarmsystem eingerichtet und das Dorf verbarrikadiert, sagt Mürner. Dafür haben verschiedene Bewohner die Fläche mit Betonklötzen abgesperrt, damit niemand auf den Platz fahren kann. «Zudem haben die Bauern ihre Felder eingezäunt, damit man sich darauf nicht mit Fahrzeugen niederlassen kann», sagt Mürner.

Es soll wieder Ruhe einkehren

Gemeindepräsident Grossenbacher sagt, der Wileroltiger Gemeinderat habe nichts mit der Gülle-Aktion zu tun, sie sei von Privatleuten organisiert worden. Dennoch fände auch er es nicht gut, wenn die französischen Fahrenden wieder auf den Platz zurückkehren würden. Man habe den ausländischen Fahrenden bei deren Abreise mitgeteilt, dass sie dieses Jahr in der Gemeinde nicht mehr erwünscht seien, so der Gemeindepräsident. «Das Dorf braucht erst mal etwas Ruhe, um wieder herunterzukommen», begründet Grossenbacher die ablehnende Haltung gegenüber den Fahrenden. Doch Ruhe ist gerade nicht angesagt: Zurzeit beunruhigt den Gemeinderat zudem die angekündigte Demonstration des Kollektivs Bleiberecht am 24. September. Aktivisten möchten im Dorf gegen Antiziganismus demonstrieren, doch der Gemeinderat möchte dies lieber nicht bewilligen. «Die Emotionen sind zurzeit noch immer aufgeheizt, wir wissen nicht, ob wir die Sicherheit gewährleisten können.» Mit der gleichen Begründung hatten die Behörden schon den Infoabend zum geplanten Transitplatz für Fahrende vom 14. August abgesagt. Sie hatten gefürchtet, der von rechten Kreisen angeheizte Anlass würde von auswärtigen Gegnern überrannt. Das Dorf konnte sich ein seriöses Polizeiaufgebot nicht leisten.

Wer sind die Aktivisten?

Das Kollektiv Bleiberecht ärgert sich über die ablehnende Haltung des Gemeinderats: «Wir denken, dass dies ein falscher Vorwand ist, um Kritiker und Kritikerinnen des Antiziganismus mundtot zu machen», heisst es in einer Stellungnahme. Weiter wirft das Kollektiv der Gemeinde vor, antiziganistische Transparente im Dorf und entlang der Autobahn geduldet und nichts unternommen zu haben, um die Fahrenden auf dem geplanten Transitplatzgelände vor Beschimpfungen, und Drohungen zu schützen. Grossenbacher hält wenig von den Vorwürfen des Kollektivs. «Wir werden nächste Woche entscheiden, ob wir die Demonstration zulassen.» Bevor man entscheide, versuche man, mit dem Kollektiv in persönlichen Kontakt zu treten, denn man wisse überhaupt nicht, wer hinter dieser Organisation stehe.

Das Bundesamt für Strassen hat sich im Juli bereit erklärt, dem Kanton Bern das Areal an der A 1 abzutreten, damit dort ein definitiver Transitplatz für ausländische Fahrende erstellt werden kann. Diese Nachricht stiess im Dorf schon damals auf grosse Ablehnung. (Der Bund)

Erstellt: 26.08.2017, 08:07 Uhr

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