Bruchlandung in der Simme - Flugunfall in Zweisimmen geklärt

Ein Pilot und sein Fluglehrer wollten ein Notfallszenario durchspielen. Doch dann wurde aus der Simulation plötzlich Ernst.

Die Maschine war vom Flugplatz Zweisimmen aus gestartet. (Archivbild)

Die Maschine war vom Flugplatz Zweisimmen aus gestartet. (Archivbild) Bild: zvg

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Bei einer unsanften Landung eines zweiplätzigen Leichtflugzeugs sind im April 2015 in Zweisimmen ein Fluglehrer und der Pilot verletzt worden. Die beiden wollten ein Notfallszenario durchspielen, doch dann wurde aus der Simulation plötzlich Ernst. Nun ist klar warum.

Gemäss dem am Donnerstag veröffentlichten Schlussbericht der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle SUST wollten der Pilot und der Fluglehrer im Rahmen eines Jahresübungsfluges trainieren, was im Falle einer Motorenpanne zu tun ist. Die beiden starteten vom Flugplatz Zweisimmen aus.

Während des Flugs kam es an Bord zu einer Situation, die Pilot und Fluglehrer zuvor nicht explizit besprochen hatten. Der Pilot fragte nach, ab welcher Höhe im Fall einer Panne eine Umkehrkurve oder ein verkürzte Platzrunde nach dem Start noch möglich sei. Der Fluglehrer gab dem Piloten dazu keine konkrete Antwort, was der gängigen Praxis der Flugschule für solche Notfallübungen entsprach.

Fluglehrer und Pilot einigten sich darauf, dass der Pilot nach eigener Einschätzung selbständig das Gas herausnehmen und die Umkehrkurve einleiten sollte. Als das Flugzeug nach dem Einleiten der Umkehrkurve stärker sank als erwartet, bemerkte die Besatzung, dass etwas nicht stimmte. Die Maschine war viel zu tief, um die anvisierte Piste 17 auf dem Flugplatz Zweisimmen noch zu erreichen. Als die Besatzung Gas geben wollte, fiel der Motor aus.

Der Fluglehrer übernahm die Steuerung und leitete eine Notlandung ein. Dabei kollidierte der Flieger mit Baumkronen nördlich des Flugfeldes und stürzte in die dahinter fliessende Simme. Der Pilot verlor vorübergehend das Bewusstsein. Der Bach führte zu dieser Jahreszeit viel Wasser. Der Fluglehrer realisierte, dass den beiden nicht viel Zeit blieb, sich aus dem Wrack zu befreien. Er öffnete die Gurte und stieg auf die Motorhaube. Dort half er dem Piloten. Als dieser im Wasser war, sprang der Fluglehrer hinterher. Beide konnten schwimmend das Ufer der reissenden Simme erreichen.

Der Untersuchungsbericht kommt zum Schluss, dass beide Besatzungsmitglieder die notwendige Höhe für eine Umkehrkurve falsch eingeschätzt haben. Es erstaune, dass der Fluglehrer mit Blick auf die Topografie rund um das Flugfeld eine derart niedrig eingeleitete Umkehrkurve zugelassen habe, heisst es weiter.

Das Wrack wurde vom reissenden Fluss über 500 Meter weit mitgerissen. Teile davon fanden sich sogar im Dutzende Kilometer weit entfernten Thunersee. (mck/sda)

Erstellt: 11.10.2018, 10:58 Uhr

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Werbung

Immobilien

Blogs

KulturStattBern Kulturbeutel 43/18

Zum Runden Leder Helden in der Heimat

Abo

Das digitale Monatsabo Light für Leser.

Nutzen Sie den «Bund» digital im Web oder auf dem Smartphone. Für nur CHF 19.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Hoch über dem Alltag: Eine Frau sitzt auf einer Hängebrücke und blickt hinunter auf den Schlegeis-Stausee bei Ginzling in Österreich. (21. Oktober 2018)
(Bild: Lisi Niesner) Mehr...