Biobauer Kilian Baumann tritt in grosse Fussstapfen

Der überraschend gewählte grüne Grossrat und Sohn des einstigen Nationalratsehepaars Stephanie und Ruedi Baumann bekommt die Chance, zu zeigen, was er politisch bewirken kann.

«Ich konnte absolut nicht damit rechnen, gewählt zu werden», sagt Kilian Baumann.

«Ich konnte absolut nicht damit rechnen, gewählt zu werden», sagt Kilian Baumann. Bild: Thomas Reufer

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Das letzte Mal hat Kilian Baumann vor 14 Jahren für einen kleinen Medienwirbel gesorgt. Als Veranstalter eines Open Airs auf dem elterlichen Hof in Suberg stellte er die Tonregler etwas gar grosszügig ein und provozierte einen Besuch der Polizei. Sein Vater Ruedi Baumann, damals Nationalrat und Präsident der Grünen, intervenierte und wurde prompt wegen Gewalt und Drohung angezeigt.

Unterdessen geht es auf dem 150-jährigen Biohof Inselmatt ruhiger zu und her. Kilian Baumann führt einen Rindermastbetrieb, lebt vom Direktverkauf des Fleischs und hat mit seiner Lebenspartnerin eine Familie gegründet. Im Mai erwarten sie ihr zweites Kind. Die berühmten Eltern von Kilian Baumann – auch seine Mutter Stephanie Baumann sass im Nationalrat – sind schon vor Jahren nach Frankreich ausgewandert. Trotzdem gaben sich die Journalisten gestern in Suberg wieder die Klinke in die Hand.Überraschend wurde Kilian Baumann am Sonntag für die Grünen Seeland in den Grossen Rat gewählt.

Progressiver Vater als Belastung

Der 33-Jährige hat die Bisherige Silvia Lüthi verdrängt und auch den bekannten Biowinzer Bruno Martin knapp überrundet. Dass ihm nun vor allem wegen seiner Herkunft so viel Aufmerksamkeit zukommt, ist ihm nicht recht. «Ich werde lieber an meinen eigenen Taten gemessen als an jenen meiner Eltern», sagt Baumann. Schon in der Landwirtschaftsschule habe er jeweils den Kopf hinhalten müssen für die progressive Landwirtschaftspolitik seines Vaters. Kilian Baumann weiss aber auch, dass ein bekannter Name in der Politik hilfreich sein kann.

Seit 2010 arbeitet Baumann im Vorstand der Grünen Seeland mit. Politische Ämter hatte er aber noch keine inne. Politik sei für ihn bisher ein Hobby gewesen. So hat er sich beispielsweise für die Initiative zur Legalisierung von Cannabis eingesetzt, kämpft gegen die Atomenergie oder engagiert sich für die Initiative zum Schutz des Kulturlandes.

Ein politisches Programm kann er nicht vorweisen. «Ich konnte absolut nicht damit rechnen, gewählt zu werden», sagt Kilian Baumann. Für das Kantonsparlament sei es aber sicher eine Bereicherung, wenn auch einmal ein linker Bauer seine Meinung sage. «Diese Seite wird in der Landwirtschaftspolitik viel zu wenig berücksichtigt.» Die Kultur ist ihm ebenfalls ein Anliegen. Früher hat er in Lyss eine Bar betrieben und regelmässig Konzerte veranstaltet. Sein älterer Bruder, der Filmemacher Simon Baumann, wurde zudem mit dem Dokumentarfilm «Zum Beispiel Suberg» bekannt.

Einst Herrscher über «Neuland»

Da die Eltern durch ihre vielen Ämter und Funktionen stark absorbiert waren, hatten die beiden Brüder sehr viele Freiheiten. «Dies hatte Vor- und Nachteile», sagt Kilian Baumann heute. Auf jeden Fall konnten sie vieles ausprobieren, haben in der Schule bereits einen Naturschutzverein gegründet und später als Jugendliche im Wald gar einen Kleinstaat mit Gesetzen, eigener Währung, Hotel und Kasino aufgebaut. Das Hüttendorf «Neuland» zählte 15 Bürger, war weit herum bekannt und wurde von «König Jan» uneingeschränkt regiert.

Heute ist Kilian Baumann ganz Demokrat und teilt auch Arbeit und Verantwortung für Familie und Hof mit seiner Partnerin. Wie er nach dem Wahlerfolg nun alles unter einen Hut bringen soll, ist ihm noch ein Rätsel. Gespannt darauf, was ihn im Berner Rathaus erwartet, wo einst auch sein Vater für die Freie Liste und seine Mutter für die SP politisierte, ist er aber auf jeden Fall. (Der Bund)

Erstellt: 01.04.2014, 12:00 Uhr

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