Bevölkerung nimmt zu – der politische Einfluss sinkt

2015 verliert der Kanton Bern mindestens einen Sitz im Nationalrat. Die Bevölkerung wächst zu langsam.

Der Einfluss des Kantons Bern auf nationaler Ebene sinkt 2015.

Der Einfluss des Kantons Bern auf nationaler Ebene sinkt 2015. Bild: Adrian Moser

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Die Einwohnerzahl des Kantons Bern steuert auf die Millionengrenze zu. Ende September 2012 zählte das Bundesamt für Statistik eine Wohnbevölkerung von 991562 Personen. Obwohl Bern damit auf dem Weg zum Mega-Kanton ist, wird er bei den nächsten Nationalratswahlen mit Sicherheit einen Sitz verlieren. Vielleicht auch zwei.

26 Bernerinnen und Berner vertreten den Kanton heute im Nationalrat. 2015 bis 2019 besetzt der Kanton Bern höchstens noch 25 Nationalratssitze. Weshalb? Der Kanton wächst zwar, aber andere wachsen deutlich schneller. Gemäss Berechnungen, welche als Erste die «Limmattaler Zeitung» veröffentlichte, tauschen drei Sitze den Kanton. Zu den Gewinnern gehören demnach voraussichtlich Zürich, Aargau und das Wallis. Die Verlierer sind neben Bern Solothurn und Neuenburg.

Zum dritten Mal Verlierer

Die 200 Sitze im Nationalrat «werden nach der Bevölkerungszahl auf die Kantone verteilt». So steht es in der Bundesverfassung. Massgebend für die Rechnung ist die sogenannte ständige Wohnbevölkerung. Dazu gehören neben Personen, die ihren Wohnsitz in der Schweiz haben, auch Niedergelassene. Seit Ende 2010 zählen auch Asylbewerber dazu, welche sich seit mindestens einem Jahr in der Schweiz aufhalten. Entscheidend für die politische Vertretung in Bundesbern ist also nicht die Zahl der Personen mit politischen Rechten, sondern die Einwohnerzahl eines Kantons, und damit auch die Zuwanderung.

Der Anteil der Bernerinnen und Berner am Bevölkerungstotal der Schweiz sinkt stetig. Schon 1995 und 2003 verlor Bern deshalb Nationalratssitze. In den 1990er-Jahren gleich zwei, 2003 nach der Volkszählung von anno 2000 einen. Für die Sitzverteilung von 2015 wird die Statistik von Ende 2012 beigezogen. Sie wird erst im Sommer definitiv vorliegen, wie das Bundesamt für Statistik (BFS) auf Anfrage mitteilt. Bereits greifbar sind aber die Zahlen bis Ende September 2012. Sie lassen zumindest eine Voraussage zu, wie sich die Sitze auf die Kantone verteilen werden.

Hauptgrund für den Sitzverlust Berns ist das langsame Wachstum. In der für die neue Sitzverteilung massgeblichen Periode (Ende 2008 bis 2012) hatte der Kanton Bern zwar einen Bevölkerungszuwachs von 2,97 Prozent zu verzeichnen. Die Bevölkerung der Schweiz wuchs in der gleichen Periode aber um 5,54 Prozent. Der Kanton Zürich gar um 7,47 Prozent. Über zehn Jahre hinweg zeigt sich der Trend noch deutlicher: Von Ende 2001 bis Ende 2011 wuchs die schweizerische Bevölkerung (mit Geltung der neuen statistischen Definition) um 9,34 Prozent. Im gleichen Zeitraum wuchs der Kanton Bern nur halb so schnell, nämlich 3,79 Prozent.

Zweiter Sitz auf der Kippe

Wesentlich sind aber auch die Restmandate. Die Aufteilung der Sitze im Nationalrat folgt einer im Gesetz verankerten Proporz-Methode. Diese verteilt die Restmandate an jene Kantone, welche nach Verteilung der Vollmandate die grösste Zahl hinter dem Komma aufweisen. Bern schnappt sich nach «Bund»-Rechnung wohl das 13. von 14 Restmandaten. Allerdings: Fällt die Zahl hinter dem Komma mit definitiven Zahlen nur minim tiefer aus, könnte der Kanton sogar noch ein zweites Mandat verlieren. Bern hätte dann nur noch 23 Sitze. (Der Bund)

Erstellt: 05.03.2013, 07:20 Uhr

Sitzverteilung: Die Stadt zählt anders

Im Kantonsparlament werden die 160 Sitze nach der identischen Methode verteilt wie im Nationalrat. Mit Ausnahme der garantierten zwölf Sitze für den Berner Jura werden die Mandate pro Wahlkreis basierend auf der Einwohnerzahl errechnet. Nach der Verteilung der Vollmandate werden die Restmandate jenen Wahlkreisen zugeschlagen, welche nach dieser Rechnung die höchste Zahl nach dem Komma aufweisen.

Dass die Stadt Bern nach einer eigenen Rechnung kürzlich einen Zuwachs um 4126 Einwohner von 2011 auf 2012 bekannt gab, wird im Kantonsparlament dabei keinen Einfluss haben. Die Stadt rechnet anders als der Bund. Als massgebende Grundlage für die Sitzverteilung im Grossen Rat gilt aber einzig die ständige Wohnbevölkerung nach Erhebung des Bundesamts für Statistik.

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