Berner Imam betreut muslimische Gefangene

Auch islamische Insassen auf dem Thorberg haben nun seelsorgerischen Beistand. Der Berner Imam Mustafa Memeti besucht sie jede Woche im Gefängnis.

Seelsorger für muslimische Gefangene: Imam Mustafa Memeti.

Seelsorger für muslimische Gefangene: Imam Mustafa Memeti. Bild: Manu Friederich

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Der Berner Imam Mustafa Memeti ist letzten Donnerstag erstmals auf den Thorberg gekommen, um sich als Seelsorger mit Gefangenen zu treffen. Donnerstags wird er stets zu sprechen sein – vorläufig bis Ende Jahr. Dann werde man Bilanz ziehen, sagt Thorberg-Direktor Georges A. Caccivio dem «Bund». Gegenüber dem «SonntagsBlick» hatte der neue Direktor gesagt, dass Imam-Besuche in einer geschlossenen Strafanstalt in der Schweiz nicht die Regel seien.

Memeti hat Erfahrung auf diesem Gebiet. Seit Jahren betreut er Untersuchungshäftlinge im Regionalgefängnis Bern sowie Insassen der Ausschaffungsabteilung in Witzwil. Auch auf dem Thorberg war er tätig, doch wurde das Angebot abgeschafft – mangels Interesse. Die Gespräche fanden gemäss Caccivio in Gruppen statt, und zwar in der Freizeit. «Der Samstag hat weder mir noch den Gefangenen gut gepasst», sagt Memeti. Der Donnerstag sei geeigneter. Dass der seelsorgerliche Dienst wieder aufgenommen werde, habe auch mit dem Direktorenwechsel zu tun, sagt Memeti: «Das Diskussionsklima ist offener und toleranter geworden.» Seelsorge diene dem Gefangenen, der «nicht in einem Tunnel ohne Licht» bleiben solle, sondern sein Leben neu ausrichten müsse. Davon profitiere die Gesellschaft, in die sich der Gefangene reintegrieren müsse.

Er hat für jeden ein offenes Ohr

Memeti, Schweizer seit 2005, entstammt der albanischen Minderheit in Südserbien und leitet als Imam die Islamische Vereinigung an der Hochfeldstrasse in Bern. Zudem präsidiert er die albanischen Muslime in der Schweiz. Er sei nicht nur für Albanischstämmige da, betont Memeti, sondern für alle gefangenen Muslime. Seine Sprachkenntnisse – Arabisch, Bosnisch, Albanisch, Türkisch und Deutsch – seien ihm von Nutzen.

Von den derzeit 177 Thorberg-Insassen – zwei Drittel sind Ausländer – gehören 81 christlichen Konfessionen an, 63 sind Muslime, 21 konfessionslos. 9 Insassen stammen aus Albanien, 21 aus Kosovo. Es kam bislang vor, dass sich Muslime an die zwei Pfarrerinnen wandten, die teilzeitlich als Gefängnisseelsorgerinnen tätig sind. «Das dürfte nun abnehmen, wenn ein Imam zur Verfügung steht», sagt der Gefängnisdirektor. Die Pfarrerinnen werden übrigens – wie auch der Imam – aus dem Gefängnisbudget besoldet. (Der Bund)

Erstellt: 07.08.2012, 06:44 Uhr

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