Berner Grüne links der SP - SVP am weitesten rechts

Die Zahlen des zum Panaschierstimmentausch zeigen: FDP-Wähler haben bei den letzten Nationalratswahlen die SVP stärker unterstützt als vier Jahre zuvor.

Buhlen um die Wählergunst im letzten Jahr in Hindelbank.

Buhlen um die Wählergunst im letzten Jahr in Hindelbank.

(Bild: Franziska Rothenbühler)

Rudolf Burger

Panaschierstimmen bei Proporzwahlen kommen sowohl den bevorzugten Kandidierenden als auch deren Parteien zugute. Und weil Panaschierstimmen in der Regel mit Rücksicht auf die Parteizugehörigkeit der Empfänger abgegeben werden, sind sie nicht nur ein Gradmesser der Popularität der Kandidierenden, sondern auch ein Massstab für Nähe und Distanz zwischen den verschiedenen Parteien und somit Grundlage für die Einordnung in ein Rechts-links-Schema. Das lässt sich am Panaschierstimmentausch unter den Parteien bei den Nationalratswahlen 2015 im Kanton Bern bestens ablesen.

Bei Grünen ist die SP hoch im Kurs

Welche der sieben Parteien, die mindestens ein Mandat eroberten, ist im Spektrum ganz links einzuordnen? Es sind die Grünen. Wie die entsprechende Grafik zeigt, haben die Anhänger der Grünen 67 Prozent ihrer Panaschierstimmen an die SP abgegeben und daneben nur noch die Grünliberalen mit einer zweistelligen Prozentzahl bedacht (10,1 Prozent).

Als einzige der bürgerlichen Parteien kam die BDP bei den Grünen auf über 5 Prozent, alle anderen Parteien liegen darunter. Die SVP, die am stärksten polarisierende bürgerliche Partei und deshalb wohl der beste Indikator für die Abgrenzung gegen rechts, erhielt von den Grünen lediglich 1,9 Prozent der Panaschierstimmen – weniger als die Liste Partei der Arbeit und Kommunistische Jugend (2,9 Prozent), die in der Grafik unter den «Übrigen» eingereiht ist.

Selbstverständlich steht auch die SP, deren insgesamt vier Listen (Männer, Frauen, Frankofone, Juso) mit den Listen der Grünen verbunden waren, deutlich links. An die Grünen ging mit 50,5 Prozent rund die Hälfte ihrer Panaschierstimmen.

GLP und BDP, die beiden Parteien, die neben EVP und CVP dem Mitte-Umfeld zuzuordnen sind, kamen auf je 11,7 Prozent. Die FDP folgt mit 8,8 Prozent; die SVP musste sich mit 3,3 Prozent bescheiden, liegt aber immerhin noch vor der den «Übrigen» zugerechneten PdA (2,3 Prozent).

SVP bevorzugt FDP . . .

Bei der SVP bestätigt das Panaschierverhalten ihrer Anhänger die Vermutung, dass sie von den sieben im Nationalrat vertretenen Berner Parteien am weitesten rechts steht. Mit 29,6 Prozent ging die grösste Zahl ihrer Panaschierstimmen an die FDP; die BDP erhielt 24 Prozent.

Immerhin 9,3 Prozent entfielen aber auf die EDU, und total 11,1 Prozent an die drei Listen Schweizer Demokraten, Jutzi und Alpenparlament (in der Grafik unter «Übrige»).

Damit ging rund ein Fünftel der Panaschierstimmen an Listen, die weit rechts zu positionieren sind. Auf der andern Seite des Links-rechts-Spektrums war die SP mit dem Wert von 7,8 Prozent bei der SVP-Wählerschaft deutlich populärer als die Grüne Partei mit 3,7 Prozent.

. . . und umgekehrt

Auch die FDP ist eine Rechtspartei, allerdings in einer gemässigteren Variante als die SVP. Die Panaschierstimmen ihrer Wählerinnen und Wähler gingen zu 30,4 Prozent an die SVP und zu 27,6 Prozent an die BDP; auf Platz drei folgt bereits die SP mit 12,3 Prozent vor der GLP mit 12,1 Prozent. An die EDU und die weiteren Rechtsparteien flossen von der FDP insgesamt nur gerade 2,8 Prozent der Panaschierstimmen.

Bei den Anhängern der BDP standen die Kandidierenden von SVP und FDP fast gleich hoch im Kurs: An die SVP gingen 22,6 Prozent ihrer Panaschierstimmen, an die FDP 22,5 Prozent. Mit 19,4 Prozent schnitt auch die SP erstaunlich gut ab, was die BDP dort positioniert, wo sie sich sieht, etwas rechts der Mitte.

GLP und Grüne kamen bei der BDP auf Werte von rund 10 Prozent. Für die CVP, mit der die BDP einst Fusionspläne wälzte, resultierten 5,7 Prozent. Das ist zwar der höchste aller gefundenen Werte, aber letztlich auch ein Indiz für die Schwäche der Christlichdemokraten im Kanton Bern.

GLP eindeutig links der Mitte

Die Grünliberalen gaben an die Kandidatinnen und Kandidaten der SP mit 28,9 Prozent klar am meisten Panaschierstimmen ab. Für die Grünen resultierten 18,6 Prozent, für BDP und FDP fast gleich viel, nämlich 16,1 bzw. 15,8 Prozent. Die Bevorzugung der beiden Linksparteien vor diesen beiden bürgerlichen Parteien und der geringe Wert für die SVP (5,4 Prozent) positionieren die GLP eindeutig links der Mitte.

Schwer fassbare EVP

Die kleinste der Berner Parteien, die im Nationalrat vertreten ist, sieht sich als Partei der Mitte. Woanders wäre die EVP anhand ihres Panaschierverhaltens auch schwierig einzuordnen: 19,9 Prozent ihrer Panaschierstimmen gingen – nicht überraschend – an die zweite auf evangelischer Grundlage politisierende Partei, an die klar rechts positionierte EDU, die nicht mehr im Nationalrat vertreten ist.

Auf den zweithöchsten Wert mit 17,9 Prozent kam die SP vor der SVP mit 16,0 Prozent auf Rang 3. Dieses Lavieren zwischen rechts und links zeigt, dass die Wählerschaft der EVP politisch schwer einzuordnen ist. Das Gemeinsame ist die evangelische Überzeugung.

Geringe Unterschiede zu 2011

An wen Panaschierstimmen verteilt werden, hängt von der Attraktivität der Kandidierenden und auch ihrer Parteien ab – das ist unbestritten und liesse vermuten, dass sich im Vergleich mit den vorangegangenen Wahlen grössere Unterschiede zeigen. Das ist nicht der Fall, die Ergebnisse 2011 und 2015 sind sehr ähnlich.

So haben beispielsweise die Anhänger der SP bei den Wahlen 2011 49,3 Prozent ihrer Panaschierstimmen an die Grünen abgegeben und vier Jahre später – wie oben gezeigt – 50,5 Prozent. Bei fast allen Parteien beträgt der Unterschied im Vierjahresvergleich zwischen 0 und höchstens etwa 3 Prozent.

FDP wieder näher bei der SVP

Von diesem Muster der Konstanz weicht die FDP auffallend ab: Ihre Wählerinnen und Wähler haben 2011 nur 20,9 Prozent der Stimmen an die SVP abgegeben, 2015 hingegen rund 10 Prozent mehr, nämlich 30,4 Prozent.

Das kann so interpretiert werden, dass sich die FDP der SVP wieder etwas angenähert hat. Umgekehrt liegt die Anzahl der Stimmen der SVP für die FDP im Rahmen der geringen Differenz: 2011 gingen 27,6 Prozent der SVP-Panaschierstimmen an die FDP, vier Jahre später 29,6 Prozent.

Der Bund

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