Berner Frauenhäuser sind überlastet

Die Hälfte der Schutz suchenden Frauen kann in Thun nicht untergebracht werden.

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Das Frauenhaus in Thun feiert heuer sein 15-jähriges, die Stadtberner Opferhilfe bei sexueller Gewalt (Lantana) ihr 25-jähriges Bestehen. Über die Jahre habe sich einiges geändert, sagt die Leiterin des Frauenhauses Thun, Stefanie Ulrich. «Vor allem hat sich die Anzahl Klientinnen stetig vergrössert. Das hat mit dem steigenden Bewusstsein zu tun, dass es uns überhaupt gibt.» Tatsächlich ist die Bettenauslastung von 76 Prozent im Jahre 2008 auf 95 Prozent im letzten Jahr gestiegen. 2014 beträgt sie bis jetzt gar 99 Prozent. Gesamthaft zählten die Frauenhäuser Bern und Thun letztes Jahr rund 8500 Übernachtungen. So haben sich die Institutionen zu wichtigen Ansprechpartner der Polizei gemausert. «In Sachen häuslicher Gewalt sind Frauenhäuser ausserordentlich wichtig, um Opfern die benötigte Sicherheit sofort gewährleisten zu können. Diese Zusammenarbeit funktioniert sehr gut», sagt Christoph Gnägi von der Kantonspolizei Bern.

Übernachtung im Spital

Dennoch sind finanzielle Mittel knapp. Die hohe Auslastung führt laut Ulrich dazu, «dass rund die Hälfte der Frauen im Moment nicht bei uns untergebracht werden kann. Glücklicherweise fanden wir bis jetzt in jedem Fall eine passende Lösung.» Die meisten Frauen seien in einem anderen Haus, in Bern, Biel oder einem anderen Kanton, untergebracht worden. In seltenen Fällen habe auf ein Spital oder ein Hotel ausgewichen werden müssen. «Wenn die Anzahl Anfragen aber weiter steigen, wird es irgendwann zu eng.» Eine Verbesserung der Situation ist momentan nicht in Sicht. In Thun ist mit heutigem Budget der Betrieb eines grösseren Frauenhauses nicht realisierbar. In Bern hat man bereits versucht, neue, grössere Räumlichkeiten zu finden, doch scheiterten die Bemühungen ebenso an den finanziellen Mitteln.

Hemdenbügeln fürs Frauenhaus

Bereits heute ist der Status ohne Spendengelder nicht aufrechtzuerhalten. Zwar wird die Betreuung der Frauen vom Kanton bezahlt, doch muss die Kinderbetreuung grösstenteils von Spenden gedeckt werden. Letzten Dienstag fand darum im Alten Tramdepot ein Wettbügeln statt, das – ähnlich eines Sponsorenlaufes – Geld für das Berner Frauenhaus sammeln wollte. So kamen am sogenannten «Iron Men» durch Lokalprominente wie Stadtpräsident Alexander Tschäppät 35 000 Franken zusammen. Grossrätin Béatrice Stucki (SP) findet die Aktion zwar sinnvoll, wie sie auf Anfrage kundgibt, «doch vor allem deshalb, weil so auf die Grundproblematik aufmerksam gemacht wurde. Grundsätzlich kann es aber nicht sein, dass für ein Frauenhaus, das in öffentlichem Interesse liegt, Geld gesammelt werden muss.» André Gattlen von der kantonalen Gesundheits- und Fürsorgedirektion sagt dazu, «dass der Kanton den Auftrag, Frauenhäuser zu betreiben, durchaus erfüllen kann. Was zurzeit durch Spenden bezahlt wird, sind Zusatzleistungen wie eben solche für Kinder.» Ulrich widerspricht dem teilweise: «Kinder sind meist genauso betroffen und benötigen ebenso Unterstützung und Betreuung wie ihre Mütter.» Darum sei das Spendengeld essenziell.

Wandern zum Jubiläum

Béatrice Stucki lässt derweil verlauten, dass die SP in der kommenden Grossratssession im September «den Stein ins Rollen bringen will, um die Budgetmittel entsprechend zu erhöhen».

Diese Woche findet nun ein Jubiläumswandern der Opferhilfe Lantana Bern und des Frauenhauses Thun statt. Dabei soll von Bern via Worb nach Thun gepilgert werden. «Die meisten Klientinnen kommen aus städtischen Gebieten», sagt Ulrich, «darum wollen wir das Land auf uns aufmerksam machen. Dass wir bereits heute am Anschlag laufen, hält uns nicht davon ab.» (Der Bund)

Erstellt: 18.08.2014, 06:56 Uhr

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