Bern wird zur Wrestling-Hochburg

In der Schweiz gilt Wrestling als Randsportart. Markus Wymann will dies ändern – mit dem ersten Anlass Ende Mai in Zollikofen feiert sich die neu geschaffene Liga selbst.

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Wenn man den Begriff Wrestling hört, assoziiert man ihn erst mal mit überproportierten Muskelpaketen, die, mit Steroiden vollgepumpt, dem Zuschauer einen Kampf vorgaukeln. Barbarisch eigentlich – und doch erfreut sich der Sport in gewissen Kreisen grosser Beliebtheit. Davon zeugt etwa die kürzlich gegründete, in Bern basierte Wrestling-Liga SWE (Swiss Wrestling Entertainment). Ihr Gründer, Markus Wymann, will von solchen Vorurteilen nichts wissen: «Wrestling ist eine unterschätzte Kunst, die nicht jeder kann.» Ob das Berner Publikum bereit ist für diese Sportart, wird sich am 31. Mai zeigen. Dann findet in der Mehrzweckhalle Geisshubel in Zollikofen die erste Veranstaltung der SWE statt, die «Turbulence» heisst.

Obwohl der Unterhaltungssport vor allem in den Staaten, Mexiko und Japan hohe Aufmerksamkeit geniesst, gibt es in der Schweiz eine kleine aber florierende Szene. Wymann bewegt sich in ihr seit Jahren und hat in anderen Schweizer Ligen Erfahrungen gesammelt. «In der Deutschschweiz gibt es keine Liga mit fixem Standort. Mit der SWE soll sich das ändern.»

Der grosse Unterschied zu echten Kämpfen ist, dass sich im Wrestling die Kontrahenten nicht nur schlagen, sondern eine Geschichte erzählen. Diese ist in der Regel einfach: Der Protagonist trifft auf seinen Antagonisten – das Gute will das Böse stoppen. Das Ziel der Wrestler ist es, das Publikum auf ihre Seite zu ziehen. Die Interaktion zwischen Wrestler und Publikum ist Teil des Sports: Es wird gebrüllt, gebuht und gepfiffen, was das Zeug hält. Dazu lässt sich offenbar auch das als zurückhaltend bekannte Schweizer Publikum hinreissen. «Vor kurzem haben sich an einer westschweizerischen Veranstaltung bis zu 200 Zuschauer eingefunden und die Halle war fast ausverkauft. Die Stimmung war unglaublich!», sagt Wymann.

Erfolgreiche Wrestler in den Staaten

Nicht zuletzt für das zunehmende Interesse am Wrestlingsport verantwortlich sind erfolgreiche Kampf-Exporte aus der Schweiz. Cesaro aus Luzern etwa heisst mit bürgerlichem Namen Claudio Castagnoli und kämpft mittlerweile gar in den Hauptshows der World Wrestling Entertainment – der grössten Wrestling-Liga der Welt. Ein aufgehender Stern am Himmel der kleineren US-Ligen ist Ares alias Marco Jaggi aus Biel.

Und Berner Wrestling-Aficionados, wieviele gibt es davon? «Die Szene in Bern ist überschaubar. Trotzdem versuche ich mit meinen Freunden zusammen, hier ein Stammpublikum aufzubauen. Es ist ein Sprung ins kalte Wasser. Ob es klappt, sehen wir Ende Jahr.» Obwohl die SWE nicht die einzige Liga in der Schweiz ist und sich somit dem Konkurrenzkampf mit anderen Ligen stellen muss, glaubt Wymann fest an den Erfolg in Bern – und allenfalls auch schweizweit.

Jeder kann Wrestler werden

Wenn jedes Quartier einen Fussball-Junioren-Club hat, sind die Ausbildungsstätten für den Wrestling-Nachwuchs rarer. Doch es gibt sie: Die bekanntesten Schulen heissen WAR (Wrestling Academy Rorbas im Kanton Zürich) und KWZ. Letzteres, das Kallnacher Wrestling Zentrum, befindet sich gar im Kanton Bern. Hier lernen die Schüler, was es braucht: Technik, Kondition, Choreographie, Schauspiel. Die «vorgetäuschten» Aktionen erfordern nämlich viel Können und Kraft. «Um den Nachwuchs muss man sich keine Sorgen machen», sagt Wymann.

Neben einigen internationalen Kämpfern treten in Zollikofen vor allem einheimische Athleten auf. In vielen Fällen verzichten sie auf eine Antrittsgage, um ihrer Leidenschaft nachgehen zu können. Wymann will dies ändern. Die Wrestler treten zwar bei «Turbulence» noch gratis auf, doch soll dies bis Ende Jahr nicht mehr der Fall sein.

Was die Vorurteile angeht, so hat sich das Wrestling zumindest in den Staaten davon loseisen können. Die Kämpfer werden als Sportler wahrgenommen. Ehemalige Wrestler steigen gar in die Politk ein, führen Börsenberatungsfirmen oder führen Projekte für benachteiligte Kinder, um ihnen das Leben zu verschönern. Das Etikett des anabolikagesättigten Tunichtgutes fällt langsam ab. In der Schweiz ist man noch nicht soweit. Doch lokale Wrestler mit so klingenden Name Cash Crash, Drake Destroyer oder Nacho Libres schicken sich schon mal an, das Berner Publikum eines Besseren zu belehren. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 08.05.2014, 11:15 Uhr

Alle Infos zum Event «Turbulence»

Datum: 31. Mai 2014
Ort: Mehrzweckhalle Geisshubel
Adresse: Alpenstrasse 74, 3052 Zollikofen
Türöffnung: 19:00 Uhr (VIP Package Besitzer 18:30 Uhr)
Start: 19:30 Uhr
Eintrittskarten: Ticketcorner
Weitere Infos: Homepage

Match-Paarungen

Die jeweiligen Gewinner aus den ersten drei Kämpfen treffen im Finalkampf aufeinander und kämpfen um den Titelgürtel.

Pascal Spalter vs. Demolition Davies
Ca$h Cra$h vs. Calvin Carter vs. Scotty Saxon vs. Jay Cruise
Drake Destroyer vs. The Hellvetic Warrior
Lady Penelope vs. Liberty vs. Layla Rose
Maik Tuga & "Party" Marty Scurll vs. Nacho Libres

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