Bern vor dem Status quo - oder kommt alles anders?

Ausgeschlossen sind Überraschungen nicht: Interessant wird sein, wie stark die Mitte um GLP zulegen kann, ob einzelne Regierungsmitglieder abgestraft werden und ob die Bürgerlichen die Wende klar verpassen – oder nur knapp. Eine Prognose.

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Im Kanton Bern kommt es zur bürgerlichen Wende. Polizeidirektor Hans-Jürg Käser (FDP) wird abgewählt. Gesundheitsdirektor Philippe Perrenoud (SP) muss mit Barbara Mühlheim (GLP) in einen zweiten Wahlgang. Das sind Schlagzeilen, die es heute kaum geben wird, die aber rein theoretisch, auch aufgrund der Ausgangslage, möglich wären. Plausibler dürfte hingegen der Status quo sein. Aufgrund der Wahlkreise, die ihre eigenständige Logik haben und eine «gesamtkantonale Öffentlichkeit» (Claude Longchamp) verhindern, sowie aufgrund des «gemässigten Mehrparteiensystems» (Adrian Vatter) dürfte heute Abend in Bern alles beim Alten bleiben.

Zumindest für die Regierung wäre dies trotz allem aussergewöhnlich. Zum dritten Mal in Folge wählt der stark bürgerlich und vor allem SVP-geprägte Kanton Bern eine links-grüne Mehrheit. Weil es sich aber um Bisherige handelt, haben sie gute Chancen, wiedergewählt zu werden. Der Bisherigen-Bonus hilft der Wiederwahl enorm. Interessant wird sein, wie stark SVP-Herausforderer Manfred Bühler ist. Wird er die Wende klar oder nur knapp verpassen?

Ebenso von Interesse dürfte sein, wie viele Stimmen GLP-Kandidatin Barbara Mühlheim erhalten wird. Die GLP tritt fast überall an im Kanton, liegt gesamtschweizerisch im Trend und ist als Kraft zwischen Links und Rechts eine Alternative. Während dies eine urbane Wählerschaft anziehen dürfte, ist es unklar, wie stark die GLP und deren Kandidatin in anderen Wahlkreisen abschneiden werden.

Bestes Resultat: Bernhard Pulver (Grüne)

Eher klar scheint derweil, dass der Grüne Bernhard Pulver wohl wieder mit dem besten Resultat aller Kandidierenden rechnen kann. Der pragmatische Politiker wird sowohl von Linken wie auch von Bürgerlichen gerne gewählt. Aufschlussreich wird die Stimmenzahl von Hans-Jürg Käser (FDP) und Philippe Perrenoud (SP) sein. Beide hatten zahlreiche Baustellen in ihren Direktionen produziert, die zuletzt insbesondere den Polizeidirektor bis weit ins bürgerliche Lager unter Druck setzten.

Käser, vor vier Jahren Viertplatzierter, könnte einen Denkzettel erhalten und in der Rangierung nach hinten fallen. Bei Perrenoud steht die Frage im Vordergrund, ob er nur wegen dem garantierten Berner Jura-Sitz wiedergewählt wird oder ob er auch gesamtkantonal wieder gut abschneidet. Mit einem soliden bis guten Resultat rechnen dürfen Andreas Rickenbacher (SP), Barbara Egger (SP), Christoph Neuhaus (SVP) und Beatrice Simon (BDP).

Eine starke Mitte als Vermittlerin

Im Grossen Rat, im Kantonsparlament, geht es mehr um die Frage, wie stark sich die bisherigen Blöcke verschieben. Auch hier sind grosse Veränderungen nicht zu erwarten. Insbesondere die starke bürgerliche Mehrheit dürfte im Grossen Rat bestehen bleiben. Sie könnte aber, wegen FDP und BDP, etwas verlieren, dann aber, wegen der SVP, wieder zulegen. Auf der linken Seite sieht es ähnlich aus: Ein grosser Rutsch ist kaum zu erwarten. Während die SP etwas zulegen dürfte, könnten die Grünen heuer etwas verlieren. Interessant wird die Mitte sein: Kann sie, wie schon zwischen 2006 und 2010, ein stärkeres Gewicht bekommen, um zwischen Links und Rechts Mehrheiten herbeiführen zu können? Die Mitte könnte, vor allem wegen der GLP, heuer zulegen.

Die Ergebnisse für die Regierungsratswahlen sind ab 17.30 Uhr zu erwarten. Die Zahlen und Namen aus den Wahlkreisen für das Kantonsparlament werden ab 14 Uhr eintreffen. Das Gesamtergebnis für den Grossen Rat ist ab 20 Uhr zu erwarten. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 30.03.2014, 11:52 Uhr

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