«Beide Asylzentren wollen wir auf keinen Fall»

In Lyss gibt es gleich zwei potenzielle Standorte für ein Bundesasylzentrum.

Ein Durchgangszentrum gibt es schon in Lyss, dazu könnte noch ein Bundesasylzentrum kommen. (Archiv)

Ein Durchgangszentrum gibt es schon in Lyss, dazu könnte noch ein Bundesasylzentrum kommen. (Archiv) Bild: Valérie Chételat

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Als Gerücht kursierte schon länger, dass Lyss als Standort für ein Bundeszentrum infrage kommt. Doch seit diese Woche eine Delegation von Vertretern von Bund, Kanton und Armee der Gemeinde einen Besuch abstattete, ist es mehr als das. «Sie haben Lyss auf dem Radar», sagt der Lysser Gemeindepräsident Andreas Hegg (FDP). Und weil es in Lyss gleich zwei Varianten für ein Bundeszentrum gibt, ist die Wahrscheinlichkeit umso grösser, dass eine realisiert wird.

Ein grosses, bis zu 650 Plätze umfassendes Bundesasylzentrum könnte auf dem Waffenplatz entstehen. Die Armee gebe das Areal frühestens 2025 auf, ein Asylzentrum wäre danach möglich, sagt Hegg. «Zehn Jahre ist eine lange Zeit, ich weiss nicht, ob ein solches Zentrum je realisiert wird», sagt er. Zumindest brauche der Kanton Bern vorher noch eine andere Lösung.

Ablehnung verflogen

Eine Variante für eine frühere Lösung könnte sich aber auch in Lyss finden lassen. Die Behörden ziehen in Betracht, das bestehende kantonale Durchgangszentrum zu einem kleineren Bundeszentrum mit 300 Plätzen auszubauen. Diese Variante wäre auf 2017 geplant, und die 300 Plätze würden immerhin knapp die Hälfte der vom Kanton Bern geforderten 620 Bundesasylplätze abdecken.

Bereits heute seien zeitweise fast 200 Personen im Durchgangszentrum einquartiert, das im Gegensatz zum Waffenplatz- und Zeughausareal etwas ausserhalb des Dorfzentrums liegt. Eine Aufstockung würde man in Lyss wohl nicht gross bemerken, sagt Hegg. Im Moment gebe es keine Probleme mit den Asylbewerbern, die hauptsächlich aus Syrien und Eritrea stammen würden. «Je nach Bewohnern kann sich das aber ändern», sagt Hegg.

Obwohl Lyss im November Protest gegen ein mögliches Bundeszentrum auf dem Waffenplatz angekündigt hatte, scheint die Ablehnung nun verflogen. Hegg begründet den Wandel der Haltung so: Er sei damals davon ausgegangen, dass das ganze Waffenplatzareal für das Bundeszentrum benötigt würde. Nun sehe es aber so aus, als ob es daneben noch Platz für andere Nutzungsformen wie Wohnungen oder KMUs geben würde. Hinzu komme, dass Lyss von seiner Grösse her sowieso aktuell 150 Asylsuchende zugeteilt werden. 50 Personen lebten in Wohnungen im Dorf verteilt und 100 seien im Durchgangszentrum einquartiert.

Ihm sei lieber, die Leute lebten im Asylzentrum. In einem Bundeszentrum würden noch strengere Regeln gelten als im Durchgangszentrum. «Die Personen können nicht rein und raus, wann sie wollen», sagt Hegg. Auch aus der Bevölkerung erwartet er keinen so grossen Widerstand, wie es ihn zurzeit im freiburgischen Giffers gibt. Alles schlucken will die Gemeinde aber nicht: «Beide Asylzentren wollen wir auf keinen Fall», sagt Hegg.

Noch nichts entschieden hat laut «Berner Zeitung» das Staatssekretariat für Migration. Auch der kantonale Polizeidirektor Hans-Jürg Käser mochte sich kürzlich gegenüber dem «Bund» nicht genauer in die Karten sehen lassen. Nebst Lyss wurde auch der Flugplatz Interlaken bereits als möglicher Standort für ein Bundesasylzentrum gehandelt. (Der Bund)

Erstellt: 28.02.2015, 09:11 Uhr

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