BKW-Chefin warnt vor Folgekosten sofortiger Mühleberg-Abschaltung

Nimmt das Berner Stimmvolk am 18. Mai die Initiative «Mühleberg vom Netz» an, rechnet der Stromkonzern BKW mit Schadenersatzklagen der Aktionäre in Höhe von einer halben Milliarde Franken.

Warnt die Stimmbürger vor einer Annahme der Initiative: BKW CEO Suzanne Thoma.

Warnt die Stimmbürger vor einer Annahme der Initiative: BKW CEO Suzanne Thoma. Bild: Adrian Moser

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Sollte die Initiative «Mühleberg vom Netz» am 18. Mai angenommen werden, kämen auf den Stromkonzern BKW Schadenersatzklagen zu, warnt die BKW-Chefin Suzanne Thoma. Berappen müsste die halbe Milliarde Fragen der Steuerzahler, so Thoma.

Der Berner Stromkonzern hatte im Herbst 2013 angekündigt, das AKW Mühleberg im Jahre 2019 vom Netz zu nehmen. Dieser Entscheid sei definitiv, bekräftigte Thoma in einem am Samstag erschienenen Interview mit der «Berner Zeitung».

Die 2012 eingereichte Initiative hingegen verlangt eine sofortige Abschaltung, was laut Thoma unrealistisch ist. «So oder so» könne mit der Stilllegung erst 2019 begonnen werden. Die BKW und die zuständigen Behörden bräuchten die nächsten Jahren, um eine sichere und gesetzeskonforme Ausserbetriebnahme der Anlage gewährleisten zu können.

Thoma trat zudem Aussagen der AKW-Gegner entgegen, wonach die BKW bei einer sofortigen Abschaltung sogar Geld sparen könnte, weil die tiefen Strompreise die Produktionskosten nicht deckten. Mühleberg sei rentabel, betonte Thoma. Die Einsparungen einer frühzeitigen Abschaltung bezifferte Thoma auf höchstens 20 bis 30 Millionen Franken.

Der Löwenanteil der Fixkosten falle auch nach der Abschaltung des Reaktors weiterhin an. «Ein Strom produzierendes Mühleberg liefert im Vergleich zu einem still stehenden Mühleberg einen Beitrag von rund 120 Millionen Franken zum Konzernergebnis ab.»

Thoma warnte bei ein sofortigem Aus zudem vor einem «Führungsproblem.» Weil die aktuellen Verwaltungsräte kaum bereit wären, Mühleberg sofort vom Netz zu nehmen, müsste der Kanton als Mehrheitsaktionär zuerst den Verwaltungsrat auswechseln, sagte die BKW-Chefin.

Das AKW Mühleberg ist seit 1972 am Netz. Das drittälteste Atomkraftwerk der Schweiz produziert rund 5 Prozent des gesamten Schweizer Strombedarfs. (hjo/sda)

Erstellt: 19.04.2014, 11:08 Uhr

Artikel zum Thema

Überstürztes oder überfälliges Aus?

Atomenergie Für die Befürworter der Initiative «Mühleberg vom Netz» ist die sofortige Abschaltung des AKW ein «grosser Sicherheitsgewinn». Für die Gegner bewirkt sie eine «überstürzte und ungeordnete» Stilllegung. Mehr...

Bürger können gegen Ensi klagen

Das Bundesgericht gibt zwei Anwohnern von Mühleberg recht: Sie können gegen einen umstrittenen Entscheid der Atomaufsicht Ensi Klage einreichen. Der Entscheid könnte auch für andere AKW Folgen haben. Mehr...

Ungenaue Information zu AKW-Abstimmung

Ob und allenfalls wie viel Schadenersatz die BKW für die Abschaltung ihres AKW fordern könnte, ist umstritten. Ein Rechtsgutachten fordert, dass die Behörden genau informieren. Das tun sie für die Initiativ-Befürworter nicht. Für die Gegner ist dies gar nicht möglich. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Werbung

Immobilien

Kommentare

Werbung

Urban und trendy?

Mal im Selbstversuch, mal beim Ortstermin. Oft mit Nachgeschmack. Immer allumfassend.

Die Welt in Bildern

Wandelnder Busch: Ein Model zeigt die Frühling Sommer Kollektion 2018 des chinesischen Designers Viviano Sue an der Fashionweek in Tokio. (19. Oktober 2017)
(Bild: EPA/FRANCK ROBICHON) Mehr...