BKW braucht neue Leute für den Kommandoraum in Mühleberg

Läuft dem AKW Mühleberg das Personal davon? Die BKW rechnet damit, dass mittelfristig 86 Stellen zu besetzen sind. Schon jetzt werden Reaktor-Operateure gesucht.

Das AKW Mühleberg sucht neues Personal.

Das AKW Mühleberg sucht neues Personal.

(Bild: Susanne Keller)

Adrian Schmid@adschmid

Im Bereich Kernenergie sind auf der BKW-Internetseite derzeit fünf Stellen ausgeschrieben. Für das AKW Mühleberg werden ein Reaktor-Operateur, ein Leiter Dekont/Aktivwäscherei, ein Fachspezialist Qualitätssicherung, ein Mitarbeiter Dekontamination sowie ein Mechaniker gesucht. Ins Auge sticht vor allem das Inserat bezüglich des Reaktor-Operateurs. Personen dieses Berufs arbeiten im Kommandoraum eines AKW, überwachen den Betrieb der Anlage und führen Schalthandlungen sowie Prüfungen aus. «Wenn es eine Fehlschaltung gibt, muss der Operateur entscheiden, ob er den Reaktor abstellt», sagt Jürg Joss von Fokus Anti-Atom.

Sind diese Stellenausschreibungen als Zeichen zu deuten, dass der BKW langsam, aber sicher das qualifizierte Personal abhandenkommt, da das Atomkraftwerk nur bis 2019 am Netz ist und dann zurückgebaut wird? In einem vor gut drei Wochen veröffentlichten Aufsichtsbericht hatte schon das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (Ensi) festgehalten, dass die Personalfluktuation in Mühleberg im Jahr 2013 einen Stand erreicht habe, der «auf einen bedeutenden Verlust an werkspezifischem Wissen und Erfahrungen hinweist». Die BKW bestritt dies. Die Fluktuation sei die Folge von Änderungen in der Betriebswache und der Verlagerung der Informatikabteilung des Werks in die BKW, hiess es zur Begründung.

Dreijährige Ausbildung

Reaktor-Operateure sind aber nicht mit Informatikern vergleichbar. Sie werden gemäss Angaben im Stelleninserat «im Betrieb und für den Rückbau des Kernkraftwerks Mühleberg eine zentrale Rolle spielen». Die Bernischen Kraftwerke sagen, dass die Neubesetzung nichts Aussergewöhnliches sei. «Reaktor-Operateure stellen wir nicht tröpfchenweise ein, sondern in Gruppen, weil sie in eine lange Ausbildung gehen», erklärte Konzern-Chefin Suzanne Thoma gegenüber der Sendung «10 vor 10» des Schweizer Fernsehens. Weil noch ein Platz frei gewesen sei, habe man die Stelle ab sofort ausgeschrieben. Die BKW habe keine Schwierigkeiten, offene Stellen zu besetzen, teilt der Energiekonzern in einer Stellungnahme dem «Bund» mit.

Durchschnittlich sucht die BKW alle zwei bis drei Jahre neue Reaktor-Operateure. Die Ausbildung dauert rund drei Jahre. Die Absolventen werden spezifisch für die Anlage in Mühleberg ausgebildet und können nicht in einem anderen Kernkraftwerk eingesetzt werden. Wie viele Leute den nächsten Lehrgang absolvieren werden, will die BKW nicht bekannt geben. Die Gruppengrösse sei vergleichbar mit früheren, schreibt der Energiekonzern. In der aktuellen Gruppe befänden sich fünf Personen.

Derzeit arbeiten gemäss BKW-Angaben insgesamt 45 Reaktor-Operateure in Mühleberg. Es gibt eine Mindestanzahl, die nicht unterschritten werden darf. Ansonsten müsste die Anlage abgeschaltet werden. Nicht bekannt ist, wo diese Mindestzahl angesiedelt ist. Die BKW will diese auf Anfrage nicht bekannt geben.

Fehlende Erfahrung

AKW-Kritiker Jürg Joss bemängelt, dass Reaktor-Operateure heute viel schneller in diese Position gelangten als früher. Er verweist in diesem Zusammenhang auf ein Inserat des AKW Gösgen aus dem Jahr 1998: «Nachdem Sie den Betrieb gründlich kennen gelernt und auch vorübergehend eine Schichtgruppe geführt haben, erfolgt der Einsatz in einer der Weiterbildung entsprechenden Funktion», heisst es dort. Heute sei die Durchlaufzeit generell schneller, sagt Joss. «Die Erfahrung und das Wissen wird dadurch kleiner. In einem Notfall braucht es dies aber.»

«Wir müssen etwas machen»

Auch wenn die BKW bislang nicht von einem Verlust von Fachleuten sprechen will, muss der Energiekonzern inzwischen dennoch einräumen, dass die Zukunftsaussichten für Mühleberg-Angestellte keineswegs rosig sind – aufgrund der Abschaltung im Jahr 2019. Die BKW rechnet damit, dass bis ins Jahr 2020 86 der rund 350 Stellen im AKW neu besetzt werden müssen. «Wir müssen etwas machen, um die Leute behalten zu können», sagte Suzanne Thoma im erwähnten Fernsehbeitrag.

Derzeit würden entsprechende Konzepte ausgearbeitet. «Das Ziel ist, dass wir bis in etwa eineinhalb Jahren allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sagen können, welche Pläne wir mit ihnen haben.»

Der Bund

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