Aufwärtstrend bei jungen Pflegefachleuten

787 Lernende wollen Fachmann oder Fachfrau Gesundheit werden.

Die Nachfrage nach Pflegepersonal ist ungebrochen.

Die Nachfrage nach Pflegepersonal ist ungebrochen.

(Bild: Keystone)

Matthias Raaflaub

Junge Pflegefachleute sind begehrt. Die Gesundheitsbranche braucht sie überall: in der Langzeitpflege im Heim genauso wie bei der Spitex, im Spital, der Psychiatrie oder der Rehabilitation. Wegen der Alterung der Gesellschaft braucht es künftig auch immer mehr Gesundheitspersonal. Darum hat sich der Kanton Bern die Nachwuchsförderung in den Gesundheitsberufen auf die Fahne geschrieben.

Dieses Jahr sind die Neuigkeiten aus den Einsteigerklassen erfreulich. Wie die Organisation der Arbeitswelt (OdA) Gesundheit Bern meldet, haben im Kanton Bern 787 junge Männer und Frauen zu Lehranfang am 13. August ihre Grundausbildung Fachmann/Fachfrau Gesundheit (Fage) begonnen. Das ist ein neuer Rekord. In den vergangenen drei Jahren war die Zahl der Neueinsteiger nur langsam angestiegen. Vergangenes Jahr gab es 650 Fage-Einsteiger.

Gefragte Allrounder

Auch der heuer schweizweit eher knappe Bestand an neuen Lernenden hat bei der Pflege keine sichtbaren Spuren hinterlassen. «Der Fage-Beruf ist bei jungen Leuten nach wie vor attraktiv», sagt André Pfanner, Geschäftsführer der OdA Gesundheit Bern. Der Bereich Pflege sei bei Berufseinsteigern weiterhin beliebt. Fachleute Gesundheit sind dabei breit einsetzbare Allrounder. Laut Auskunft der OdA gehört Fage neben der kaufmännischen Ausbildung und dem Detailhandel zu den beliebtesten Grundausbildungen. Förderlich für den Anstieg der Lernenden ist, dass im Kanton Bern Interessierten der Weg weit offensteht: Jeder Gesundheitsbetrieb ist verpflichtet, Nachwuchs auszubilden.

Soll in zwei Jahren erreichbar

Trotz des steilen Aufstiegstrends gibt OdA-Geschäftsführer Pfanner keine Entwarnung. Um die Versorgungssicherheit im Kanton Bern langfristig zu gewährleisten, bedarf das Gesundheitswesen idealerweise 850 Fage-Lernende pro Jahr. «Weiteres Wachstum ist durchaus erwünscht», so Pfanner. Er glaubt aber, dass sich diese Schwelle bereits in zwei Jahren erreichen lässt.

Die OdA Gesundheit Bern investiert zusammen mit den Gesundheitsbetrieben viel in das Lehrstellenmarketing. Sie führt zwei Websites zur Information und ist aktuell an der Berner Ausbildungsmesse, und engagiert sich mit mehreren Spitälern am Kantonalen Tag der Gesundheitsberufe (23. Oktober 2012).

Höher Qualifizierte fehlen

Dass so viele Fage wie nie zuvor in die Grundlehre eingestiegen sind, darf die Gesundheitsbetriebe freuen. Doch damit ist es nicht getan. Sie brauchen in vielen Bereichen auch höher qualifizierte Mitarbeitende, und da hapert es noch immer.

Laut André Pfanner peilen nur etwa 20 Prozent der ausgebildeten Fage mit Eidgenössischem Fähigkeitszeugnis anschliessend die weiterführende Ausbildung zum Diplom FH Pflege an. Diese Quote sollte gesteigert werden, sagt Pfanner. Das Studium dauert für Fage zwei Jahre und wird am Berner Bildungszentrum Pflege absolviert. Seit diesem Jahr ist erstmal auch eine französischsprachige Ausbildung in St. Imier möglich.

Am Bildungszentrum Pflege verzeichnet man zu Beginn des Studienjahrs im September heuer total 358 Einsteiger. Das BZ Pflege spricht von einem Rekrutierungserfolg. Die Zahl liegt denn auch tatsächlich deutlich über den 305 des Vorjahrs. Aber noch immer nicht hoch genug und notabene unter den Studienzahlen von 2010.

Weiterer Ausbildungsweg

Im Kanton Bern ist vor Wochenfrist auch der Startschuss für den erste Bildungsgang zur Assistentin/Assistent Gesundheit und Soziales gefallen. Im ganzen Kanton begannen 96 Interessierte mit diesem neuen Ausbildungsmodell. Nach Abschluss der Ausbildung erhalten die Assistenten ein Berufsattest und können sowohl im Gesundheits- wie auch im Sozialwesen unterkommen.

Die neue Ausbildung richte sich an junge Leute, welche die Fage-Ausbildung nicht absolvieren dürfen oder abgebrochen haben, sowie an Erwachsene, teilt die OdA Gesundheit Bern mit. Sie ist ausserdem stark praktisch ausgerichtet und soll Leute mit sozialem Talent in den Pflegeberuf locken. Die Ausbildung hat für 56 Lernende bereits vor einem Jahr begonnen, damals noch im Rahmen eines Pilotprojekts. Jetzt wird der zweijährige Bildungsgang regulär angeboten.

Der Bund

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