Asylwesen: Käser will Gemeinden in die Pflicht nehmen

Polizeidirektor Hans-Jürg Käser will erneut gewisse Gemeinden dazu verpflichten, Zivilschutzanlagen für Asylsuchende zur Verfügung zu stellen.

Wenn Woche für Woche 100 bis 150 neue Asylsuchende im Kanton eine Unterkunft bräuchten, sei das eine grosse Herausforderung, sagt Hans-Jürg Käser.

Wenn Woche für Woche 100 bis 150 neue Asylsuchende im Kanton eine Unterkunft bräuchten, sei das eine grosse Herausforderung, sagt Hans-Jürg Käser. Bild: Adrian Moser

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Gemeinden sollen erneut dazu verpflichtet werden können, Zivilschutzanlagen für Asylsuchende bereitzustellen. Dies beabsichtigt der bernische Polizeidirektor Hans-Jürg Käser. Die Berner Kantonsregierung entscheidet voraussichtlich am Mittwoch darüber.

Die Lage sei angespannt, sagte Käser am Sonntag auf Anfrage. Er bestätigte damit entsprechende Angaben in einem Artikel der «Zentralschweiz am Sonntag».

Wenn Woche für Woche 100 bis 150 neue Asylsuchende im Kanton eine Unterkunft bräuchten, sei das eine grosse Herausforderung, sagte Käser. Die strategischen Reserven von 250 Plätzen seien bereits aufgebraucht und es brauche nun Lösungen.

Deshalb berufe er sich auf die Möglichkeit, die das kantonale Gesetz für solche Situationen vorsehe, sagte Käser weiter. Demnach kann die Berner Kantonsregierung im Asylbereich die Gemeinden in die Pflicht nehmen.

Notlage bereits 2014 und 2008

Bereits im vergangenen Sommer wurden so sechs Gemeinden dazu gezwungen, Infrastrukturen zur Unterbringung von Asylbewerbern zur Verfügung zu stellen. Davor hatte der Kanton im Herbst 2008 die Situation im Asylwesen ebenfalls zur Notlage erklärt.

Für Käser ist es nicht heikel, Asylsuchende in unterirdischen Anlagen unterzubringen, wie er im Interview mit der «Zentralschweiz am Sonntag» sagte. «Angehörige des Zivilschutzes und unserer Armee haben alle auch in den Anlagen übernachtet», sagte er.

«Es geht darum, dass wir eine sichere Unterkunft mit Küchen und sanitären Anlagen zur Verfügung stellen können», fügte Käser an. Er habe mehrere Anlagen besucht und auch mit Asylsuchenden gesprochen. «Die sind dort durchaus nicht unglücklich», sagte der Polizei- und Militärdirektor.

Spital als Asylzentrum

Käser sprach auch über die Idee, das frei werdende Zieglerspital in Bern in ein Asylzentrum umzuwandeln. Es könne nicht sein, dass Bern als grösste Stadt im Kanton kein oberirdisches Durchgangszentrum für Asylsuchende habe, sagte Käser im Interview.

Im Moment liefen Gespräche über eine temporäre Nutzung der alten Feuerwehrkaserne, sagte er weiter. Mitten in diesen Planungen sei die Ankündigung erfolgt, dass das Zieglerspital bereits im Herbst frei werde. «Es liegt auf der Hand, dass wir ein Interesse haben, es teilweise als Durchgangszentrum zu nutzen», sagte Käser. (hjo/sda)

Erstellt: 21.06.2015, 14:45 Uhr

Artikel zum Thema

Asyl-Sprachschule geht Konkurs

600'000 Franken Schulden: Infolge neuer Zuständigkeiten beim Kanton stürzte sich eine Sprachschule für Asylbewerber in Unkosten und ist nun pleite. Mehr...

Kanton eilt Betreibern von Asyl-Notunterkünften zu Hilfe

Der Kanton Bern wechselt das System für die Finanzierung von Asyl-Notunterkünften. Mehr...

Für Asyl-Container müsste Bern viel Geld in die Hand nehmen

Die Stadt Bern will bei den Asylunterkünften auf Container setzen. Die Erfahrung in Zürich macht wenig Mut. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Werbung

Immobilien

Kommentare

Blogs

Zum Runden Leder Informative Infografik

KulturStattBern Drifting through the night

Die Welt in Bildern

Verzweiflungstat: Ein Anwohner leert im Stadtteil Quezon der philippinischen Stadt Manila einen Einer voll Wasser ins Flammenmeer. Gegen 300 Familien wurden durch den Grossbransd obdachlos.(23.Mai 2018)
(Bild: Aaron Favila/AP) Mehr...