Als Bönigen im Flugplan der späteren Swissair figurierte

Ab 1926 steuerten Flugzeuge der Ad Astra Aero, der späteren Swissair, das Oberländer Dorf im Linienbetrieb an – um des Tourismus willen. Am Jubiläumstreffen vom Wochenende machen einige Wasserflugzeuge dem Dorf nochmals ihre Aufwartung.

Die Wasserflugzeuge, die in Richtung Bönigen abhoben, operierten ab 1926 von der Flugboot-Station der Ad Astra Zero am Zürichhorn.

Die Wasserflugzeuge, die in Richtung Bönigen abhoben, operierten ab 1926 von der Flugboot-Station der Ad Astra Zero am Zürichhorn. Bild: zvg

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Das Strandbad Bönigen bietet ein geheiztes Schwimmbecken, ein Restaurant und einen Kinderspielplatz. Und einen Anlegeplatz für angemeldete Amphibienflugzeuge – zumindest für die Dauer des Wasserflugzeug-Treffens der Seaplane Pilots Association Switzerland. Insgesamt acht Piloten aus der Schweiz, Spanien, Österreich und Deutschland nehmen heute und morgen mit ihren Wasserflugzeugen an der diesjährigen Austragung im Berner Oberland teil und machen am lauschigen Liegeplatz in der Bucht fest. Bereits seit zehn Jahren findet jeweils Ende Juni in Bönigen ein Stelldichein der Wasserflugzeugfans statt. Dass es ausgerechnet Bönigen ist, das von den Piloten angesteuert wird, kommt nicht von ungefähr.

Die 2400-Seelen-Gemeinde respektive das angrenzende Seebecken war einst im wahrsten Sinne des Wortes ein Zielflug-«Hafen» der Ad Astra Aero, eine der ersten Fluggesellschaften der Schweiz. Ab dem 18. Juni 1926 flog die Vorgängergesellschaft der Swissair Bönigen regelmässig mit Wasserflugzeugen im Rahmen ihrer ersten Binnensee-Verbindung an. Eine Sensation – sowohl für das Oberländer Dorf wie für die damalige Presse: Die «moderne Verkehrsaviatik» – sei es zu Land oder zu Wasser – steckte noch in den Kinderschuhen. Die Möglichkeiten, welche die Fliegerei eröffnete, schienen grenzenlos – und vor allem bestens geeignet, um die imposanten Berner Alpen touristisch zu erschliessen.

Flug zu «bescheidenem Preis»

«Wem schlägt das Herz nicht höher bei dem Gedanken, über schneebedeckte Alpenwälle, über Städte und fruchtbare Ebenen in wenigen Stunden in persönlichen, intimsten Kontakt zu kommen mit den Nachbarn im Süden, Norden, Westen und Osten unseres Landes!», schrieb der Schweizer Flugpionier Walter Mittelholzer in der «Bund»-Sondernummer «Die Schweiz als Kur- und Reiseland» vom Juni 1926. Die Schweiz als «Fremdenland» dürfe nicht zurückstehen, wenn es darum gehe, «einen Schritt näher der Völkerverständigung entgegenzumachen.» Der «Benjamin aller Verkehrsmittel» müsse zu diesem Zweck unbedingt gefördert werden.

Mittelholzer – Militärpilot, Direktor und Chefpilot der Ad Astra Aero sowie späterer technischer Direktor der Swissair – war es auch, der die Flugroute ab dem Zürichhorn via Luzern–Brünig nach Bönigen ins Leben rief. Ab 1926 wurde in Bönigen eine sogenannte Flugboot-Station betrieben. Subventioniert wurde der Betrieb unter anderem von der Gemeinde Interlaken und der Gesellschaft zur Förderung des Schweizerischen Luftverkehrs. Jedem Menschen sollte es möglich sein, sich zu «bescheidenen Preisen» einen Flug zu den «Naturschönheiten der Berner Alpen» zu leisten. Allerdings: Wer hoch hinaus wollte, musste tief in die Tasche greifen. Laut Jvan Aeberli, Präsident der Seaplane Pilots Association Switzerland, kostete ein Ticket gut und gerne einen halben, wenn nicht einen ganzen Monatslohn eines Arbeiters.

Mit Anschlussflug nach Thun

Wegen «andauernder Flugscheu des Publikums» waren die Ad-Astra-Stammlinien nach Nürnberg, Paris, Wien oder London durchschnittlich nur zu 40 Prozent ausgelastet. Die Fluglinie Zürich–Interlaken erfreute sich hingegen anfänglich grossen Zuspruchs. Die Verbindung war sogar so beliebt, dass die Thuner am Erfolg teilhaben wollten: Zwei Industrielle ermöglichten dank ihrer finanziellen Zuwendung die Wasserflugzeug-Anschlussroute Bönigen–Thun.

Nichtsdestotrotz währte das Oberländer Luftfahrtglück nicht lange. Bereits Ende Sommer 1927 wurde der komplette Flugbetrieb eingestellt – wegen schlechter Rendite. Mittelholzers Traum war ausgeträumt, wonach beim «Höhenflug durch das allumfassende Luftmeer der kleinliche Krimskram des Alltags, das Spiessertum und all die kleinen Schwächen, die wir haben, abfallen wie Staub von den Schuhen». Zumindest was die Lufterschliessung des Berner Oberlands angeht. Anstatt Bönigen steuerte Mittelholzer mit seinen Maschinen fortan grössere Ziele an – Kapstadt zum Beispiel. 1927 unternahm der Pionier erfolgreich als erster Pilot eine transkontinentale Wasserflugexpedition bis nach Südafrika. Von der Flugbootstation Zürichhorn – versteht sich. (Der Bund)

Erstellt: 30.06.2012, 09:19 Uhr

Jubiläums-Treffen

10. Internationales Jubiläums-Wasserflugzeug-Treffen Bönigen: Die Flugzeuge liegen noch bis Sonntag in der Bucht. Rundflüge sind möglich (Kostenbeteiligung).

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