Steinerner Zeitzeuge muss Autobahn Platz machen

Zugunsten eines neuen Kreisels bei der A6 in Muri musste ein 373 Tonnen schwerer Findling auf spektakuläre Weise versetzt werden.

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Angekettetet und eingerüstet lag er da. Und fast schon feierlich war die Stimmung, als der jahrtausendealte Granitblock nach einem lauten «Jetzt» um 40 Zentimeter angehoben und 2.30 Meter versetzt werden konnte. Die Aktion war nötig geworden, weil der Stein den Bauplänen des Bundesamtes für Strassen, ASTRA, in die Quere kam. Die Autobahnausfahrt Richtung Muri wird zurzeit an einen Kreisel angeschlossen. Dafür muss die Zufahrtsstrasse verlängert und um ein paar Meter verschoben werden.

Bei der Planung wurde bald klar, dass der Findling im Weg war. Dieser hat sich vor rund 18'000 Jahren vom Haslital ins Berner Mittelland verschoben. Er blieb stehen, als der Aaregletscher gegen Ende der Eiszeit zu schmelzen begann und ihn nicht mehr weiter trug. Jahrtausende ruhte er dort, wo heute der Strassenverkehr vorbeidonnert. Erst beim Bau der Autobahn anfangs der 1970er Jahre wurde der Findling entdeckt. Die damaligen Planer hatten Glück, dass der Stein so lag, dass man ihn nicht verschieben musste. Die letzten Jahrzehnte ragte er deshalb aus der Böschung neben der Ausfahrt Muri. Wie bei einem Eisberg war aber bis vor kurzem nur die Spitze der riesigen Gesteinsmasse zu sehen.

Die Verschiebung im Zeitraffer. (Video: Franziska Rothenbühler)

Den Planern, die nun im Auftrag des ASTRA die Ausfahrt Muri umgestalten, war schon früh klar, dass sie nicht noch einmal um den Stein herumkommen. Bis vor kurzem ging man aber davon aus, dass der Stein mit einem Kran versetzt werde könnte. Als die geomatischen Vermessung ein viel grösseres Gewicht ergaben, musste eine andere Lösung her - innerhalb von zwei Wochen. Die Versetzung wurde deshalb plötzlich zur «Hauruckübung» wie der ASTRA-Sprecher, Mark Siegenthaler, sagt.

Um die Last von rund 60 ausgewachsenen Elefanten zu verschieben, war eine massgeschneiderte Konstruktion nötig. Für die ausführende Firma Hebetec, die gerade erst letzte Woche den Fernsehturm in Istanbul angehoben hat, ist der Findling zwar ein seltener aber im Vergleich eher leichter Klient. Die Firma ist weltweit tätig, hebt und verschiebt sonst vor allem Ölplattformen oder Kraftwerke. Geschäftsleitungsmitglied Markus Abbühl erklärt, dass der Stein an vier Ankern am Gerüst befestigt wurde und durch den Einsatz von hydraulischen Pressen zuerst angehoben und dann, durch Einleiten von Stickstoff, seitlich verschoben werden konnte. Die aufwendige Aktion kostet das ASTRA rund 160’000 Franken.

Reges Interesse

Eine Sprengung des Steins sei aber keine Option gewesen, sagt ASTRA-Sprecher Siegenthaler. Mit seiner eindrücklichen Masse zählt der Findling zu den grössten im Kanton Bern und ist ein einzigartiger naturhistorischer Zeitzeuge. So lockte die Aktion viele Interessierte an, die das Geschehen vom nahen Waldstück aus verfolgten. Das Interesse am Stein reichte so weit, dass die ASTRA eine Anfrage einer Privatperson bekam, die den Findling gerne bei sich im Garten gehabt hätte, erzählt Siegenthaler. Als klar wurde, dass der Stein viel grösser war als angenommen, sei das Interesse dann wieder verflogen, so Siegenthaler. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 09.05.2018, 14:42 Uhr

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