Zebrastreifen sollen sicherer werden

Wenns früh dunkel wird, häufen sich Verkehrsunfälle. Mit der Überprüfung sämtlicher Zebrastreifen im Kanton sollen problematische Strassenübergänge saniert und so Unfälle und Tote verhindert werden.

Systematisch erfasst: Einer von 3100 Zebrastreifen.

Systematisch erfasst: Einer von 3100 Zebrastreifen.

(Bild: Adrian Moser)

Der Schatten eines Laubbaumes verdeckt den am Strassenrand wartenden Fussgänger. Eine Strassenlampe beleuchtet von oben einen Fussgängerstreifen, wobei das gelbliche Lampenlicht zu wenig mit der Bodenmarkierung kontrastiert. Nebenstrassen münden ohne Trottoir in die Strasse, Pflanzenkübel, haltende Busse, Parklätze oder Kurven versperren die Sicht auf Fussgänger. In dieser Form zeigen sich Probleme bei Fussgängerstreifen. Schnell ereignen sich Unfälle auf den Streifen, die dem schwächsten Verkehrsmitglied, dem Fussgänger, per Gesetz eigentlich Vortritt gewähren. Eine Überprüfung der Sicherheit von kantonalen Fussgängerstreifen soll nun helfen, Gefahrenzonen und Verkehrstote in Zukunft möglichst zu verhindern.

Barbara Egger-Jenzer, Vorsteherin der Bau-, Verkehr- und Energiedirektion (BVE), hat eine systematische Prüfung der 3045 kantonalen Fussgängerstreifen dem Tiefbauamt in Auftrag gegeben. Sämtliche Daten sind nun erfasst und werden bis Ende Jahr ausgewertet. Daraus wird ein Massnahmenpaket für Zebrastreifen mit Handlungsbedarf abgeleitet. So lassen sich Härtefälle priorisieren, die zuerst optimiert werden können.

Unfälle gehen zurück

Die zunehmenden Unfallzahlen der letzten zwölf Monate und auch die Statistiken gaben Anlass zur Sicherheitsüberprüfung. An einem Wochenende im November 2011 starben auf Fussgängerstreifen beispielsweise zwei Kinder und eine Frau. Gestern an der Pressekonferenz konnte Egger dennoch eine rückläufige Tendenz feststellen: «In den letzten zwanzig Jahren ist die Zahl der tödlichen Unfälle auf Fussgängerstreifen im Kanton Bern pro Jahr um gut die Hälfte, von 7 auf 3, zurückgegangen.» Die langen und dunklen Winternächte, in denen sich besonders häufig Unfälle ereignen, stehen aber wieder bevor. Landesweit ist im ersten Halbjahr 2012 dieselbe Entwicklung zu verzeichnen, hingegen sind Fussgängerunfälle ausserhalb der Markierungen stark angestiegen. Die schweizweite Statistik zeigt indes sinkende Unfalltote im Gesamtverkehr, obwohl der Verkehr stetig zunimmt, ebenso die Zahl der Wagenbesitzer.

Vortrittsregelung, nicht Schutz

Vier Teams von insgesamt 15 Personen haben in den letzten Monaten von Saanen bis Niederbipp und von Saint-Imier bis Meiringen sämtliche Fussgängerstreifen auf den 640 Strassenkilometer erfasst. Sichtverhältnisse für Fahrer und Fussgänger, Erkennung der Warteräume, Sichthindernisse und Beleuchtung wurden nebst Vermessungsdaten erfasst. Nutzungsfragen konnten dank kooperativer Anwohner zufriedenstellend abgeklärt werden. Daniel Baumann von der Firma Swisstraffic AG hat während der Erfassung festgestellt, was viele Fussgänger oft vergessen: «Ein Fussgängerstreifen ist eine Vortrittsregelung, keine Schutzeinrichtung.»

Schulzonen sind prioritär

Aus den Zahlen lassen sich auch schon Erkenntnisse ableiten: Es gibt keine Unfallschwerpunkte, also Fussgängerstreifen, an denen sehr häufig Fussgänger über- oder angefahren werden.

Ein Kredit des Regierungsrats in der Höhe von 935'000 Franken wurde dem Projekt zugesprochen, womit gleichzeitig ein Vorstoss aus dem Grossen Rat umgesetzt werden konnte. Konkrete Kalkulationen zur bevorstehenden Fussgängerstreifen-Sanierung konnte Egger gestern keine abgeben, dennoch ist sie zuversichtlich, dass «lange nicht überall etwas gemacht werden muss». Die Kosten seien noch nicht umfassend abschätzbar, da die Massnahmen sehr unterschiedlich ausfielen. «Zudem stehts nicht rosig um das Budget.» Priorität haben neben baulichen Kriterien insbesondere Schulzonen.

Katja Zellweger/sda

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