Pulver erreicht Sparziele bei der Schule wohl doch

Mit grösseren Klassen lässt sich nicht so viel sparen wie vom Grossen Rat gefordert. Dank «Sondereffekten» kann die Schule den Sparauftrag wohl dennoch erfüllen.

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Adrian M. Moser@AdrianMMoser

4,5 Millionen Franken in diesem Jahr, 11 Millionen im nächsten – so viel muss der bernische Erziehungsdirektor Bernhard Pulver (Grüne) gemäss dem Auftrag des Grossen Rats bei der Volksschule sparen, indem er die Klassen vergrössert. Dies werde kaum möglich sein, sagte Pulver bereits während der Spardebatte im vergangenen Herbst. Bei späteren Gelegenheiten machte er klar, dass er im Interesse der Schule nicht bereit sei, das Sparziel mit letzter Konsequenz anzustreben. Oder anders gesagt: Einen Nachkredit zu beantragen, war von ­Anfang an eine Option.

Am Donnerstag nun veröffentlichte die Erziehungsdirektion eine «erste Trend­meldung». In einer durchschnittlichen Klasse werden nach den Sommerferien 18,8 Kinder sitzen. Das sind 0,3 Kinder mehr als im laufenden Schuljahr. Damit können rund 2,5 Millionen Franken gespart werden. Es fehlen also 2 Millionen – so weit nimmt alles seinen angekündigten Gang.

Allerdings: Die Erziehungs­direktion wird die Sparvorgabe bei der Volksschule voraussichtlich dennoch erreichen. «Höhere Rotationsgewinne, der Minderaufwand bei der Begabtenförderung und weitere Effekte wirken sich positiv auf die Rechnung aus», heisst es in der Mitteilung. Übersetzt: Die Gemeinden haben nicht alles Geld abgeholt, das der Kanton für die Förderung von begabten Kindern reserviert hat, und es wurde weiteres Geld frei, weil alte, teure Lehrpersonen durch junge, billigere ersetzt wurden.

Noch keine Entwarnung

Dass Pulver die Rotationsgewinne nun zum Sparen verwenden will, ist bemerkenswert, haben sich doch Parlament und Gewerkschaften im vergangenen Sommer nach langem Ringen darauf geeinigt, diese künftig dafür einzusetzen, den Lehrern wieder einen verlässlichen Lohnaufstieg zu gewähren. Pulver sagt dazu auf Anfrage: «Die 1,5 Prozent Lohnentwicklung und ein zusätzlicher Lohnaufstieg für Lehrpersonen mit Lohnrückstand sind gesichert.» Die Rotationsgewinne seien in diesem Jahr aber so hoch ausgefallen, dass sie damit noch nicht aufgebraucht seien.

Ist das Sparproblem also gelöst? Pulver verneint. «Um Entwarnung zu geben, ist es zu früh.» Es seien «Sondereffekte», die dazu führten, dass in diesem Jahr wohl kein Nachkredit nötig sei. «Das kann im nächsten Jahr schon wieder ganz anders aussehen.»

Der Bund

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