Greenpeace verschickt gefälschten Jodtabletten-Brief

Ein Schreiben der Geschäftsstelle Kaliumjodid-Versorgung sorgt für Verwirrung.

Sorgt für Verwirrung: Falscher Jodtabletten-Brief von Greenpeace (Bild: Twitteraccount Aline Trede).

Sorgt für Verwirrung: Falscher Jodtabletten-Brief von Greenpeace (Bild: Twitteraccount Aline Trede).

Das Schreiben, das an eine Million Haushalte in der Schweiz ging, sieht täuschend echt aus. In einem Informationsbrief an die «Einwohnerinnen und Einwohner im 50-Kilometer-Umkreis der Schweizer Kernkraftwerke» hält die Geschäftsstelle Kaliumiodid-Versorgung fest, dass sie ungenügend über die kürzlich erfolgte Verteilung von Jodtabletten informiert habe.

Alle zehn Jahre werden im Umkreis der fünf Schweizer Kernkraftwerke Jodtabletten an die Bevölkerung verteilt. Es handelt sich dabei um eine Schutzmassnahme für den Fall eines AKW-Störfalls in einem der Schweizer Kernkraftwerke. Eben erst wurden die Jodtabletten wieder verschickt.

Missverständnisse, Unklarheiten

Die Verteilung der Jodtabletten habe zu Missverständnissen und Unklarheiten geführt, hält die Geschäftsstelle Kalium­iodid in ihrem Brief fest. Sie führt dann detailliert auf, was bei der Alarmierung der Bevölkerung nach einem Reaktorunfall alles schiefgehen könnte: «Jodtabletten sind am wirksamsten, wenn sie kurz vor dem Durchgang einer radioaktiven Wolke eingenommen werden. Wir können aber nicht garantieren, dass die Aufforderung, die Tabletten einzunehmen, rechtzeitig erfolgt», heisst es beispielsweise darin. Was wie ein selbstkritisches Ergänzungsschreiben einer Behörde zur Verteilung der Jodtabletten daherkommt, ist jedoch eine Fälschung. Verfasst hat das Schreiben nicht die Geschäftsstelle Kaliumiodid-Versorgung, sondern die Umweltorganisation Greenpeace, die auf ihrer Internetseite auch schriftlich und in einer Videobotschaft zu ihrem Vorgehen steht.

Konsterniert über Greenpeace

Auf der – echten – Geschäftsstelle Kalium­iodid-Versorgung ist man konsterniert über das Vorgehen von Green­peace und will sich rechtliche Schritte gegen die Umweltorganisation vorbehalten, wie es auf Anfrage heisst. Das Flugblatt operiere missbräuchlich mit dem Namen und dem Erscheinungsbild der Geschäftsstelle.

Bei Greenpeace sieht man dies naturgemäss etwas anders: «Das Problem ist, dass die Behörden die Bevölkerung nicht ernst nehmen. Im Begleitschreiben der Jodtabletten heisst es, dass man mit diesen im Notfall sicher geschützt sei. Das stimmt einfach nicht», sagt Kampagnenleiter Christian Engeli dazu. Doch lässt sich damit die Fälschung eines amtlichen Schreibens rechtfertigen? Greenpeace hätte ja auch in einem eigenen Brief Ergänzungsinformationen verbreiten können. Für den Kampagnenleiter ist das Vorgehen von Greenpeace der Sache dienlich: «Wenn unser Brief dazu beiträgt, dass jetzt über die Folgen eines AKW-Unfalls geredet wird, dann nehme ich gerne eine juristische Auseinandersetzung in Kauf.»

Der Bund

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