Experte kritisiert Kosten für Umbau der Kantons-IT

Sie hat die Kantons-IT überprüft und kann die empfohlenen Massnahmen nun gleich auch umsetzen: Die AWK Group AG erhält Aufträge für 1,5 Millionen Franken.

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Der Kanton Bern gibt jährlich 24 Millionen Franken zu viel für Informatik aus. Zu diesem Schluss kam ein unabhängiges Gutachten der AWK Group AG, das der Regierungsrat in einer Kurzversion knapp nach den Kantonswahlen von diesem Frühling publik gemacht hatte. Der Bericht kam unter anderem zum Schluss, dass die Informatikziele der Regierung veraltet seien und die Direktionen zu wenig zusammenarbeiteten.

Das konnte der Regierungsrat nicht stehen lassen. Er hat nun den Auftrag zur Umsetzung der im Gutachten empfohlenen Massnahmen an dieselbe AWK Group AG freihändig vergeben. Bis Ende 2016 erhält die Firma Aufträge für insgesamt knapp 1,5 Millionen Franken. Sie werden für vier Projekte eingesetzt – unter anderem für die Entwicklung einer neuen Informatikstrategie und einer Standardlösung für Haushalt und Personalverwaltung. «Für den Standort Bern ist das ein relativ grosses Beratungsvolumen», sagt Experte Matthias Stürmer, Dozent am Institut für Wirtschafts­informatik.

Zwei Jahre Arbeit für ein Team

Mit den genannten 1,5 Millionen Franken könne während zweier Jahre ein mittelgrosses Beratungsteam beschäftigt werden, sagt Stürmer. Da das Gutachten der AWK Group unter anderem auch «Defizite in der strategischen Führung» der Regierung ausgemacht habe, sei zu hoffen, dass die Reorganisation der Informatik auch vor den bisherigen «Gärtli» der Direktionen nicht haltmachen werde. «Eine IT ist nur dann effizient, wenn sie zentralisiert ist», sagt Stürmer. Voraussetzung hierfür sei allerdings, dass die zentralen Services mindestens so gut seien wie die bisherigen in den Direktionen.

Es gebe keine «heiligen Kühe», versichert Reto Burn, stellvertretender Generalsekretär der kantonalen Finanzdirektion, in einer schriftlichen Stellungnahme. Für die «Informatiklandschaft» der Kantonsverwaltung würden «verstärkt zentrale oder harmonisierte Lösungen» angestrebt, wie dies im Gutachten empfohlen werde. Das «IT@BE» genannte Vorhaben sei «das bedeutendste Projekt in der Geschichte der Informatik der Kantonsverwaltung». Angesichts jährlicher Informatikausgaben von über 200 Millionen Franken sei der externe Projektaufwand von rund 1,5 Millionen Franken bis Ende 2016 «angemessen». Im Übrigen handle es sich bei der Summe um eine «grobe Kostenschätzung», hält Burn fest.

Er weist darauf hin, dass die AWK Group AG den ursprünglichen Auftrag für das Gutachten im Rahmen einer öffentlichen Ausschreibung erhalten habe, weil sie «das mit Abstand günstigste Angebot» eingereicht habe. Da die Aufträge zur Umsetzung der Empfehlungen zu denselben Konditionen vergeben worden seien wie das ursprüngliche Mandat, wäre bei einer erneuten öffentlichen Ausschreibung kein günstigeres Angebot zu erwarten gewesen, schreibt Burn.

«AWK steht in Mitverantwortung»

Laut dem Stabsmitarbeiter der Direktion von Beatrice Simon (BDP) steht die AWK Group AG in Bezug auf das erhoffte Optimierungspotenzial sogar «in einer gewissen Mitverantwortung». Schliesslich sei es die AWK gewesen, die ein Optimierungspotenzial von über zwanzig Millionen Franken pro Jahr bei der Kantonsinformatik ausgemacht habe. «Eine andere, neue Projektleiterin könnte sich bei den Umsetzungsarbeiten von diesen Ergebnissen ganz oder teilweise distanzieren», hält Burn fest. (Der Bund)

Erstellt: 08.10.2014, 10:37 Uhr

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