Bald gibts keine Sonderschüler mehr

2700 Sonderschüler sollen Teil der Volksschule werden. Die meisten bleiben aber in separaten Klassen.

Die Sonderschulbildung soll übersichtlicher organisiert werden.

Die Sonderschulbildung soll übersichtlicher organisiert werden.

(Bild: Keystone Christian Beutler)

Christoph Aebischer@cab1ane

Im Kanton Bern werden rund 2200 Kinder und Jugendliche in einer Sonderschule oder in einem Sonderschulheim unterrichtet. 500 weitere werden in einer normalen Schulklasse mit einem Sonderprogramm ausgebildet. Allen gemeinsam ist, dass sie «ausgeschult» worden sind. Denn der Sonderschulbereich ist nicht Teil der Volksschule. Das soll sich ändern. Gestern orientierte Erziehungsdirektorin Christine Häsler (Grüne), wie dies geschehen soll. Die Gesetzesänderung dazu befindet sich nun in der Vernehmlassung. Kommt sie danach im Grossen Rat gut an – er gab vor zwölf Jahren selber den Auftrag dazu –, werden rund 60 Sonderschulen 2022 als «besondere Volksschulen» Teil der Volksschule.

Die Umsetzung soll grundsätzlich nicht mehr kosten. Häsler betonte, dass die meisten Kinder weiterhin in separaten Klassen unterrichtet würden. Das heutige System solle beibehalten werden. Es sieht vor, dass Kinder wenn möglich in der Regelklasse unterrichtet werden. Je nachdem ist die Einteilung in Klassen zur besonderen Förderung möglich, die zur Volksschule gehören. Ergibt eine standardisierte Abklärung der Erziehungsberatung, dass beides weder dem Kind gerecht wird, noch von der Schule und den Eltern getragen werden kann, erfolgt die Zuteilung in die «besondere Volksschule». Wobei neu der Kanton einen Platz sucht und nicht mehr die Eltern. Die Institutionen sind grundsätzlich zur Aufnahme verpflichtet.

Löhne werden angeglichen

Im Gegenzug werden die oft privat getragenen Schulen besser ins System integriert. Betrieb und Infrastruktur will der Kanton künftig mit einer Pauschale abgelten und die Löhne der rund 600 Lehrpersonen werden dem kantonalen Lohnsystem angeglichen. Für die Eltern bleibt die Sonderschule analog zur Volksschule unentgeltlich. Die Kosten für einen Heimplatz bemessen sich nach deren wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit.

Über der ganzen Reorganisation steht für Erziehungsdirektorin Häsler der «Grundgedanke der Gleichstellung». Zudem wäre künftig für die meisten Belange nur noch die Erziehungsdirektion zuständig.

Häsler will auch die Förderung von sportlich und musisch begabten Schülerinnen und Schülern regeln. Ein Kind kann gemäss Vorlage nur mit einem Talentnachweis für ein Sonderprogramm zugelassen werden. Beim Sport will sich der Kanton an Empfehlungen von Swiss Olympic orientieren, im musischen Bereich am Urteil von Experten. Den Entscheid fällt der Kanton. Die Kosten berappt dieser zu 70 Prozent und die Gesamtheit der Gemeinden zu 30 Prozent. Häsler versicherte, dass dieser Kostenteiler dafür sorge, dass Wohngemeinden nicht mit Mehrkosten rechnen müssten. Aktuell besuchen rund 550 Schülerinnen und Schüler eine Sportklasse oder ein anderes Programm zur Talentförderung.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt

Loading Form...