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Kann Wasser heute gehen?

Die Ask-Force stellt die Fähigkeiten von Wasser in Frage.

Meinung

Der Besuch beim Grossverteiler hat bei Herrn H.B. Spuren hinterlassen. Da sei ihm nämlich auf einem Plakat der Text «So geht Wasser heute» aufgedrängt worden, schreibt Herr B. Er habe sich so geärgert, dass er nicht mehr habe weiterlesen mögen – «vielleicht hätte es eine Reklame für ein neues Mineralwasser sein können». Vergessen kann er das Gelesene indes nicht: «Dieser sprachlich falsche Text läuft mir nach. Seit wann geht Wasser?» In seinem Wortschatz tue Wasser viel anderes: strömen, fliessen, tropfen, rinnen oder schäumen. «Aber gehen? Und wieso denn heute, was soll heute anders sein?» Er frage sich, ob Daniel Bernoullis Gesetze der Hydrodynamik von 1738 nicht mehr gälten und ob allenfalls der Werbetexter über neue Erkenntnisse verfüge. Besten Dank für den Wasserfall an Fragen, den wir tröpfchenweise beantworten werden. Mit Ihrer Zuschrift haben Sie sich als sprachlich kompetent geoutet. Denn Linguistinnen und Linguisten wissen schon lange, dass grammatikalische Fehler in Werbebotschaften vor allem kompetenten Sprechern auffallen, die sich dann dazu hinreissen lassen, dem Produkt (übrigens: ja, es geht in der Tat um ein Mineralwasser; um eines mit Extrakten von Minze und Gurke) eine erhöhte Aufmerksamkeit zu bescheren. Sie, Herr B., tun dies, indem Sie sich bei der Ask-Force über den Fehler beschweren. Die Ask-Force greift das Thema auf. Und schwups, ist das Wässerchen in aller Munde. (Kurze Pause, Trinkgeräusche)

Nun zu Bernoulli: Keine Sorge, der hat ganze Arbeit geleistet, der nach ihm benannte Bernoulli-Effekt gilt auch heute noch. Sie spüren ihn, wenn Sie in einem Flugzeug sitzen und tatsächlich in der Luft bleiben. Oder wenn Sie sich mit Parfum aus einem Fläschchen mit Blaseball einsprühen. Allerdings kann mit diesem Effekt auch heute Wasser nicht zum Gehen animiert werden, wie eine Testreihe im Ask-Force-Labor gezeigt hat. Das heisst nun aber nicht, dass Wasser nicht gehen kann. In der Esoterik-Szene ist es ein offenes Geheimnis, dass das Wasser nicht nur sprudeln, rauschen und plätschern kann, sondern auch in der Lage ist, zu fühlen, zu lesen, zu sprechen und sich zu erinnern. Es ist also davon auszugehen, dass Wasser auch gehen kann. Wenn es denn Lust dazu hat und weiss, wohin es will. Eigentlich ganz ähnlich wie der sprachlich falsche Text, der Ihnen seit Ihrem Besuch beim Grossverteiler nachläuft. Dieser hat sein Ziel offenbar gefunden. Eine wahrlich unangenehme Vorstellung. Vielleicht sollten Sie sich mal bei der Polizei melden. Oder beim Psychiater.

Verwässerte Antworten kennt die Ask-Force nicht: askforce@derbund.ch

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