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«Kann Gas nach Mass geschneidert werden?»

An diese Frage wagt sich heute die Ask-Force.

Eine alteingesessene Berner Firma, die mit flüchtigen bis sehr flüchtigen Elementen arbeitet, verfügt über einen überaus eingängigen Werbespruch. Diesen erblickte unser Leser W. B., als er auf einer Fussgängerbrücke im Bremgartenwald stand, in grossen, schwungvollen Lettern auf einem über die Autobahn dröhnenden Tanklastwagen – und griff, wieder zu Hause, zur Feder oder vielmehr zur Tastatur. Folgende Zeilen erreichten uns: «Auf dem imposanten Lastwagen stand ‹Gas nach Mass›. Bisher war mir nur bekannt, dass Kleider nach Mass geschneidert werden», schreibt W. B. «Kann denn auch das Gas wie ein Stoff zerschnitten, wieder zusammengenäht und so nach Mass geschneidert werden? Und an wessen Körper wird das Gas angepasst?»

Aus den Untiefen des Ozeans, der Vergangenheit heisst, steigt eine Schimäre herauf und entpuppt sich als Ex-Chemielehrer der Ask-Force, der mit Nachdruck (wie einst im Klassenzimmer) betont: «Das Gas ist ein Stoff, der aus dem Nichts heruntertroff.» Gas ist also durchaus ein Stoff wie Denim, Damast oder Zwillich. Doch kann man ihn auch massschneidern oder wenigstens zurechtschustern? Das ist einigermassen schwierig, denn die Schere des Schneiders würde die Moleküle des Gases verfehlen. Vielleicht ginge es mit einer Gen-Schere? Das wollen wir nicht ausschliessen, wir verzichten aber auf eine eindeutige Antwort, denn Gas ist unter den Elementen nicht nur für seine Flüchtigkeit, sondern auch für seine Anpassungsfähigkeit bekannt.

Das Gas schmiegt sich in so wunderbarer Weise an jeden Körper, dass es diesen – ganz anders als Flanell, Loden oder Barchent – nirgendwo zwickt oder beisst. Gas muss gar nicht angepasst werden. Das kann auch der Kaiser mit seinen neuen luftigen Kleidern bestätigen. Allerdings fällt Gas jedweder Machart immer wieder rücksichtslosen Komprimierungsaktionen und Druckversuchen anheim. Es wird in viel zu kleine Behältnisse gezwängt. Auch gerade von der Firma mit dem Slogan «Gas nach Mass». In einem Tank hat es nie das rechte Mass, dieses würde das Gas erst finden, wenn es mit einem Pfft oder einem Wumm entweichen könnte. In anderer Hinsicht ist aber auf dieser Welt das Mass voll oder sogar übervoll. Die Ask-Force denkt dabei an Treibhausgase, welche gerade Lastwagen so verschwenderisch in die Atmosphäre pusten.

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