Jetzt streikt die Jugend vor dem Bauernhof

Die Schweizer Klimabewegung will nicht mehr ein rein urbanes Phänomen sein und protestiert nun auf dem Land. Die Landwirte freut das nicht besonders.

Klimastreik in Langenthal im Mai: Nicht nur in den Grossstädten wird demonstriert.

Klimastreik in Langenthal im Mai: Nicht nur in den Grossstädten wird demonstriert.

(Bild: Christian Pfander)

Die Schulferien sind vorbei, die Schweizer Klimajugend meldet sich zurück. Bereits nächsten Samstag sollen an 30 Orten in der ganzen Schweiz Demonstrationen fürs Klima stattfinden. Doch dieses Mal werden nicht wie bisher die grossen Städte bestreikt, sondern kleinere Orte auf dem Land. «Es finden bewusst keine Demonstrationen in Grossstädten statt», teilt die Klimastreikbewegung Bern in einer Mitteilung mit.

Die Landbevölkerung soll eine Stimme erhalten, denn sie sei heute schon besonders stark vom Klimawandel betroffen. Sieben «Land-Demos» finden im Kanton Bern statt, so in Schwarzenburg, Münsingen, Langenthal, Interlaken, Erlach, Lyss und Zollikofen.

«Wir hatten Ende Juni die Idee, bewusst eine Demo für das Land zu organisieren», sagt Aktivist Didier Lusuardi aus Münsingen. Darauf habe die nationale Klimastreikbewegung die Idee für die gesamte Schweiz aufgenommen. Lusuardi ist überzeugt, dass der Aufruf an die Landbevölkerung auf Gehör stossen wird: «Die Landwirtschaft spürt die Auswirkungen des Klimawandels in der Schweiz deutlich, schon letzten Sommer musste das Militär aufgrund Wassermangels und extremer Hitze vielen Landwirten helfen, die Tiere mit Wasser zu versorgen.»

Wie hoch die Teilnehmerzahl ausfallen wird, kann Lusuardi schlecht einschätzen. Man habe das ganze Aaretal mobilisiert. «Und ich denke, dass aktuelle Ereignisse wie die Waldbrände in Sibirien, im Amazonas, in Afrika und Madagaskar viele Menschen dazu bewegen werden, sich uns anzuschliessen.»

Beim Berner Bauernverband löst dieses Engagement keinen Jubel aus: «Ich verstehe nicht, was das bringen soll», sagt der Präsident des Berner Bauern Verbands, Hans Jörg Rüegsegger. «Nützlicher wäre, wenn die Jugendlichen uns Landwirten bei der Wiederaufforstung von Waldgebieten, beim Jäten oder bei der Ernte helfen würden, sodass auf Pestizide oder Maschineneinsatz verzichtet werden könnte.» Gefragt seien Lösungsansätze wie beispielsweise das Berner Pflanzenschutzprojekt, das der Berner Bauernverband gemeinsam mit dem Amt für Landwirtschaft und Natur des Kantons Bern seit drei Jahren lanciert.

Doch sind es nicht gerade die Bauern, die jeden Sommer den Klimawandel am stärksten zu spüren bekommen? Das bestreitet Rüegsegger zwar nicht. Doch: «Natürlich wäre immer noch mehr Umweltschutz möglich. Aber unsere Bauern sind nachhaltig unterwegs und tun im Moment genug.»

Die Schweizer Klimajugend ist mit dem neuen Schuljahr in eine neue Etappe gestartet, für die schon viel geplant ist. Am 20. September startet der mehrtägige Earth Strike. Das Datum dieser Aktionstage wurde dabei bewusst drei Wochen vor den nationalen Wahlen angesetzt. Während der Woche sollen mehrere kleine Streiks und Anlässe, am Freitag, 27. September, Demonstrationen in der ganzen Schweiz und am Samstag eine zentrale Grossdemo auf dem Berner Bundesplatz stattfinden.

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