Zum Hauptinhalt springen

Ist unsere Bindung zu Zecken enger als jene zu Wölfen?

Die Ask-Force befasst sich mit der schwierigsten Frage überhaupt: Was ist das Gute, was ist das Böse?

Leserin L. S. aus Bern bezieht sich in ihrer Zuschrift auf die Berichte aus dem Wallis von letzter Woche. In Leuk waren 25 Lämmer von Zecken regelrecht «totgesaugt» worden, wie es in den Boulevard-Medien hiess. Diese Geschichte habe sie – «wie viele andere Leserinnen und Leser auch» – «enorm betroffen» gemacht. Und genau deshalb sei sie erstaunt, dass nicht schon auf höchster Ebene der Abschuss von Zecken gefordert werde. «Warum nicht?», fragt Frau S. und schiebt eine Vermutung nach: «Haben wir Menschen vielleicht eine engere emotionale Bindung zu Zecken als zu Wölfen?»

Frau S., Sie stellen hier eine der schwierigsten Fragen überhaupt: Was ist das Gute, was ist das Böse? Als erwachsene Menschen wissen wir: Die Welt ist nicht das Paradies, in dem Löwen neben Giraffen auf der gleichen Wiese grasen, auf der die perfekte Familie (mit klar heterosexuell ausgerichteten Eltern) picknickt. Die reale Welt ist gnadenlos. Oder wie es da und dort heisst: Das Leben ist kein Ponyhof. Wobei wir diesen Vergleich nicht besonders geglückt finden. Besser wäre: Das Leben ist kein Streichelzoo.

Also, was steht uns wirklich nahe? Denken Sie an einen Naturfilm, Frau S.: Er beginnt mit einer Wölfin, die ihre Wölflein umsorgt. Sie ist abgemagert. Nun bricht sie auf, streift durch Walliser Wälder. Was hoffen Sie, Frau S.? Bestimmt dies: dass die Wölfin ihre Zähne endlich in ein fettes Schaf schlagen kann. Nächster Film: Ein Mutterschaf und ihr Lämmlein nächtigen oberhalb von Leuk auf einer Magerwiese. Beide haben Angst und blöken, denn ein Wolf geht um. Was wünschen Sie sich, Frau S.? Wohl dies: dass der Walliser Bauer endlich mit der Pump-Gun auftaucht. Dritter Film: Eine Zeckenmutter beklagt eine gewisse Blutarmut. Was fühlen Sie, Frau S.? Vierter Film: Eine Grashalmmutter…

Was wir damit sagen wollen: Alles und jedes kann uns «enorm betroffen» machen – je nach Blickwinkel. Hier kann die biologische Systematik helfen, uns emotional richtig zu positionieren. Als Spinnentiere sind Zecken mit uns nur sehr entfernt verwandt. Wölfe dagegen sind Säuger; daher müssen wir sie schon fast als Cousins bezeichnen. Schwieriger wird es, wenn es um Wölfe, Schafe oder Ziegen geht. Sie sie sind uns alle gleich nah verwandt. Das bedeutet, Frau S., man muss sich entscheiden, wohin man emotional kippen will – wie im Märchen «Der Wolf oder die sieben Geisslein».

Macht Sie etwas enorm betroffen? Wir versuchen immer zu helfen: askforce@derbund.ch

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch