Im Tourismus bahnt sich ein Rekord an

Im ersten Halbjahr stiegen erneut mehr Gäste in bernischen Hotels ab.

Es ist gut möglich, dasss das Rekordjahr 2018 noch übertroffen wird.

Es ist gut möglich, dasss das Rekordjahr 2018 noch übertroffen wird.

(Bild: Valérie Chételat)

Wer derzeit mit Zug oder Bergbahn im Berner Oberland unterwegs ist, muss sich nicht wundern, wenn er keinen Sitzplatz mehr ergattert. Die Massen von Ausflüglern und fremdländischen Gästen zeigen eines deutlich: Der Tourismus hat sich endgültig von der Krise erholt.

Im vergangenen Jahr zählte das Bundesamt für Statistik so viele Logiernächte wie noch nie. Im ersten Halbjahr 2019 gab es im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein weiteres Plus. Die Zahlen der ersten Jahreshälfte sind beeindruckend: So kamen in den Monaten Januar bis Juni 18,7 Millionen Übernachtungen zusammen, ein Plus von 1,5 Prozent. Sogar noch stärker fiel der Anstieg in der Tourismusregion Bern aus, zu der neben der Stadt auch das Oberland gehört.

Damit soll nicht Schluss sein. Bei Schweiz Tourismus geht man davon aus, dass auch der Sommer gut laufen wird. «Was wir von der Front hören, ist positiv», sagt Sprecher André Aschwanden.

Beim Verband Hotelleriesuisse zeigt man sich optimistisch, wie sich die Geschäfte in diesem Jahr entwickeln. «Nicht nur, aber vor allem auch wegen des schönen Wetters sehen wir eine gute Tendenz», sagt Sprecher Patric Schönberg. Gut möglich also, dass das Rekordjahr 2018 übertroffen wird.

Ein grosser Teil des Wachstums kommt aus den USA. Schweizweit haben die US-Amerikaner im ersten Halbjahr für über eine Million Übernachtungen gesorgt, das sind 10 Prozent mehr als im Vorjahr. Und in der Region Bern hat in den ersten sechs Monaten ein Viertel mehr Amerikaner übernachtet als im ersten Halbjahr 2017.

SAC-Hütten sind beliebt

Zum Aufschwung des inländischen Tourismus tragen auch die Schweizer Gäste bei. «Die Nachfrage nach Wanderferien hat zugenommen und ist noch grösser als im vergangenen Jahr», sagt Aschwanden. Das hat positive Auswirkungen auf Orte, an die es nicht die ganz grossen Touristenströme hinzieht: in die Hütten des Schweizer Alpen-Clubs (SAC).

Der Sommer 2019 verläuft auf den Hütten bisher sehr erfreulich. «Viele waren bereits früh an den Wochenende sehr gut belegt, wenn nicht sogar ausgebucht», sagt Bruno Lüthi, Leiter Hüttenbetrieb beim SAC. Auch wenn die Saison noch andaure und deshalb keine verlässlichen Zahlen zur Verfügung stünden, sei es tendenziell ein sehr guter Sommer für die Hütten. Rund 75 Prozent der Gäste seien Einheimische, sagt Lüthi. Man beobachte, dass auch europäische Gäste, vor allem aus Deutschland, vermehrt in die Berge reisten und SAC-Hütten aufsuchten.

Währung bleibt ein Risiko

Für Ferienreisende aus Euroländern ist die Währungssituation ein entscheidender Faktor, ob sie in die Schweiz kommen oder nicht. Nachdem sich der Euro zum Schweizer Franken während der Finanzkrise deutlich nach unten bewegt hatte, hatten es die Schweizer Hotels schwer. So konnte nach der Aufhebung des Mindestkurses im Januar 2015 eine Schweiz-Reise bis zu 20 Prozent teurer werden. In den vergangenen beiden Jahren hat sich die Situation etwas entspannt. Die Erholung könnte aber bald wieder vorbei sein. Mittlerweile notiert der Euro wieder auf unter 1.09 Franken.

Um das Währungsrisiko auszugleichen baut der Schweizer Tourismus verstärkt ein zweites Standbein auf – den Städtetourismus. Dieser ist von einem steten Wachstum geprägt. Diese Reiseart ist mittlerweile fast so wichtig wie der Tourismus in den Bergen und auf dem Land zusammen. In der Stadt Bern wuchs die Zahl der Hotelübernachtungen zuletzt beispielsweise stärker als in wichtigen Oberländer Tourismusgemeinden wie Interlaken, Saanen und Adelboden.

Getrieben wird das Wachstum in den Städten einerseits durch Geschäfts-, aber vor allem auch durch Freizeittouristen. Das habe auch damit zu tun, dass man in Schweizer Städten im Vergleich zu Metropolen im Ausland praktisch in der Natur Ferien mache, sagt Aschwanden.

Damit der Tourismus den Schwung der vergangenen Jahre mitnehmen kann, hat Schweiz Tourismus im vergangenen Jahr das erste Mal auch den Herbst als eigenständige Saison beworben. «Die Destinationen ?wissen, dass die Herbstsaison im Durchschnitt 12 Tage länger dauert als 1970 respektive die Zeit des Schnees kürzer wird. Entsprechend hat die Branche investiert und das saisonale Angebot diversifiziert», sagt Aschwanden. Ausbleibender Schnee im Dezember soll so künftig nicht mehr allzu grosse Löcher in die Kassen reissen.

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