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«Ich könnte genauso gut Sozialdemokrat sein»

Warum Hans-Ulrich Müller in serbelnde Fabriken investiert hat, anstatt seine Karriere bei einer Grossbank fortzusetzen. Und warum er sich nicht auf eine bürgerliche Politik reduzieren lassen will.

«Bund»-Redaktor Adrian Hopf-Sulc im Gespräch mit Hans-Ulrich Müller im Berner Hotel Bellevue: Das ganze «Bund im Gespräch» im Video.

Zwischenzeitlich hätte man beinahe meinen können, Hans-Ulrich Müller sei jahrelanger Geschichtenerzähler oder PR-Fachmann gewesen: Er redete viel und gut, anekdotenreich und unterhaltsam. Man hörte ihm gern zu und glaubte ihm viel.

Müller ist aber nicht Geschichtenerzähler und auch nicht PR-Fachmann. Trotzdem oder gerade deshalb musste der Moderator, «Bund»-Wirtschaftsredaktor Adrian Hopf-Sulc, seinen Erzählfluss bei einem Thema immer wieder unterbrechen: dem Bernapark. Seinem Bernapark.

Auch am gestrigen «‹Bund› im Gespräch», neun Jahre danach, spricht Müller noch gern darüber, wie er damals eingestiegen ist bei der Kartonfabrik in Deisswil, die hätte geschlossen werden sollen. Darüber, wie er den Chef der österreichischen Firma getroffen hatte, der meinte, die Firma sei schlicht nicht zu retten, auch nicht von ihm. «Und im selben Moment habe ich entschieden, es zu tun», sagte Müller gestern.

Er stellte die 250 Leute wieder ein und merkte erst an deren emotionaler Reaktion, welche Verantwortung er sich aufgeladen hatte. Der Kauf des ehemaligen Kartonfabrikgeländes sollte zu seinem Lebenswerk werden. Noch heute baut er am Bernapark. Wie viel ihn das kostet, und wie er das finanziert? Da liess er sich nicht in die Karten schauen. «Es gibt ja immer noch die Banken.»

Müller ist auch Gründer und Präsident des Swiss Venture Club, der KMU fördert und Unternehmerpreise verleiht. Dabei hätte Müllers Karriere auch anders verlaufen können. Er war Banker. «Mit Leib und Seele» sogar, wie er gestern sagte. Zuletzt war er in der Geschäftsleitung der Credit Suisse. «Als Banker kann man viel ermöglichen, man kann Leute vernetzen, ohne indiskret zu sein.»

«Die Steuern sind zu hoch»

Und doch war die Verlockung aus der vermeintlich kleineren KMU-Welt irgendwann zu gross. Warum? «Ich habe den KMU-Geist schon als Kind mitbekommen», erzählte Müller, der im Belpmoos aufgewachsen war. Seine Eltern führten das Flugplatzrestaurant. «Start-ups und KMU sind wichtig für die Wirtschaft und für immer neue Innovationen.»

Müller investierte nicht immer nur da, wo er auf grosse Gewinne hoffte. Er übernahm mehrere Firmen, die hätten schliessen und ihre Angestellten entlassen müssen. Bei so vielen Geschichten blieb am Ende kaum Zeit, um über anderes zu sprechen, über die bernische Wirtschaftspolitik zum Beispiel.

Ob er als vermögender Unternehmer denn nie über einen Wegzug in einen steuergünstigen Kanton nachgedacht habe, wollte Hopf-Sulc wissen. «Nein», entgegnete Müller. «Ich zahle im Kanton Bern gern Steuern.» Trotzdem findet er, die Steuern im Kanton Bern seien sowohl für Private als auch für Unternehmen zu hoch. Und auch die Stadt Bern betreibe nicht unbedingt wirtschaftsfreundliche Politik, sagte Müller. Wobei, für ihn sei es ja gut, wenn die Stadt noch mehr Fahrverbote und Temporeduktionen einführen würde. «Dann kommen die Firmen zu mir nach Deisswil.» Und da war er wieder, der Bernapark.

So pointiert äusserte sich Müller bisher selten. Hat er eigentlich ein Parteibuch? «Ich ging als 20-Jähriger wegen meines Vaters zur SVP.» Im Oktober wählte er bürgerlich. Doch fügt er gleich an: «Ich könnte aber genauso gut Sozialdemokrat, Freisinniger oder Grüner sein.» Schliesslich habe er vielen Menschen geholfen, er sei liberaler Unternehmer und habe auch in ökologisch nachhaltige Projekte investiert.

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