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«Ich bin überzeugt, auch die Linke beeindrucken zu können»

Thomas Fuchs, Präsident der Stadtberner SVP und Kandidat für die Stadtregierung, sagt, warum für seine Partei keine Frau antritt und was er besser kann als die FDP.

Thomas Fuchs kandidierte schon vor 20 Jahren für den Berner Gemeinderat: «Das ist schon fast verjährt», sagt er dazu.
Thomas Fuchs kandidierte schon vor 20 Jahren für den Berner Gemeinderat: «Das ist schon fast verjährt», sagt er dazu.
Adrian Moser

Thomas Fuchs, Sie gaben bekannt, dass Sie ins Rennen um den Gemeinderat steigen. Hat ihre Partei niemand anderes gefunden? Anfänglich Interessierte wie Matthias Mast wollten ja nun doch lieber nicht antreten.

Diverse Kandidaten entschieden sich aus beruflichen und familiären Gründen gegen eine Kandidatur. Man hat letztendlich wohl auch beurteilt, wer parteiübergreifend am meisten Wählerinnen und Wähler überzeugen kann. Parteileitung und Parteivorstand sowie Matthias Mast empfehlen einstimmig und vorbehaltlos meine Kandidatur für den Gemeinderat.

Weshalb wollen Sie in den Gemeinderat?

Für die Stadt Bern ist es wichtig, dass die SVP in der Regierung vertreten ist und die bürgerliche Seite gestärkt wird. Und letztlich hilft es Bern, wenn die stärkste bürgerliche Kraft eingebunden ist in der Regierung, damit wir in dem Sinn konstruktiv mitarbeiten. Ich bin überzeugt, dass man mit guten Ideen auch die Linken beeindrucken kann. Etwa für meine Idee der Babyklappe gab es eine Mehrheit.

Sie treten mit der FDP an, was ist Ihr Ziel?

Unser Ziel ist, dass die SVP den Sitz macht. Für mich ist das Rennen aber absolut offen, ich würde sagen, die Chancen sind 50:50. Auch der Sitz der Liste der SVP und FDP ist noch nicht garantiert durch das Zusammengehen.

Was machen Sie besser als Bernhard Eicher, mit dem Sie auf der Liste der Bürgerlichen kandidieren?

Ich verfüge über mehr politische und wirtschaftliche Erfahrung. Und ich habe mehr innovative Ideen, auch wenn Bernhard Eicher jünger ist als ich. Ich bin auch frecher als er. Aber nur gemeinsam werden wir die Hürde für einen Sitz für unsere Liste schaffen.

Auf wessen Kosten soll der Sitz der Bürgerlichen gehen?

Mit dem Abgang von Gemeinderätin Ursula Wyss und dem serbelnden SP-Finanzdirektor Michael Aebersold hat die SP nicht eine optimale Ausgangslage für die Wahlen. Ein bürgerlicher Sitz würde wohl zulasten der SP gehen.

Ihre Partei konnte heute wieder keine Frau vorweisen, auch im Stadtrat sitzen nur Männer in der SVP. Haben Sie solche Schwierigkeiten, Frauen zu finden?

Nein, wir hatten tatsächlich eine Frau, die Interesse gehabt hätte an einer Kandidatur für den Gemeinderat. Sie hat dann aber aufgrund meines Bekanntheitsgrads zugunsten von mir verzichtet.

Sie haben heute sehr viele Ideen aufgezählt, die Sie als Gemeinderat anpacken möchten: etwa die Förderung von Kryptowährungen als Zahlungsmittel, Umnutzung der Schützenmatte mit einem Hochhaus, Förderung von Solaranlagen, vergünstigte ÖV-Tickets zu Randzeiten. Es wirkt nicht, als hätten Sie sich erst kürzlich für diese Kandidatur entschieden.

Doch, das ist effektiv so. Bis vor vier Tagen gab es dieses Papier mit den Ideen noch nicht. Mein Hauptvorteil ist meine rasche Auffassungsgabe, das ist auch im Beruflichen so. Ich habe oft Ideen aus dem Stegreif.

Sie wollen mehr Schafe im öffentlichen Raum, das sagten Sie heute ebenfalls. Was möchten Sie damit erreichen?

Sie könnten auf öffentlichen Plätzen Rasen mähen. Auch der Tierpark wäre daran interessiert, weil das auch Werbung für den Tierpark wäre. Wenn man gefährdete Schweizer Nutztierrassen einsetzt, fördert man auch die Artenvielfalt. Das kostet die Stadt nicht viel, bringt aber Sympathien.

Ihre Partei bekundet mehr Sympathien für weisse als für schwarze Schafe. Ist es egal, welche Farbe die Schafe in Bern hätten?

Ich könnte auch mit einer Herde schwarzer Schafe gut leben. Hauptsache, die Tiere werden nicht mit Farbe angesprayt.

Ist die Finanzdirektion die Direktion, die Sie am meisten reizt im Gemeinderat?

Die wäre sicher am naheliegendsten, auch weil ich beruflich in der Finanzbranche arbeite. Ich war auch unter der damaligen Finanzdirektorin Therese Frösch in der Finanzdirektion im Stadtrat, und die Zusammenarbeit hat gut geklappt mit ihr. Wir hatten zwar nicht die gleichen Ideen, aber sie hat zugehört und ab und zu etwas übernommen. Aber bei einer Kandidatur für den Gemeinderat kann man nicht auch sagen, welche Direktion man will.

Mit welchem Budget steigen Sie in den Wahlkampf?

Ich habe noch kein Budget gemacht. Ich werde einen Aufruf machen und den Wahlkampf danach richten, was reinkommt.

Bereits im Jahr 2000 kandidierten Sie für den Gemeinderat, damals ohne Erfolg. Was machen Sie diesmal besser?

Das ist schon fast verjährt, das war eine ganz andere Zeit. Das war in den Anfängen meiner politischen Karriere. Ich war als Jugendvertreter auf der Liste, und das war vor allem zur Förderung meiner Bekanntheit gedacht. Das ist nicht vergleichbar mit heute. Ich bin viel konstruktiver geworden und erfahrener und habe ein grosses Beziehungsnetz aufgebaut.

Apropos verjährt. Sie haben den Medienschaffenden heute ihren Betreibungsregister- sowie ihren Strafregisterauszug ausgehändigt. Warum?

Damit keine Leute irgendwas behaupten können und es keine Diskussionen gibt. Ich lege das auf den Tisch; es ist aber nicht zwingend, dass das jeder machen muss, der in den Gemeinderat will. Aber wenn man von Transparenz redet, sollte man sie selber auch vorleben.

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