Hunderte Sternschnuppen über Bern

Am Wochenende erhellen bis zu hundert Sternschnuppen pro Stunde die Nacht. Der Astronomie-Professor der Uni Bern, Dr. Andreas Verdun, rät zu einem Nachtspaziergang auf den Gurten.

Der alljährliche Perseidenregen wird am Wochenende die Nächte erhellen.

Der alljährliche Perseidenregen wird am Wochenende die Nächte erhellen. Bild: Alessandro Della Bella (Tages-Anzeiger)

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Jedes Jahr in den ersten zwei August-Wochen kommen Astronomie-Interessierte und Romantiker voll auf ihre Kosten: Dann sorgt ein Perseidenschauer für Hunderte Sternschnuppen am Nachthimmel. Wir haben mit Dr. Andreas Verdun vom Astronomischen Institut der Universität Bern über das Himmelsspektakel gesprochen und die wichtigsten Fragen geklärt.

Herr Verdun, am kommenden Wochenende herrscht wie jedes Jahr Anfang August wieder einmal perfektes Perseidenwetter. Was genau sind Perseiden?
Als Perseiden bezeichnet man jene Sternschnuppen, die jährlich um den 12. August herum – scheinbar aus dem Sternbild Perseus heraus – sichtbar sind. Deshalb tragen sie ihren Namen. Es handelt sich dabei um kleine Teilchen in der Grösse von Staubkörnern, die mit hoher Geschwindigkeit zur Erde (ca. 30–60 km/s) in die Erdatmosphäre eindringen und dort verglühen.

Und dabei werden sie zu Sternschnuppen?
Ja. Die Luftmoleküle werden dabei dermassen aufgeheizt, dass sie zu leuchten beginnen, was als charakteristische Sternschnuppenspur am Himmel beobachtbar ist. Am Wochenende können pro Stunde bis zu 100 Sternschnuppen gesehen werden.

Wieso tritt der Sternschnuppenregen immer in der ersten Augusthälfte auf?
Die Erde durchquert alljährlich während ihres Umlaufs um die Sonne immer am 12. August die Kometenbahn von 109P/Swift-Tuttle. Der Komet hinterlässt bei jeder Sonnenannäherung kleine Partikel, die aufgrund der Erhitzung des Kometen von dessen Kern abgesondert werden. Die ganze Kometenbahn ist daher bis hinaus zum Jupiter mit solchen Partikeln angereichert.

Wo ist der Sternschnuppenregen besonders gut zu sehen?
Die Sternschnuppen scheinen aus dem Sternbild Perseus zu kommen. Dieses ist um den 12. August am besten zwischen zwei und vier Uhr morgens zu sehen. Dann befindet es sich auf einer Linie, die sich von Osten nach Westen über den Himmel zieht, und liegt etwa auf halber Höhe zwischen Horizont und Zenit (jener Punkt genau über uns). Besonders viele und lange Sternschnuppenspuren sieht man abseits von jeglichem Stör- und Stadtlicht. Insbesondere sollte ein grosser Bereich des Himmels gut sichtbar sein, was bedeutet, dass man sich unter Umständen, je nach Wohnort, auf einen Hügel begeben muss.

Wann hat man in Bern die besten Chancen, das Spektakel zu beobachten?
Die Staubpartikel in der Umlaufbahn des Kometen sind nicht alle schön hintereinander aufgereiht, sondern streuen um diese Bahn herum. Deshalb treffen einige bereits vor, einige erst nach dem Hauptmaximum auf die Erdatmosphäre. Das Maximum wird aber in der Nacht vom 12. auf den 13. August erwartet.

Wieso gerade dann?
Weil die Erde dann direkt in die dichteste Wolke aus solchen Partikeln «hineinfliegt», was bedeutet, dass dann einerseits die Relativgeschwindigkeiten zwischen Erde und Sternschnuppen am grössten sind, andererseits das Maximum in den frühen Morgenstunden zwischen zwei und vier Uhr zu erwarten ist.

Wo in Bern können die Sternschnuppen am besten beobachtet werden?
Allen Bernerinnen und Bernern wird empfohlen, sich mit einem Liegestuhl und einer Wolldecke – falls es keine Tropennacht mehr geben sollte – auszurüsten und sich auf den Gurten, auf den Längenberg oder auf einen anderen Hügel zu begeben und die Nacht Blick aufwärts zu geniessen.

Welche Hilfsmittel sind dafür nötig?
Für die beste Beobachtung sind keinerlei Hilfsmittel nötig, denn die Sternschnuppen treten sehr sporadisch auf und «vergehen» auch wieder sehr schnell, sodass keine Chance besteht, ein solches Objekt beispielsweise mit einem Feldstecher zu beobachten. Damit das Auge möglichst gut an die Dunkelheit angepasst werden kann, muss man mindestens 20–30 Minuten in der Dunkelheit sein. Damit die Augen auch angepasst bleiben, empfiehlt es sich, eine Taschenlampe zu benutzen, bei der man auf Rotlicht schalten kann.

Woher kommt der alljährlich wiederkehrende Perseidenstrom?
Der Ursprung dieser Sternschnuppen liegt im Kometen 109P/Swift-Tuttle, der mit einer Umlaufzeit von ca. 133 Jahren die Sonne in einer stark elliptischen Bahn umläuft. Die ganze Kometenbahn ist relativ stabil gegenüber der Erdbahn und somit fast unbeweglich im Raum.

Bedeutet «unbeweglich», dass der Komet der Erde niemals gefährlich werden kann?
Doch. In der Tat ist der Komet 109P/Swift-Tuttle einer jener Kometen, der die Erde einmal treffen könnte. Am 14. August 2126 wird der 26 Kilometer grosse Komet nur in ca. 20 Millionen Kilometern an der Erde vorbeifliegen. Im Jahr 3044 werden es sogar nur ca. zwei Millionen Kilometer sein, was in astronomischen Massstäben schon fast einen Streifschuss bedeutet.

Welches Wetter ist für die Beobachtung ideal?
Der Himmel darf nicht vollständig bedeckt sein, einzelne Wolken sind noch erlaubt, falls der Himmel an sich klar ist. Falls der Himmel zum Beispiel durch Cirren, Federwolken in grosser Höhe, etwas getrübt sein sollte, wird auch das Spektakel entsprechend getrübt. Deshalb hoffen wir auf eine schöne und klare Nacht. Leider sind dann wieder Quellwolken und vereinzelte Gewitter angesagt.

Von wo aus werden Sie beobachten?
Ich werde von den Sternschnuppen träumen und mir die Nachtruhe gönnen, da ich solche Spektakel schön öfters und erfolgreich beobachtet habe.

Sollte der Himmel am Wochenende doch wolkenverhangen sein, kann man sich die Perseiden in diesem Jahr auch erstmals im Internet anschauen: Das Virtual Telescope Project streamt den Nachthimmel online via Roboter-Teleskop. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 07.08.2018, 16:35 Uhr

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