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Heute ohne (den Versuch einer) Pointe

Diese Kolumne ist aus mehreren Gründen keine normale Kolumne.

«Warum müssen wir jetzt alle einen Hamster kaufen?» Mit diesem Satz endete die Ask-Force-Kolumne vor einer Woche. Es sollte eine Pointe sein. Eine sogenannte Frage-Pointe. Wie alle Pointen markieren auch Frage-Pointen den Abschluss eines Textes. Wenn dabei einem Prozent der Leserinnen und Leser unter normalen Umständen ein für eine Zehntelsekunde sichtbares Lächeln übers Gesicht huscht, sind wir mehr als zufrieden. Kurze Pointe, kurzes Lächeln – das wars. Nicht so bei Frau W. aus Biel. Sie hat auf die Frage-Pointe mit einer Antwort reagiert. «Da ausnahmsweise Sie eine Frage stellen», schreibt sie in ihrer E-Mail, «gebe ausnahmsweise ich als Leserin die Antwort, und zwar kurz und bündig: natürlich um den Hamster zu schlachten, wenn es sonst nichts mehr zu essen gibt.»

Liebe Frau W., vielen Dank für Ihre Zuschrift. Sie hätten uns damit unter normalen Umständen wohl ein Schmunzeln auf die Mundwinkel gezaubert – und uns vor ein Problem gestellt: Wie sollen wir, die Spezialistinnen und Spezialisten für die Beantwortung doppeldeutiger Fragen, auf eine Antwort reagieren? Wahrscheinlich hätten wir probiert, der Sache mit dem Hamster einen weiteren, möglichst skurrilen Dreh zu verpassen. Sicher wären wir dabei auf die Backentaschen dieses mäuseartigen Wühlers eingegangen. Von da her kommt ja auch der Begriff des Hamsterkaufs. Und womöglich hätten wir die Geschichte so entwickelt, dass am Ende jemand eine aus Hamsterfellen angefertigte Tasche benutzt, um damit (im Denner) einkaufen zu gehen.

Das Problem ist nur: Es ist uns dieser Tage nicht möglich, etwas Derartiges zu schreiben. Es geht einfach nicht. Und es wäre unter den Leserinnen und Lesern wohl auch kaum jemand in der Stimmung dazu, so etwas aufnehmen zu wollen. Das ist keine Kritik an Ihnen, Frau W. Als Sie vor einer Woche geantwortet haben, war alles noch irgendwie anders. Etwas aber finden wir erstaunlich: Wie unglaublich deutlich Nebensächliches plötzlich als Nebensächliches erkennbar wird unter Umständen, wie sie gegenwärtig herrschen. Wir beenden diese Kolumne darum nicht mit dem Versuch einer Pointe, sondern mit einem Wunsch: auf dass Nebensächliches bald wieder an Bedeutung gewinne!

Fragen (und Antworten) aller Art an: askforce@derbund.ch

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