Grossräte verlangen Geld für Oberländer Skirennen

Der Hilferuf der Organisatoren der Skirennen in Adelboden und Wengen hat Folgen: Politiker fordern Subventionen.

Das Weltcuprennen der Herren am Lauberhorn zog diesen Samstag zahlreiche Besucher an.

Das Weltcuprennen der Herren am Lauberhorn zog diesen Samstag zahlreiche Besucher an.

(Bild: Urs Jaudas)

Der Kanton Bern soll in die Bresche springen. Dies verlangten am Wochenende gleich mehrere Mitglieder des Grossen Rates. Sie reagierten mit Motionen auf die Warnung der Organisatoren, wonach die Skirennen in Adelboden und Wengen ohne zusätzliche Unterstützung gefährdet seien.

SVP-Grossrat Thomas Knutti fordert jährlich eine halbe Million Franken für die Skiweltcuprennen in Adelboden und Wengen. Er warnt in seiner Motion, dass ein Verlust der Rennen für den Kanton Bern «verheerend» wäre und deshalb «dringend verhindert» werden müsse. Die Skirennen seien für das Oberland, den Kanton und die ganze Schweiz wichtig, «die Bilder gehen um die Welt», so Knutti. Und er nennt das Gastgewerbe und die Hotellerie, für welche die Rennen wirtschaftliche Höhepunkte seien.

Ähnlich argumentieren Jan Gnägi und zwei weitere BDP-Grossräte in ihrer Motion. Sie fordern vom Kanton zwar keinen bestimmten Geldbetrag, verlangen aber Unterstützung und dass der Regierungsrat mit den Organisatoren Verhandlungen aufnimmt.

Zivilschutz hilft bereits

Sowohl Knutti als auch Gnägi weisen in ihren Vorstössen darauf hin, dass der Kanton Bern derzeit keine direkte Finanzhilfe an den Rennen leiste, sondern diese mit Arbeitsstunden des Zivilschutzes unterstütze. Für diese Zivilschutzeinsätze stellt der Kanton Bern allerdings jährlich rund 150000 Franken bereit. In marktgerechte Löhne umgerechnet, seien die Einsätze etwa 1,5 Millionen Franken wert, sagte der bernische Volkswirtschaftsdirektor Christoph Ammann (SP) in einem am Samstag veröffentlichten Interview mit der «Berner Zeitung».

Ammann kündigte zwar an, mit den Veranstaltern ins Gespräch zu treten. Ins Bockshorn jagen lässt er sich jedoch nicht: «Wissen Sie, die Skiwelt geht nicht schon morgen unter», sagte er gegenüber der «Berner Zeitung». Die Weltcuprennen seien offenbar auch für die nächsten Jahre finanziell gesichert. «Es geht nun um längerfristige Planungssicherheit.» Dazu brauche es eine politische Debatte und letztendlich einen Entscheid des Kantonsparlaments.

Kanton hat vorgespurt

Ammann gab auch zu verstehen, dass die Organisatoren der beiden Skiweltcupklassiker am Lauberhorn und am Chuenisbärgli zuerst alle Einnahmenquellen ausschöpften. Er habe klare Signale von beiden Organisatoren, dass sich ihre Forderung nicht nur an den Kanton richte. «Sie sehen, dass sie Hausaufgaben haben, deren Lösung wichtiger ist als der Beitrag des Kantons», so Ammann. Dabei geht es unter anderem um einen Rechtsstreit mit dem Verband Swiss-Ski um mehr Gelder aus TV- und Marketinggebühren (lesen Sie hier mehr zu diesem Streit).

Und schliesslich verwies der SP-Regierungsrat auf die Klimaveränderung. Es sei ein Unterschied, ob man Kunstschnee vor Ort produziere oder aufgrund immer höherer Temperaturen Schnee mit Lastwagen und Helikoptern heranführen müsse.

Nichtsdestotrotz kann sich der Volkswirtschaftsdirektor aber offenbar eine kantonale Hilfestellung vorstellen: Für den Kanton sei der Tourismus wichtig. «Davon leitet sich auch eine gewisse Verantwortung und Aufgabe für die öffentliche Hand ab.»

Das Berner Kantonsparlament hat 2017 im Übrigen das Tourismusgesetz revidiert, genau um Grossanlässe wie die Weltcupklassiker griffiger unterstützen zu können. «Der Weg ist somit vorgespurt, die Diskussion über die dünne Schneedecke finanzieller Art zu führen», sagte Ammann im Interview.

sda/bw

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