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Grosser Run auf freie Bahnen

Schon bevor das Stadtberner Stimmvolk über den Kredit abstimmen konnte, hat das Gerangel von Wassersportvereinen um den zusätzlichen Platz in der neuen Schwimmhalle begonnen.

So viel Armfreiheit für sauberes Delfinschwimmen wie hier im «Mubeeri» gibt es in den Berner Hallenbädern selten. Sportvereine hoffen auf Besserung.
So viel Armfreiheit für sauberes Delfinschwimmen wie hier im «Mubeeri» gibt es in den Berner Hallenbädern selten. Sportvereine hoffen auf Besserung.
Iris Andermatt (Archiv)

In Berns Hallenbädern herrscht ein Verdrängungskampf: Vereine, Schulen und Gäste müssen sich sehr beschränkte Platzverhältnisse teilen. Überholen ist in zuweilen überfüllten Schwimmbahnen kaum ohne versehentliches Handgemenge möglich, immer wieder kommt es zu Unmut unter Schwimmenden. In den letzten 15 Jahren nahm die Anzahl Gäste in Berner Hallenbädern um 20 Prozent zu. 440000 Eintritte verkaufen die Hallenbäder Weyermannshaus, Wyler und Hirschengraben zusammen jedes Jahr. Für die Badegäste und alle Wassersportvereine gibt es in der Stadt insgesamt 14 Bahnen. Gemäss dem Berner Sportamt würde es aber mindestens deren 30 brauchen, um den aktuellen Bedarf zu decken.

Mit dem Verdrängungskampf könnte aber bald Schluss sein. Am Sonntag befindet das Berner Stimmvolk über einen Kredit über 75 Millionen Franken für den Bau der neuen 50-Meter-Schwimmhalle. Wird diesem an der Urne zugestimmt, soll bereits nächstes Jahr mit dem Bau begonnen werden. Damit könnte zwar einem Platzproblem entgegengewirkt werden, doch zeichnen sich weitere Herausforderungen ab, schon bevor das Projekt beschlossen ist.

Gerangel um Trainingsplatz

Die neue Schwimmhalle würde die Hallenbadfläche in Bern verdoppeln. Zu den aktuell 14 Bahnen in einer Länge von 25 Metern kämen 10 Bahnen à 50 Meter. Das neue Schwimmbecken könnte man auch als 25-Meter-Becken nutzen. Damit kämen zu den 14 bestehenden 20 zusätzliche 25-Meter-Bahnen.

Diese Aussicht lässt auch die Berner Wassersportvereine frohlocken; alle würden sie ihre Trainings gerne künftig nur noch in der neuen Schwimmhalle abhalten. Und dies am liebsten noch mit ein bisschen mehr Platz, als sie bisher hatten.

Dazu gehört der rund 700 Mitglieder starke Schwimmklub Bern (SKB). «Wir würden in erster Linie die Trainings unserer Leistungssportler gerne weitgehend in der neuen Halle abhalten», sagt SKB-Präsident Lars Längauer. Heute würden die Trainer zu viel Zeit damit verbringen, von einem Hallenbad ins nächste zu hetzen zwischen den Trainings. Das sei stressig und führe dazu, dass sich Trainer kaum austauschen könnten, sagt Längauer. «Auch sonst kommt bei uns nie wirkliches Clubgefühl auf, weil wir uns fast nie sehen.» Gerade Leistungssportler, die vier- bis siebenmal wöchentlich trainierten, sollten dies immer am gleichen Ort tun können, so Längauer. «Gleiches gilt auch für die Wasserspringer, die sonst nirgends eine vergleichbare Infrastruktur haben.»

Auf alle drei Hallenbäder verteilt sind aktuell auch die Trainings der Berner Synchronschwimmerinnen des Synchrovereins Bern, die Sportangebote der Universität Bern sowie deren Lehrveranstaltungen für Sportstudierende oder die Schwimmtrainings der Triathleten. Sowohl der Synchroverein Bern als auch die Uni Bern sagen auf Anfrage, sie würden ihre Trainings künftig gerne in die neue Halle verlegen. Der Synchroverein Bern trainiert an sechs von sieben Tagen, zum Teil mit Musik. Die Uni Bern hält unter der Woche täglich mehrere Kurse ab in Berns Hallenbädern.

Und die Öffentlichkeit?

«Der Standort im Neufeld würde uns den Betrieb um einiges erleichtern», sagt Reto Zimmermann, Leiter Universitätssport an der Uni Bern. Sport wird sowohl für PH- als auch für Sportstudierende im Neufeld unterrichtet. Auch die Lehrpersonen und Studierende der Uni Bern könnten also Weg und Zeit sparen, wenn sie die neue Schwimmhalle benutzen könnten.

Schon bevor das Volk den entsprechenden Kredit überhaupt genehmigt hat, stürzen sich sämtliche Schulen und Vereine also auf die neue Schwimmhalle. Bleibt am Ende zu den begehrten Randzeiten gar kein Platz mehr für diejenigen, die ohne Training oder Wassersport schwimmen wollen?

Die zuständige Gemeinderätin Franziska Teuscher (GB) verneint. «Es ist vorgesehen, dass die Hälfte der Schwimmbahnen der neuen Schwimmhalle jederzeit für die Öffentlichkeit zugänglich ist.» Die übrigen Bahnen würden nach den gleichen Kriterien vergeben wie bisher. «Die Schwimmhalle soll die bestehenden Hallenbäder auch entlasten. Es sollen mehr Freiräume für die öffentliche Nutzung geschaffen werden», so Teuscher.

Gemäss Sportamt würde die neue Schwimmhalle den Platzbedarf für die nächsten 20 Jahre decken. Dies, obwohl die bestehenden Hallenbäder allesamt saniert und dafür temporär geschlossen werden müssen, sobald die Schwimmhalle denn gebaut wäre. Insgesamt stehen dann aber immer noch mehr Bahnen zur Verfügung als aktuell – ein erneuter Engpass ist somit nicht zu befürchten.

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