Jetzt beginnt die Schlammschlacht um den Aareweg

Der Streit um den Aareweg in Muri Gümligen geht in die nächste Runde. Die FDP kritisiert die zuständige SP-Gemeinderätin scharf.

Der Aareweg zwischen Muribad und Parkplatz Wehrliau. Dieser Damm wird wohl früher oder später von der Aare weggespühlt, wenn er nicht fest verbaut wird.

Der Aareweg zwischen Muribad und Parkplatz Wehrliau. Dieser Damm wird wohl früher oder später von der Aare weggespühlt, wenn er nicht fest verbaut wird. Bild: Franziska Rothenbühler

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Der Streit um den Aareweg bei Muri Gümligen wird persönlich: Die FDP greift die zuständige Muriger Gemeinderätin Daniela Pedinelli frontal an. Die SP-Frau nehme die Befürchtungen der Bürgerinnen und Bürger nicht ernst, sei bei Sitzungen zum Thema schlecht vorbereitet und verharmlose die Risiken für die Trinkwasserversorgung: Dies wirft FDP-Mitglied Heinz Kneubühl der Gemeinderätin in einem Schreiben vor, das dem «Bund» vorliegt. «Weiter finde ich es fragwürdig, dass Frau Pedinelli in der letzten Sitzung im Parlament sich gegen die Meinung ihrer Kollegen und den getroffenen Entscheid stellt», hält Kneubühl zudem fest.

Die angegriffene Gemeinderätin gibt sich, mit den Vorwürfen konfrontiert, überrascht: Kneubühl habe an den Sitzungen nicht teilgenommen. Sie könne sich darum nicht erklären, woher der Vorwurf komme, sie sei schlecht vorbereitet. Bei den Sitzungen mit den Vertretern der Aareweg-Petition seien deren Anliegen präsentiert worden und sie habe dazu nicht Stellung genommen.

«Im Parlament habe ich gesagt, was im Moment Sache ist und darüber informiert, dass eine Expertise in Auftrag gegeben wird.» So sei die Trinkwasserversorgung wegen der Erosion des Aareweges nicht gefährdet. Bei der Petition, so Pedinelli, gehe es aber lediglich um die Trinkwasserfassung in der Wehrliau. Diese Frage werde nun auch auf Druck der Petitionäre vertieft abgeklärt. Weiter gibt Pedinelli zu bedenken, dass viele Bürger der Gemeinde die Petition nicht unterschrieben hätten: «Auch deren Meinung muss man im Parlament hören.»

Genau dieses Argument versteht Kneubühl wiederum nicht und wirft der Gemeinderätin «fehlendes Verständnis für demokratische Abläufe» vor. Auch darüber kann Pedinelli nur den Kopf schütteln. Unterstützung bekommt die SP-Frau ausgerechnet von der SVP: Deren Fraktionspräsident Reto Lauper, der mit Pedinelli in der Umweltschutzkommission sitzt, stellt ihr ein einwandfreies Zeugnis aus: «Ich habe sie bisher als bestens vorbereitet und als eine Politikerin mit Herz und Blut erlebt», so Lauper.

Emotionen unterschätzt

Deutlich wird immer mehr, dass die Exekutive wohl unterschätzte, wie sehr das Thema Aareweg die Menschen emotional bewegt. Das stellt auch Adrian Kauth fest, Präsident der FDP. Er glaubt auch zu wissen, weshalb dem Gemeinderat das «Gspüri» für diese Sache fehlt: Es sässen zu viele Juristen im Gemeinderat. In der Tat, sitzen im siebenköpfigen Gremium vier Juristen – darunter Gemeindepräsident Thomas Hanke (FDP). «Die zeigen sich nicht ganz so flexibel, wenn das Volk etwas will, was dem übergeordneten Recht widerspricht», sagt Kauth. Allerdings gibt es auch auf der Seite der Opposition in der Gemeinde Rechtsgelehrte, die mit rechtlichen Argumenten gegen die Verlegung des Wegs kämpfen.

Auslöser des Streits sind die Pläne des Kantons, den Uferweg zwischen dem Parkplatz Wehrliau und dem Muribad wegerodieren zu lassen. Stattdessen soll der Weg hinter die Gonzenbachgiesse an den Hang verlegt werden. Die Bau- und Grabungsarbeiten würden in der Schutzzone 2 der Trinkwasserfassung Wehrliau erfolgen. Fachleute, welche die Petitionäre unterstützen, sind der Ansicht, dass die Gesetzgebung solche Arbeiten in der Schutzzone verbietet. Die Trinkwasserfassung würde gefährdet.

Suche nach dem Experten

Der Gemeinderat hat an seiner letzten Sitzung bekannt gegeben, diese Argumente erneut überprüfen zu lassen – von einer Fachperson, unabhängig von den Resultaten der bisher vorhandenen hydrogeologischen Studien. Nun ist die Gemeinde auf der Suche nach diesem Experten - bei dessen Wahl haben aber Petitionäre und Kanton ein Mitspracherecht. In einem ersten Schritt will die Gemeinde drei Kandidaten aussuchen mit den Ziel, dass beide Parteien hinter dem Experten stehen können. Damit hofft der Gemeinderat auf eine endlich von allen akzeptierte Untersuchung. (Der Bund)

Erstellt: 27.09.2017, 18:29 Uhr

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