Geldsegen nach kantonalem Sparpaket

Die Frauenzentrale Bern erhält pünktlich zum 100-Jahre-Jubiläum einen Zustupf der Burgergemeinde.

Die Volkshochschule Bern ist an der Grabenpromenade in der Nähe des Kornhausplatzes daheim.

Die Volkshochschule Bern ist an der Grabenpromenade in der Nähe des Kornhausplatzes daheim.

(Bild: Adrian Moser, Archiv)

Sophie Reinhardt@sophiereinhardt

Ein erfreuliches Geburtstagsgeschenk erhält die Frauenzentrale Bern. Sie bekommt gemeinsam mit der Berner Volkshochschule den diesjährigen Preis der Burgergemeinde Bern. Die Frauenzentrale setzt sich für die Gleichstellung ein und berät Frauen, aber auch Männer in Rechts- und Finanzfragen.

Mit dem Preisgeld in der Höhe von 75000 Franken will die Frauenzentrale ihre Informatik erneuern. Weiter soll das Geld auch einen Nothilfefonds speisen. «Dieser droht langsam zu versiegen und hat die Funktion, Menschen kleinere Beiträge zu finanzieren, damit sie nicht in die Schuldenspirale geraten», sagt Dolores Dana, Co-Präsidentin der Frauenzentrale Bern.

Die Frauenzentrale finanziert sich neben Spenden auch dank einem Leistungsvertrag mit dem Kanton Bern. Im Jahr 2019 erhielt die Institution rund 320000 Franken vom Kanton. Das sind aber knapp 40000 Franken weniger als im Vorjahr, denn auch die Frauenzentrale war von den kantonalen Sparmassnahmen betroffen. «Umso glücklicher sind wir nun natürlich über diesen Preis», sagt Dana. Aber auch mit einzelnen Gemeinden verfügt die Beratungsinstitution über Verträge. Für diese übernimmt die Zentrale das eintreiben von Alimenten. Dafür brauche es ein bestimmtes Fachwissen, welches in kleineren Gemeinden oftmals nicht vorhanden sei, sagt Dana. Rund 500 Dossiers wurden im letzten Jahr im Rahmen der Alimentenhilfe für Gemeinden bearbeitet.

Mehr Frauen in der Politik

Die Frauenzentrale wurde 1919 unter dem Namen Bernischer Frauenbund gegründet und feiert diesen November ihr hundertjähriges Bestehen. Der Gedanke bei der Gründung war einst, die stadtbernischen Frauenvereine zusammenzuschliessen. Angeregt wurde dies auch von der Berner Kämpferin für das Frauenstimmrecht Helene von Mülinen.

Später wurden dann Vereine aus dem ganzen Kanton aufgenommen, und 1935 wurde die unentgeltliche Rechtsberatung gegründet. Bis heute sei die Frauenzentrale Bern eine Drehscheibe zwischen engagierten Frauen, Frauenorganisationen, Behörden und politischen Gremien, teilte die Burgergemeinde gestern mit. In diesem Jahr sei bei der Preisvergabe der Fokus auf die beiden hundertjährigen Institutionen gelegt worden, die seit einem Jahrhundert «unabdingbare und wichtige Arbeit leisten». Bis heute setzt sich die Frauenzentrale Bern zum Ziel, die Gleichstellung von Frau und Mann in allen Lebensbereichen zu erreichen, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu fördern sowie mehr Frauen in die Politik zu bringen.

Auch Männer werden beraten

Dafür organisiert die Frauenzentrale Rechts-, Budget- und Vorsorgeberatungen. Doch im Gegensatz zu der Anfangszeit würden heute nicht nur Frauen in diesen Fragen beraten, sagt Dana. Zwar arbeiten nur Frauen in der Beratungsstelle, aber Rat erhalten auch Männer. «Wir haben immer wieder diskutiert, ob wir den Namen deshalb ändern sollen», sagt Dana. Doch man habe sich stets dagegen ausgesprochen. Rund ein Drittel der Beratungen werde heute von Männern in Anspruch genommen. Etwa wenn es um Fragen zu Scheidungen oder Trennungen gehe, hätten Männer und Frauen unweigerlich dieselben Fragen. Wenn es bei den Fragen um den Kampf um Alimente gehe, seien es aber mehrheitlich noch immer Frauen, die Rat suchten, sagt Dana.

Rund 2800 Personen wurden in verschiedenen Bereichen von den Beraterinnen für einen Unkostenbeitrag allein im letzten Jahr beraten. Besonders bei der Schuldenberatung sei die Nachfrage in den letzten Jahren gewachsen – auch bei Jugendlichen, sagt Dana. Das Leben auf Pump sei heutzutage salonfähig. Das Motto «Heute konsumieren – morgen bezahlen» führe dazu, dass Konsumentinnen und Konsumenten auf einmal vor einem Schuldenberg stünden.

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