Frauen-WM in Bern nun doch gleichbehandelt

Berner Bars und Restaurants, die während der WM draussen Frauenfussball übertragen wollen, können dies auf Gesuch nun doch tun. Es gelten gleiche Regeln wie bei der Männer-WM.

Die grossen Stadien Frankreichs werden noch bis Anfang Juli von den besten Frauenteams der Welt bespielt.

Die grossen Stadien Frankreichs werden noch bis Anfang Juli von den besten Frauenteams der Welt bespielt.

(Bild: AFP)

Noah Fend@noahfend

Seit Freitag findet in Frankreich die Fussball-Weltmeisterschaft der Frauen statt. In der Stadt Bern wird dieser Grossanlass – anders als die Männer-WM letztes Jahr – allerdings kaum wahrgenommen. Das hat auch damit zu tun, dass Bars und Restaurants, die Frauenfussball in ihren Aussenbereichen hätten zeigen wollen, keine Bewilligung erhalten haben. Einerseits aus formellen Gründen, andererseits aber auch, weil angeblich das öffentliche Interesse fehlen würde, um Sonderbewilligungen für Bildschirme und Lautsprecheranlagen in Aussenbereichen von Restaurants zu bewilligen (der «Bund» berichtete).

Das stiess nicht nur bei einigen Betreiberinnen und Betreibern von Bars und Restaurants in Bern auf Unverständnis: Nachdem die nicht erteilte Bewilligung wegen fehlenden öffentlichen Interesses am Donnerstag bekannt geworden war, schaltete sich auch Barbara Krattiger ein, Leiterin der städtischen Fachstelle für die Gleichstellung von Frau und Mann.

Sonderbewilligungen möglich

Nach ihrem Kontakt mit Norbert Esseiva, Leiter der Berner Orts- und Gewerbepolizei, informierte Krattiger in einem Schreiben Meret Wälti, YB-Mittelfeldspielerin und Initiantin verschiedener Liveübertragungen in Berner Lokalen während der Frauen-WM. Im Schreiben, das dem «Bund» vorliegt, teilt Krattiger mit, dass entsprechende Gesuche nun per Mail eingereicht werden können.

Damit gilt die gleiche Regelung wie letztes Jahr während der Fussball-WM der Männer in Russland. Berner Gastrobetriebe konnten auch damals per Mail ein Gesuch stellen, um die Spiele im bewilligten Bereich der Aussenbestuhlung vor ihren Lokalen mit Ton zeigen zu dürfen. Dieses wurden grossmehrheitlich bewilligt.

Esseiva bestätigt die Kontaktaufnahme Krattigers auf Anfrage: «Sie ist auf mich zugekommen und hat nachgefragt, was die Gründe waren und welche Möglichkeiten es gebe.» Auch, dass interessierte Gastrobetriebe die Bewilligung per Mail einreichen können, sei korrekt, sagt Esseiva. Diese Möglichkeit bestehe jedoch grundsätzlich immer.

Obwohl das Turnier schon begonnen hat, können auch jetzt noch Gesuche für Übertragungen eingereicht werden. Es ist also davon auszugehen, dass sie bei der Gewerbepolizei denn auch zeitnah behandelt werden.

Gastrobetriebe mit einem eigenen Aussenbereich brauchen eine Sonderbewilligung, wenn sie diesen anders als normal möblieren oder zusätzlich beschallen wollen. Um Fussballspiele oder Ähnliches auf einem Bildschirm mit Ton übertragen zu können, müssen sie deshalb zuerst ein Gesuch einreichen bei der städtischen Gewerbepolizei.

Doch kein öffentliches Interesse?

Krattiger hofft in ihrem Schreiben, dass die Gesuche nun wohlwollend geprüft würden. «Wir prüfen jedes Gesuch wohlwollend, egal worum es geht oder wer es stellt», sagt dazu Esseiva. Dennoch gab es aber bisher für ihn bei der Gewerbepolizei keine weiteren Gesuche zu prüfen. Trotz Berichterstattung am Donnerstag und der Information von Krattiger am Freitag seien bisher bei der Gewerbepolizei keine Gesuche für eine Übertragung eingegangen. Fehlt es letztlich also doch an öffentlichem Interesse?

Krattiger hofft jedenfalls, «dass der Frauenfussball während der WM an Sichtbarkeit und öffentlichem Interesse gewinnt – ganz im Sinne der Gleichstellung.»

Gastrobetriebe können ihr Gesuch für die TV-Übertragung der Frauenfussball-WM im Bereich der Aussenbestuhlung inkl. Bildschirm und Lautsprecher per Mail an gastgewerbe@bern.ch stellen.

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