Flughafen: Bern soll «vom toten Pferd absteigen»

Unanständig, unnötig: Viele Leser sind gegen Staatsgelder für Berns Flughafen.

Alleine ist Bern-Belp nicht überlebensfähig (Symbolbild).

Alleine ist Bern-Belp nicht überlebensfähig (Symbolbild).

(Bild: Adrian Moser)

Markus Dütschler

Der Flughafen hat im «Stadtgespräch» schlechte Karten. Die sechs Millionen Franken, mit denen der Regierungsrat die Schwierigkeiten im «Mösli» lindern helfen will, lösen harsche Voten aus. Viele erinnern an die zahlreichen Demonstrationen der Klimajugend, zu denen ein subventionierter Flughafen schlecht passe. Oft wird auf die jüngste Volksabstimmung Bezug genommen: Die Regierung habe einige Millionen Franken bei der Sozialhilfe einsparen wollen – Geld, das sie nun mit leichter Hand für den Flugplatz auszugeben bereit sei.

SP-Grossrat David Stampfli reibt der Gegenseite das «bürgerliche Credo» vom Markt unter die Nase, der es immer richte, und kritisiert das «ordnungspolitisch bedenkliche Engagement». Rolf Helbling rechnet vor, dass der Bahnhof Bern täglich mehr Passagiere sehe als Belpmoos in einem Jahr. Ruedi Ramseyer und andere geben sich überzeugt, dass weder Tourismus noch Wirtschaft den Flugplatz benötigten. Für das Gelände hält Ramseyer einen radikalen Vorschlag bereit: «rekultivieren und der Landwirtschaft zurückgeben».

Schlafwagen statt Flüge

Für Peter Mühle wäre es viel sinnvoller, Touristen statt mit dem Flugzeug per Bahn nach Bern zu holen. Es gebe direkte TGV-Züge von London in die französischen Wintersportorte, dies wäre auch für Bern denkbar. Mühle könnte sich Bern auch als Zentrum eines reaktivierten Nachtzugnetzes vorstellen. Etliche Leser legen dar, dass Genf, Zürich oder Basel nicht weit weg seien, nicht weiter als die Flughäfen in Paris, London oder Moskau von ihren Stadtzentren, wie Gerhard Hodler festhält. Die Landesflughäfen mit der Bahn zu erreichen, sei für eine Familie eine teure Sache, beklagt sich Toni Kuster. Bern-Belp mit seinen kurzen Wegen sei kundenfreundlicher.

Rudolf Käser fragt sarkastisch: «Und deshalb soll mit meinem Steuergeld dieser Flugplatz durchgefüttert werden, damit Sie einmal pro Jahr möglichst kostengünstig in die Ferien fliegen können? Nein danke!» Auch die Idee von Fabian Furrer, aus dem Geldtopf Rückvergütungen für Bahnbillette nach Zürich, Genf oder Basel zu finanzieren, kommt schlecht an. Die Flughafenklientel umschreibt Daniel Schneider als «ein paar Wichtigtuer», die «für ihre Geschäfte nicht mit klimafreundlichen Verkehrsmitteln anreisen – hallo?!» Die Flüge des Bundes und der Rega könnten über Payerne abgewickelt werden, so René Widmer. Bern-Belp brauche es nicht, meint Martina Hartmann, die sich als fast einzige Frau äussert.

Stefan Baeriswyl und andere zitieren ein Indianersprichwort: «Wenn du entdeckst, dass du ein totes Pferd reitest, steig ab!» Man könne das Geld gleich «in die Aare schmeissen», so Renato Hofer. Auf dem Flugplatzgelände liesse sich laut Felix Brun Klügeres realisieren: «der grösste Stadtgarten Europas, ein Kulturzentrum, ein Silicon Valley oder die grösste Solaranlage der Schweiz».

Der Kanton Bern soll den Flughafen Bern in Zukunft stärker und dauerhaft finanziell unterstützen. Damit soll der Betrieb des Flughafens längerfristig sichergestellt werden. Was ist Ihre Meinung dazu? Soll der Kanton Bern den Flughafen Bern-Belp finanziell unterstützen? Wie stark darf sich die öffentliche Hand einmischen und braucht es den Flughafen überhaupt noch? Diskutieren Sie mit im Stadtgespräch.

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