Der Flughafen Bern im Wettlauf gegen die Zeit

Eine Million Franken Verlust erlitt die Flughafen Bern AG letztes Jahr. Kurzfristig ist keine Besserung in Sicht.

Ohne staatliche Unterstützung muss der Flughafen weiter abspecken - im Extremfall bis zum Wegfall aller öffentlichen Flüge.

Ohne staatliche Unterstützung muss der Flughafen weiter abspecken - im Extremfall bis zum Wegfall aller öffentlichen Flüge.

(Bild: Raphael Moser)

Mischa Stünzi

Es hätte eine der erfreulichsten Generalversammlungen werden sollen, nun werde es eine der schwierigsten, begrüsste Beat Brechbühl gestern die Aktionäre im Hangar 6 auf dem Flughafen Bern-Belp. Der Verwaltungsratspräsident der Flughafen Bern AG hatte wenig Erfreuliches zu berichten. Einen Verlust von knapp einer Million Franken bescherte das vergangene Geschäftsjahr der Flughafenbetreiberin.

Dabei hatte alles so gut angefangen. In der ersten Jahreshälfte sei die Zahl der Passagiere sogar gestiegen, so Brechbühl. Doch dann kam der 29. August und mit ihm das endgültige Aus für die Airline Skywork.

Auf einen Schlag verlor der Flughafen einen Grossteil seiner Flüge und damit massiv an Umsatz. In den Monaten nach dem Grounding brach die Zahl der Passagiere verglichen mit dem Vorjahr um 67 Prozent ein.

Bis Ende Jahr reicht das Geld

Der Verwaltungsrat stellte sich in dieser Phase die Grundsatzfrage: Braucht Bern einen öffentlichen Flughafen? Ja, meinte das Gremium um Brechbühl. Aber das sei weder der Entscheid des Verwaltungsrats noch der Aktionäre, fand Brechbühl gestern. Die öffentliche Hand und das Volk müssten Ja sagen zum Flughafen. Der Regierungsrat hat seine Vorschläge zur finanziellen Unterstützung unlängst in die Vernehmlassung geschickt.

Und wenn die Antwort negativ ausfällt? Die Verantwortlichen liessen keine Zweifel aufkommen, dass dem Flughafen ohne öffentliche Unterstützung wohl die Zeit davonlaufen wird. 11 Millionen Franken Umsatz brauche der Flughafen, um gerade so über die Runden zu kommen - 14 Millionen, damit es ihm gut gehe, rechnete Brechbühl vor. Letztes Jahr waren es weniger als 10 Millionen. Und für das laufende Jahr prognostizierte der Wirtschaftsanwalt einen weiteren drastischen Umsatzrückgang.

Immerhin: Bis Ende Jahr ist der Betrieb laut Brechbühl gesichert. Und wenn der Kanton bis dann keine Beiträge gesprochen habe, kenne er Leute, die zur Überbrückung einspringen könnten. Danach müsste der Flughafen weiter abspecken - im Extremfall bis zum reinen Businessairport. Öffentliche Flüge gäbe es dann nicht mehr. Für Brechbühl ist klar: Dieses Szenario wäre mit dem Verkauf des Flughafens verbunden.

Auch Urs Ryf, der Anfang Juli offiziell Flughafen-Chef wird, durfte gestern seine Absichten präsentieren. Sein Hauptziel: Der Flughafen braucht mehr Flugbewegungen. Der ehemalige Militärpilot sieht dabei zwei Herausforderungen: Man müsse eine Airline finden, die mit den richtigen Maschinen die richtigen Destinationen anfliege.

Und der Flughafen brauche finanzielle Mittel, um einer Airline entweder eine Defizitgarantie bieten oder diese beim Aufbau unterstützen zu können. Wann wieder mehr Flüge in Belp abheben, darüber wollte niemand spekulieren.

Nur einzelne kritische Voten

Die Mehrheit der Aktionäre war trotz des Verlusts mit dem Gehörten zufrieden und bestätigte den Verwaltungsrat in corpore mit grossem Mehr.

Es gab aber auch kritische Voten im Belpmoos. Max Ungricht, Aviatikexperte und früherer Skywork-Sprecher, meldete sich etwa zu Wort. Er prognostizierte, die nächsten Jahre würden ein Trauerspiel. 200'000 Passagiere brauche der Betrieb pro Jahr, so Ungricht. Letztes Jahr waren es gut 15'0000. «Wenn der Flughafen nicht in den nächsten drei bis vier Jahren den Turnaround schafft, wird es ganz eng. Und ich glaube nicht, dass die heute präsentierten Ideen für die Wende ausreichen.»

Ungricht forderte den Verwaltungsrat auf, aktiv neue Führungskräfte mit neuen Ideen zu suchen. Und Brechbühl stellte in Aussicht, für nächstes Jahr sei eine Verjüngung des Gremiums bereits aufgegleist.

Letztlich ernteten die kritischen Wortmeldungen nur wenig Applaus - deutlich weniger jedenfalls als Belps Gemeindepräsident, Benjamin Marti (SVP), für seine Forderung, man müsse den Flughafen «bedingungslos unterstützen».

Der Kanton Bern soll den Flughafen Bern in Zukunft stärker und dauerhaft finanziell unterstützen. Damit soll der Betrieb des Flughafens längerfristig sichergestellt werden. Was ist Ihre Meinung dazu? Soll der Kanton Bern den Flughafen Bern-Belp finanziell unterstützen? Wie stark darf sich die öffentliche Hand einmischen und braucht es den Flughafen überhaupt noch? Diskutieren Sie mit im Stadtgespräch.

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