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Ausgesetztes Neugeborenes: Polizei findet Mutter

Nachdem am Samstag ein neugeborenes Mädchen im Berner Oberland gefunden worden ist, hat die Polizei nun die Mutter ermittelt. Das Kind ist weiterhin im Spital.

In Därstetten ist ein Neugeborenes gefunden worden.
In Därstetten ist ein Neugeborenes gefunden worden.
Markus Grunder (Archiv)

Am Samstagmorgen früh fand ein Passant ein Neugeborenes bei einer Abfallsammelstelle in Därstetten. Sofort wurden die Polizei und die Ambulanz gerufen, denn das Mädchen war stark unterkühlt. Nach der Erstversorgung flog die Rega das Baby, das sich in kritischem Zustand befand, ins Spital. Von der Mutter fehlte zunächst jede Spur. Nach Hinweisen aus der Bevölkerung fand sie die Polizei. Die Frau aus der Region hat zugegeben, das Kind in einer Kartonschachtel ausgesetzt zu haben. «Sie gab an, bewusst einen frequentierten Ort ausgewählt zu haben, in der Hoffnung, dass das Kind dort rasch aufgefunden würde», schrieb die Kantonspolizei in einer Mitteilung. Zuvor habe die Mutter das Kind ohne fremde Hilfe unweit der Fundstelle zur Welt gebracht.

Das Mädchen befindet sich weiterhin im Spital, wo es medizinisch betreut wird. Die Staatsanwaltschaft hat ein Verfahren eröffnet. «Im Rahmen der nun folgenden Ermittlungen gilt es insbesondere zu klären, inwiefern Straftatbestände vorliegen», heisst es in der Mitteilung weiter.

Nicht das erste Mal

Im Berner Oberland ist es nicht der erste Fall von einem ausgesetzten Baby. 2005 wurde ein Neugeborenes in einem Einkaufswagen im Coop in Steffisburg gefunden. Ebenfalls in einer Coop-Filiale, im Einkaufszentrum Strättligen, fand eine Kundin 2013 einen Säugling auf der Invalidentoilette.

Ein Jahr zuvor, im Februar 2012, war ein Baby tot auf der Abfalldeponie Steinigand in Wimmis aufgefunden worden. Vor Gericht erklärte die Mutter, sie habe erst einen Monat vor der Geburt von der Schwangerschaft erfahren, es aber niemandem erzählt. Zu Hause gebar sie dann das Kind, merkte aber bald, dass es nicht richtig atmete. Nach einigen Stunden sei es gestorben. Da niemand vom Kind wusste, bewahrte sie den Leichnam bei sich auf. Schliesslich brachte sie den leblosen Körper zur Abfalldeponie.

Acht Babyklappen

Nach den Vorfällen im Oberland wurde unter anderem das Spital Thun beauftragt, die Errichtung einer Babyklappe zu prüfen. Dort können Säuglinge anonym abgelegt werden, nach drei Minuten geht spitalintern ein Alarm los. In Thun sah man aber aus «ethischen und rechtlichen Gründen» davon ab. Auf politischer Ebene hatten die Vorfälle auch Auswirkungen: 2012 votierte der Grosse Rat im Grundsatz für eine Babyklappe. Ein Jahr später, im Oktober 2013, installierte die Lindenhofgruppe in der Stadt Bern dann ein Babyfenster ohne Hilfe des Kantons, jedoch in Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Hilfe für Mutter und Kind. Sie bleibt jedoch die einzige Babyklappe im Kanton. Schweizweit gibt es insgesamt acht Babyklappen in Einsiedeln, Olten, Davos, Bellinzona, Zürich, Basel und Sitten.

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