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Fegen nur weibliche Stürme?

Die Ask-Force über Hochs und Tiefs – und warum Sprachbilder wie so oft ungeeignet sind.

S. W. aus B. gelangt mit einer sehr aktuellen Frage an die Ask-Force. Immer wieder werde die Schweiz von Sturmtiefs heimgesucht, sei es Burglind, sei es Sabine, sei es Petra, schreibt Herr W. «In praktisch allen Fällen tun diese Tiefs das Gleiche: Sie fegen über die Schweiz.» Und das kann Herr W. nicht verstehen: «Fällt den Meteorologen und Journalistinnen nichts Besseres ein? Handelt es sich um Frauenfeindlichkeit, weil die Tiefs weibliche Namen tragen? Würde auch ein Sturmtief Otto fegen?» Und Herr W. fährt gleich fort: «Warum müssen Stürme überhaupt Hausarbeiten verrichten? Und ist die Schweiz nun sauberer als vorher?» Herr W., Ihre Zuschrift hat uns grosse Freude bereitet. Einerseits, weil Sie sich als Feminist zu erkennen geben. Andererseits, weil Sie uns Narrenfreiheit gewähren. Merci bien, das mögen wir.

Wahrscheinlich würde den Meteorologen und Journalistinnen (und umgekehrt) schon etwas Besseres einfallen. Doch häufig muss es in diesen Berufen schnell gehen, gerade wenn ein Sturm auf die Schweiz zusteuert. Dann müssen Pushmeldungen raus, um die Bevölkerung zu warnen. Und wie so oft, wenn es schnell gehen muss, bedient man sich gängiger Sprachbilder. Als Leser unserer Kolumne wissen Sie, dass die Entgleisungsgefahr gross ist, wenn mit Sprachbildern operiert wird. Da müssen Bauprojekte plötzlich grosse Hürden nehmen, um endlich auf die Zielgerade einzubiegen. Oder aber Weihnachten steht mit grossen Schritten vor der Tür. Und der Wintersturm fegt halt, auch wenn er das nicht wirklich tut. Nach dem Fegen sollte es eigentlich sauberer sein als vorher. Das ist es aber nicht. Nach Petra lagen zum Beispiel überall Äste und Blumentöpfe herum, ein erbärmlicher Anblick.

Mit Frauenfeindlichkeit hat das indes nichts zu tun. Es ist nun mal so, dass in geraden Jahren die Tiefs weibliche Namen tragen und die Hochs männliche, in ungeraden Jahren ist es umgekehrt. Wenn auch Sie in die Annalen eingehen möchten: Ein Hoch- oder Tiefdruckgebiet kann man sich kaufen; die Hochs sind etwas teurer, da sie länger anhalten. Um auf Ihre Frage zurückzukommen: Auch von Sturmtief Otto würde wohl behauptet, er sei über die Schweiz gefegt. So wie Lothar damals, als er ganze «Wälder und Dächer wegfegte», wie es auf einschlägigen Newsportalen hiess. Dabei hat er sie doch gar nicht weggefegt, er hat sie regelrecht abrasiert. Und das tun weibliche Stürme nun wirklich nicht. Die sind kompromissloser, da wird epiliert. Wenn schon, denn schon.

Der Ask-Force geht die Luft nie aus: askforce@derbund.ch

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