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Formel-E: «Es sind Fehler passiert»

Sicherheitsdirektor Reto Nause räumt Fehler beim Aufbau der Formel-E-Strecke ein. Trotz grossem Widerstand ist er noch vom Nutzen des Grossevents überzeugt.

Der zuständige Gemeinderat Reto Nause (CVP) räumt Fehler bei den Aufbauarbeiten ein, will aber erst nach dem Formel-E-Rennen Bilanz ziehen.
Der zuständige Gemeinderat Reto Nause (CVP) räumt Fehler bei den Aufbauarbeiten ein, will aber erst nach dem Formel-E-Rennen Bilanz ziehen.
Manuel Zingg

Herr Nause, wo werden Sie das Formel-E-Rennen am Samstag verfolgen?

Das weiss ich noch nicht. Ich werde den ganzen Tag in der Stadt unterwegs sein und mir am Abend an der Strecke einen Platz suchen. Ich bin zudem an der E-Parade engagiert und für die Pokalübergabe vorgesehen.

Die Organisatoren kommunizieren schlecht oder gar nicht und halten sich zum Teil nicht an die Vorgaben. Sind Sie selbst überrascht?

Es sind Fehler passiert, es gab erhebliche Probleme, und zum Teil hatten wir andere Vereinbarungen getroffen. Es gab nächtliche Arbeiten, obwohl das nicht vorgesehen war. Wir versuchen, das mit Hochdruck zu korrigieren, und nehmen Einfluss. Die Aufbauarbeiten sind generell hektisch. Das ist der Grösse des Anlasses geschuldet.

Sind das Pannen oder ist es Ausdruck von Arroganz?

Ich möchte heute keine Schuldigen benennen. Die Fehler sind wohl ein Mix aus allem. Wenn zum Beispiel die telefonische Infoline des Veranstalters dauernd besetzt ist, ist das inakzeptabel; dann fordern wir mehr Linien und verteilen nach Möglichkeit selbst Anwohnerinformationen. Wir stehen in permanentem Kontakt zu den Organisatoren und versuchen sie zu unterstützen.

Um den Badge zu erhalten, müssen die Bewohner des Obstbergquartiers die Organisatoren von jeder Haftung befreien, sollen auf ihr Recht am eigenen Bild verzichten und dürfen nicht filmen. Wie schützt der Gemeinderat die Rechte der Bürger?

Solche Badges sind im Rennsport üblich. Ich habe allerdings Zweifel, dass die Forderungen der Formel E juristisch einklagbar wären, und nehme nicht an, dass, wer ein Selfie macht oder eine Szene filmt, Probleme kriegt. Bei Schäden und Unfällen steht der Veranstalter in der Pflicht. Das steht auch in der Bewilligung.

Die Organisatoren zahlen rund 90'000 Franken für das Benutzen des öffentlichen Grundes. Hat die Stadt den Boden angesichts der massiven Einschränkungen und des kommerziellen Charakters nicht viel zu günstig abgegeben?

Die Rechnung an den Veranstalter wird um ein Vielfaches höher sein. Wir stellen auch Rechnung für den Aufwand der Verwaltung und alle anderen Dienstleistungen. Indirekt nimmt die Stadt zudem viel mehr Geld ein. Die Hotels und die Gastronomie sind gut ausgelastet. Da wird Geld umgesetzt.

Der Anlass könnte im rotgrünen Bern ein Fest im Zeichen der Elektromobilität sein. Doch es ist nicht gelungen, die Kritiker zu überzeugen. Im Gegenteil, den Kritikern ist es gelungen, die Bevölkerung vom Unsinn und der Zumutung zu überzeugen. Das ist für rotgrüne Politiker in der ebenso rotgrünen Stadt ein politisches Debakel.

Wenn Pannen passieren, insbesondere in der Informationspolitik des Veranstalters, ist das unerfreulich. Aber der Anlass selbst hat noch nicht stattgefunden, und ein erstes Fazit können wir erst danach ziehen. Dass es Kritik gibt, wussten wir. Auch dass der Anlass eine Belastung für das Quartier ist. Der Protest ist legitim. Nicht legitim ist hingegen die Sachbeschädigung im Rahmen der Velodemonstration.

Sind Sie überrascht vom Widerstand der Bevölkerung?

Nein, ich war an mehreren Anwohnerinformationen und habe mich schon dort mit der Kritik auseinandergesetzt. Die Frage ist, ob die Kritik nach dem Anlass anhält oder ob, wie nach der Euro 08, am Schluss die Mehrheit zufrieden ist.

Gemäss der Strategie von Bern welcome sollte die Stadt auf Events setzen, die von der Bevölkerung getragen werden. Das ist hier nicht der Fall. Die Kritik wird immer lauter. Warum hält sich der Gemeinderat nicht an die eigene Strategie?

Ich bin nicht sicher, ob die Bevölkerung das Rennen unisono einen Quatsch findet. Diejenigen, die sich freuen, sagten bisher nichts. Wir werden sie wohl erst am Samstag hören. Die Stadt braucht gemäss der Strategie alle zehn Jahre einen Big Event, damit Europa und die Welt merken, dass Bern die Hauptstadt der Schweiz ist. Der letzte war die Euro 08. Dazwischen haben wir Events, wie etwa die Tour de France. Dank dieser Strategie ist die touristische Entwicklung von Bern eine Erfolgsgeschichte. Wir haben die Logiernächte in Bern in den letzten zehn Jahren um etwa 30 Prozent gesteigert. Zumindest auf dieser Ebene kann man die Entwicklung in zählbaren Werten aufzeigen. Wir brauchen nicht permanent Grossanlässe. Aber ab und zu braucht es einen, damit man Bern auch im Rest der Welt wahrnimmt.

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