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Er gab dem Förster aus Sibirien ein neues Gesicht

Der weltbekannte Berner Gesichtschirurg Yoram Raveh wagte sich auch an hoffnungslose Fälle. Ein Nachruf.

«Er war eine Kerze, die stets an beiden Enden brannte.»
«Er war eine Kerze, die stets an beiden Enden brannte.»
zvg

Am 3. Juli ist Yoram Raveh im Liebefeld verstorben, wie aus einer Todesanzeige im gestrigen «Bund» hervorgeht. Der 1940 geborene Schädel-, Kiefer- und Gesichtschirurg arbeitete am Inselspital und galt international als Kapazität auf seinem Gebiet.

In der breiten Öffentlichkeit bekannt wurde der Arzt mit israelischen Wurzeln in den 1990er-Jahren. Damals behandelte er in Bern einen sibirischen Förster, der von einem Bären angefallen worden war. Das Tier hatte dem Mann praktisch das Gesicht weggebissen. Der Mann, der die Attacke wie durch ein Wunder überhaupt überlebt hatte, kam nach Bern, wo er während langer Zeit behandelt wurde. Nach und nach schuf das Team um Raveh ein neues Gesicht – mit Material aus anderen Körperteilen. Andere Ärzte hatten sich nicht gewagt, diesen schlimmen Fall an die Hand zu nehmen. Nach der monatelangen Behandlung konnte der Mann nach Russland zurückkehren – mit einem neuen Gesicht.

Der sibirische Förster und ein Arzt vom Team an einer Pressekonferenz. Bild: Thomas Peter
Der sibirische Förster und ein Arzt vom Team an einer Pressekonferenz. Bild: Thomas Peter

1993 hatte Raveh auch entstellte Kriegsopfer in Ex-Jugoslawien operiert, ebenfalls vermeintlich hoffnungslose Fälle. Der «Bund» schrieb 1994 über «Operationen, die nicht im Lehrbuch stehen», denn Raveh hatte bis anhin inexistente Operationsmethoden entwickelt.

Philippe Ledermann, Buchautor, Erfinder der Ledermann-Schraube in der Zahnmedizin und ein Weggefährte von Yoram Raveh, schreibt über ihn: «Er war eine Kerze, die stets an beiden Enden brannte.» In jungen Jahren sei er auf den Gängen wie ein Geist vorbeigerauscht, mit einem Zigarillo im Mund, sodass man ihn noch lange habe riechen können. Raveh habe meist so schnell gesprochen, dass man mit Hören kaum nachgekommen sei, so Ledermann. Raveh habe beim Operieren Nerven und Blutbahnen erkannt, «wo andere Augen nur noch einen Haufen Fleisch sahen». Die Art, wie er operiert habe, lasse sich nicht erlernen: «Es war reine Begabung», so Ledermann in seinem Buch mit dem Titel «Papiereltern».

Nachbarn erinnern sich an den schnellen Mediziner, der bei einem eingehenden Alarm sein Motorrad bestieg und damit zum Spital eilte. Raveh lebte laut Ledermann zurückgezogen und schirmte sein privates Umfeld vor der Öffentlichkeit ab. Die Trauerfeier findet darum im engsten Familien- und Freundeskreis statt, wie es in der Anzeige heisst.

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