Eggers Abgang ist folgerichtig

Nach einer zermürbenden Reorganisation wird mit dem Abtreten von Thomas Egger, dem Direktor des Thorberg-Gefängnisses, endlich Platz frei für einen Neuanfang.

Es geht um die Reorganisation: Polizei- und Militaerdirektor Philippe Müller (links) und Thomas Egger, Direktor der Justizvollzugsanstalt Thorberg im Gespräch an der Medienkonferenz.

Es geht um die Reorganisation: Polizei- und Militaerdirektor Philippe Müller (links) und Thomas Egger, Direktor der Justizvollzugsanstalt Thorberg im Gespräch an der Medienkonferenz.

(Bild: Keystone Anthony Anex)

Dölf Barben@DoelfBarben

Es war eine etwas seltsame Medienkonferenz am Dienstag. Polizeidirektor Philippe Müller hat Thomas Egger, dem Direktor des Thorberg-Gefängnisses, das Vertrauen ausgesprochen. Er habe eine wichtige Reform durchgesetzt. Und doch gab Egger seinen Rücktritt bekannt – nach nicht einmal fünf Jahren im Amt. Er gehe aus freien Stücken, niemand habe ihn dazu gedrängt, beteuerte er.

Letztlich ist vieles unklar und vage geblieben. Am aufschlussreichsten waren noch die Umkehrschlüsse, die sich aus manchen Aussagen ziehen liessen: In einer solchen Anstalt – «eine Parallelwelt mit eigenen Gesetzen» – eine Reorganisation durchzuführen, hiess es etwa, verlange viel Fingerspitzengefühl. Hatte Egger also keines?

Zu vermuten ist in der Tat, Egger habe es am nötigen Feingefühl und Geschick gefehlt, den Thorberg zu reorganisieren und in die Zukunft zu führen. Schon früh war Kritik an seinem Führungsstil laut geworden: Er gehe forsch vor und gebe sich mitunter autoritär.

Bei der Reorganisation ging es unter anderem darum, widerspenstige Mitarbeiter zu zähmen. Dass dieses schwierige Vorhaben zu steil angegangen wurde, bestätigte Karl-Heinz Vogt – ebenfalls indirekt: Der Coach, der Egger vor einem halben Jahr zur Seite gestellt wurde, sagte, wahrscheinlich wäre es klüger gewesen, nach Eggers Amtsantritt zuerst zwei Jahre in die Verbesserung des Betriebsklimas zu investieren.

Auch wenn keine Vorwürfe gegen ihn erhoben werden: Eggers Rücktritt ist folgerichtig. Nach einer zermürbenden Reorganisation wird dadurch Platz frei für einen Neuanfang – für eine Person, die unbelastet das Ruder übernehmen kann.

Völlig zu verscheuchen war am Dienstag der Gedanke nicht, Eggers Abgang erfolge doch nicht ganz so freiwillig. Die Medienkonferenz wirkte vielmehr wie der Schlussakt einer etappenweisen Absetzung. Der erste Akt hatte vor einem halben Jahr gespielt – mit der Einsetzung eines Aufpassers.

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