Neue Leute, bekannte Namen

Sie wollen sich für Sicherheit und Verkehrsfluss einsetzen: Mutter Margret (fdp) und Sohn Peter Wasserfallen (svp). Ihr wiederum liegt die Kulturförderung am Herzen: Nicola von Greyerz (sp). Ausgewählte Persönlichkeiten unter 500 Kandidierenden. Seit gestern liegen die bereinigten Listen für die Stadtratswahlen vor.

Die Wasserfallens (fdp und svp)

Mit dem Namen Wasserfallen, Familie des verstorbenen Gemeinderats Kurt Wasserfallen und des Nationalrats Christian Wasserfallen, ist weiterhin zu rechnen: Witwe Margret Wasserfallen kandidiert auf der FDP-Liste für den Berner Stadtrat; Sohn und Bruder Peter Wasserfallen steht als SVP-Kandidat bereit. Sie habe als langjährige Begleiterin eines Berufspolitikers genügend politische Erfahrung gesammelt, sagt die 60-jährige Mutter und Hausfrau. Seit dem Tod ihres Mannes habe sie mehr Zeit für politisches Engagement. Das Datum der FDP-Versammlung der Sektion Kirchenfeld ist immer dick in der Agenda von Margret Wasserfallen eingetragen. Sie setzt – wie dies bereits ihr Ehemann getan hatte – Schwerpunkte bei den Themen Sicherheit und Sauberkeit. Zudem möchte sie den motorisierten Individualverkehr verflüssigen. Sohn Peter Wasserfallen hat nach eigenen Angaben «mehr Berührungspunkte zur SVP», wie er sagt. Der 28-jährige Historiker wird Ende Jahr die Ausbildung zum Nachrichtenoffizier des Panzerbatallions 12 im Grad des Hauptmanns abschliessen. Überdies sei er auf Stellensuche, sagt der Jungpolitiker, der seit 1. August 2007 SVP-Parteimitglied ist. Nebst dem Thema Sicherheit will sich Wasserfallen junior in Energiefragen und gegen das «Harmos-Diktat» einsetzen.

Die SVP entwickelt sich zur Familienpartei im wahrsten Sinn des Worts. Die Familie Bernasconi ist gleich mit drei Mitgliedern vertreten: Mit dem bisherigen Peter Bernasconi kandidieren Ehefrau und Tochter, Catherine und Sarah Bernasconi.

Nicola von Greyerz (sp)

Das Verhältnis zu ihrem Urgrossvater sei ein sehr nüchternes, betont Nicola von Greyerz. Die 35-jährige Kandidatin auf der SP-Liste ist Urenkelin des bedeutenden Berner Volkskundlers und Sprachwissenschaftlers Otto von Greyerz. Wo er politisch stand, wisse sie zwar nicht genau – «aber ein Linker war er bestimmt nicht». Dennoch gebe es etwas, was sie von ihrem Ahne mitbekommen habe: die Hinwendung zur Sprache. Nicola von Greyerz hat Germanistik studiert – und wegen ihres Urgrossvaters die Fächer Dialektologie und Volkskunde belegen müssen, die dieser eingeführt habe. Zurzeit arbeitet die SP-Kandidatin als Projektleiterin des 175-Jahre-Jubiläums der Universität Bern. Seit Mitte der Neunzigerjahre ist sie SP-Parteimitglied – eine Reaktion auf das Erstarken der SVP, wie sie erklärt. Von Greyerz stieg direkt in den Vorstand der Sektion Länggasse-Enge ein, dem sie nach einem Auslandaufenthalt wieder angehört. Von 2005 an arbeitete von Greyerz zwei Jahre beim Stadttheater Bern, wo sie für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zuständig war.

Durch ihre beruflichen Tätigkeiten sei es in erster Linie die Kulturpolitik, die sie interessiere, sagt von Greyerz. Ein Nachfolgestandort für den Progr oder ein ausgeglichenes Verhältnis der Kulturförderung zwischen den «grossen fünf» und alternativer Kultur seien ihr etwa ein Anliegen.

Sylvia Lafranchi-Haas (fdp)

Für die FDP kandidiert die 47-jährige Sylvia Lafranchi-Haas, Naturheilpraktikerin mit Spezialgebiet Schleudertrauma. Besonders am Herzen liegt ihr das Thema Sicherheit: «Letztes Jahr wurde mein Sohn von einem Irren in Bern spitalreif geschlagen – da wusste ich: Dagegen muss man etwas tun», sagt die Mutter von vier Kindern im Alter von 10 bis 19 Jahren. Der FDP trat sie aber schon kurz vor dem Übergriff bei, hier engagiert sie sich seither im partei-internen Ausschuss «Sicherheit und Gesellschaft».

Besser bekannt denn als Politikerin ist Lafranchi, weil sie Trauzeugin von Shawne Fielding war bei deren Hochzeit mit dem damaligen Schweizer Botschafter Thomas Borer in Berlin. Und seit einigen Wochen ist sie mit dem Präsidenten der jungen SVP der Schweiz und des Kantons Bern liiert: Erich J. Hess. Für Furore – und eine Flut verärgerter Leserbriefe – sorgte sie, als sie vor Kurzem in der «SonntagsZeitung» das Fahren im Offroader verteidigte. «Offenbar polarisiert meine Art zu politisieren», sagt Lafranchi, «das war mir bisher nicht bewusst.» Sie fühle sich aber durch die vielen positiven Rückmeldungen aus ihrem Umfeld bestärkt: «Viele sagten mir: ,Läck, bist du mutig‘.»

Bettina Wegenast (gfl)

«Ich bin immer auf der Suche nach einer pragmatischen Lösung», sagt die Autorin Bettina Wegenast. Daher sei sie bei der GFL gut aufgehoben: Diese argumentiere sachbezogen statt ideologisch. Seit fünf Jahren ist Wegenast Parteimitglied, schon bei den letzten Wahlen kandidierte sie – erfolglos – für den Stadtrat. Sollte es diesmal klappen, möchte Wegenast Themen vernetzt angehen: «Man kann Probleme nicht isoliert betrachten, das habe ich unter anderem bei meiner Arbeit für die Schulkommission der Kleinklassen gesehen.» Die ehemalige Lehrerin ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder, 19 ist die Tochter und 21 Jahre der Sohn.

Seit Langem schreibt Wegenast hauptberuflich Bücher, Theaterstücke und Hörspiele für Kinder und Erwachsene. Daneben erteilt sie Kurse in erzählendem Schreiben. Als freie Journalistin war sie für diverse Medien tätig – unter anderem für den «Bund». Zurzeit arbeitet sie nur noch in der Redaktion des Kinderkulturkalenders «Leporello» für den Raum Bern. Inhaltlich habe sie sich als Fachjournalistin auf ganz spezifische Themen fokussiert, sagt Wegenast: auf Kinderbücher, Kinderfilme – und auf Comics. Schliesslich war sie jahrelang Betreiberin des Comic-Kellers in der Berner Altstadt, bis sie diesen 1998 aus gesundheitlichen Gründen verkaufen musste.

Hannes Imboden (die mitte)

«Statt still die Faust im Sack zu machen, will ich mich lieber selber engagieren», sagt der Hotelier Hannes Imboden und fügt an: «trotz meinem hohen Alter». Der Vater von drei erwachsenen Söhnen hat mit 61 Jahren aber beileibe noch kein biblisches Alter erreicht. Seit zweieinhalb Jahren führt er zusammen mit seiner zweiten Frau die beiden Hotels Bären und Bristol in der Innenstadt. An der Wahlplattform «die Mitte» gefalle ihm, dass es hier «um die Sache gehe, nicht um Personen», sagt Imboden. Dafür müsse er nicht einmal sein Gedankengut aufgeben: Er habe in der FDP bleiben können. Im Stadtrat will er für das Gewerbe und eine wirtschaftsfreundliche Stadt eintreten, sagt der ehemalige Direktor von Oberland Tourismus. «Es gibt Dinge, die uns Kleinunternehmern in Bern nicht gefallen, die Überreglementierung etwa.»

Anton «Fashion» Schumacher (gpb)

«Es verdient Anerkennung, dass Schumacher mit seiner anarchistischen Grundeinstellung sich auf eine Wahlliste einstimmen liess», sagt der Linksaussen-Stadtrat Luzius Theiler über seinen Parteikollegen. «Er kann Leute mobilisieren, die sonst nicht wählen würden, weil sie es grundsätzlich sinnlos finden, sich in diesem System zu engagieren.» Schumacher ist unter seinen Szenenamen «Fashion» und «Giovanni» ein bekanntes Gesicht in Bern – vor allem wegen negativer Schlagzeilen: An vorderster Front war er etwa bei den Krawallen in Bern im Oktober letzten Jahres dabei, organisierte nicht bewilligte Demonstrationen und gelangte wegen Sachbeschädigung und Landfriedensbruchs seit den 1980er-Jahren regelmässig vor Gericht. Wegen seiner Beteiligung an den Ausschreitungen im letzten Herbst wurde Schumacher der ablaufende Vertrag für seine Galerie an der Herrengasse nicht verlängert – er musste kürzlich das Haus verlassen.

Der Bund

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt